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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Konzert: Sängerin macht Dampf zu flotter Fahrt

21.01.2017

Varel Freunde von Modelleisenbahnen führen ihre Prunkstücke auf zwei Arten vor: Sie stellen sie in Vitrinen zur Schau. Bloß keinen Staub dran kommen lassen. Oder sie jagen sie über Gleise. Da fliegt die Lok auch schon mal aus der Kurve. Diese Miniaturen bilden eine kleine Parallelwelt zum Universum der Alten Musik. Auch die kann man sehr seriös darbieten. Oder man lässt sie richtig schnurren und wild tanzen.

Beherzter Schwung

Das legendäre Ensemble „London Baroque“ entwickelt beide Versionen. Bei seinem Auftritt beim Verein für Kunst und Wissenschaft (Kuwi) in der voll besetzten Vareler Schlosskirche pflegt es die gediegene Vorführung, bei der es weniger staubt, ebenso wie jene, in der es richtig um die Taktstriche pfeift.

Die Sopranistin Hannah Medlam heizt den Dampfkessel dynamisch an. Mit beherztem Schwung springen Ingrid Seifert und Lukas Medlam (Violinen), Charles Medlam (Violoncello) und Nathaniel Mander (Cembalo/Instrument des Oldenburgers Dietrich Hein) auf den Zug auf. Das Programm „Händel and some of his Friends“ gewinnt da in Varel ganz viele Freunde.

Blank geputzt, staubfrei und etwas gemütlich hat es mit Sonaten von Arcangelo Corelli (D-Dur op. 1/12) und Georg Friedrich Händel (F-Dur, op. 5/6) begonnen, mit schönem Außenanstrich. Doch dann rütteln die Briten und die österreichische Ensembleleiterin die Hörer durch.

Da demonstrieren sie etwa in Händels Dresdner Triosonate g-Moll die Frische aktuellen historischen Spiels: Raffiniert, farbenreich, vielschichtig, temporeich, geschmeidig. Da verwundert nicht einmal eine dezente Vibratonutzung. Die Londoner blasen damit keine Töne auf, sie runden sie vielmehr elegant.

Eine Klasse für sich

Die Sängerin erweist sich als eine Klasse für sich. In Händels italienischer Kantate „Tu fedele, tu constante?“ wird sie den Anforderungen des ebenso dramatischen wie lyrisch innigen Vokalsatzes und der italienischen Deklamation fast mühelos gerecht. Mehr noch: Ihr Ton fußt auf einer sicheren Basis, schwingt sich von dort bruchlos durch die Register.

So kann sie subtil das Ausdrucksspektrum barocker Affekte durchmessen. Auch in Händels drei Arien aus „Neun deutsche Arien“ und in vier „Shakespeare-Songs“ von Thomas Augustin Arne zeigen die Fünf dieses Gespür fürs Ganze und die Aufmerksamkeit fürs Detail.

Den Clou liefert dann noch der Cellist. Hat sich nicht da schon ein Gefühl eingeschlichen, dass Mister Medlam senior seinen Ton irgendwie mit einem Augenzwinkern dekoriert? Das bestätigt er vor einer Solosonate von Francesco Geminiani mit einer Erläuterung zu seinem fünfsaitigen Instrument.

Je nach Stimmung liegen Töne anders als gewohnt. „Das ist, als ob ein Engländer eine französische Schreibmaschine benutzt“, sagt er, „da liegen manche Buchstaben an entgegensetzten Stellen.“ Aber er spiele dieses Instrument ja mittlerweile sechs, sieben Jahre: „Da treffe ich inzwischen die richtigen.“ Stimmt auffallend!

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