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Aktualisiert vor 4 Minuten.

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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Erinnerung: Schwertwal musste Zähne lassen

16.01.2016

Wangerooge Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Insel Wangerooge einen der beiden toten Pottwale, die am Freitag vor einer Woche am Ostzipfel angeschwemmt worden waren, als Skelett behalten kann. Bürgermeister Dirk Lindner hat mittlerweile finanzielle Zusagen für die Präparierung des einen der „Jungs“, wie er sie nennt.

Wie berichtet, soll die Aufbereitung des Skeletts bis zu 60 000 Euro kosten. 10 000 Euro hat der Landkreis Friesland fest zugesagt, das Umweltministerium will Fördertöpfe anzapfe, der Wangerooger Lions-Club hat seine Unterstützung auch versprochen. Zudem gibt es weitere Zusagen hoher Summen von Betrieben und Freunden der Insel. „Ein Lob an Almut Kottwitz vom Umweltministerium: Sie ist sehr rührig“, lässt Bürgermeister Lindner ausrichten.

Am Freitagnachmittag hat zunächst planmäßig der Abtransport der beiden Pottwalbullen begonnen. Sie wurden per Schiff des Jade-Dienstes Richtung Wilhelmshaven geschleppt. In einem separaten Hafenbereich sollen sie durch Fachkräfte zerlegt und für die Entsorgung vorbereitet werden.

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Fest um den Wal

Unterdessen gibt es auf Wangerooge bereits Ideen, wie der Pottwal, der der Insel bundesweit Aufmerksamkeit beschert hat, gewürdigt werden kann. „Wir könnten im Sommer ein Pottwal-Fest feiern“, meint etwa Horst Klemmer, Präsident des Wangerooger Tennisclubs: Er könne sich gut vorstellen, im Rahmen der Tenniswoche eine solche Veranstaltung zu organisieren – nach dem Vorbild des Welsfests in Bad Zwischenahn. „Bei unserem Fest könnten Naturschutzwarte über Wale informieren“, meint er.

Bei dieser Gelegenheit könnte dann auch an den anderen Wangerooger Wal erinnert werden: Am 21. November 1956 sorgte ein Schwertwal, auch „Mörderwal“ genannt, auf der Insel für Furore.

Die NWZ  berichtete am 24. November 1956: „Zwei junge Insulaner, die bei auflaufendem Wasser am Strand entlang bummelten, trauten ihren Augen nicht: auf einer dem Strand vorgelagerten Sandbank war ein Riesenfisch gestrandet! Nach kurzem Kriegsrat wurden schnell ein Paddelboot und ein langes Tau aus dem Dorf geholt. Dann ging es auf schwankendem Boot hinaus zur Sandbank, wo es nach vieler Mühe gelang, das Tau um die Schwanzflosse des Fisches zu schlingen. Dabei kenterte das Boot und die wagemutigen Jungen mussten ein reichlich kühles Bad in Kauf nehmen, was bei drei Grad unter Null gewiss kein reines Vergnügen war. Die Beute, ein Schwertwal, wurde an Land gezogen. Ein Schlachtermeister verkürzte den Todeskampf des Tieres, das rund 25 Zentner wog, 5,40 Meter lang und 1,50 Meter hoch war. Die mächtige Schwanzflosse hatte eine Breite von 150 Metern.“

Der „Held von Wangerooge“, der den weiblichen Wal 1956 an Land geschleppt hatte, ist der mittlerweile 81-jährige Hajo Mannott . „Damals hatte ich noch einen Bootsverleih und bin zum Walfisch raus, der 100 Meter vom Strand entfernt auf einer Sandbank lag“, erzählte Mannott im vergangenen Jahr Manfred Osenberg für einen Artikel im „Moin!“: „Es war kalt, damals vor 55 Jahren. Wir hatten vier Grad unter Null. Überall Eis und Schnee. Da lag er, der Walfisch. Auf einer Sandbank vor der Insel. Knapp acht Meter lang. Wir haben ihn an Land gebracht und später nach Harle. Ein LKW ist bei der ganzen Fahrerei unter der schweren Last zusammengebrochen und ich habe mich nicht mehr um das tote Tier kümmern können.“

Als im November 1994 ein Pottwal vor Baltrum gestrandet war, erinnerte sich auch Insel-Chronist Hans-Jürgen Jürgens an die Ereignisse rund um den Schwertwal zurück: Das Ereignis habe damals ganz Wangerooge auf die Beine gebracht, berichtete er Theo Kruse, der den „Mörderwal“ ebenfalls – als Kind – erlebt hat.

Nach Harle geschleppt

Den Schwertwal sollte einige Tage später der Seenotkreuzer „Lübeck“ nach Bremerhaven schleppen. „Doch heftiger Nordweststurm hielt den Schleppzug vier Tage am Westanleger fest. Nachdem der Sturm abgeflaut war, schleppte die ,Lübeck‘ das Tier nach Harlesiel, von wo aus es mit der Bahn in ein Bremerhavener Museum gelangte“, berichtete Jürgens damals der NWZ .

Den Transport überstand der Schwertwal unbeschädigt – nicht jedoch den Besuch einer Wangerooger Schulklasse zwei Jahre später, wie Hans-Jürgen Jürgens zu berichten wusste: „Einige Lausebengel brachen dem inzwischen präparierten Skelett die Zähne heraus – als Souvenir.“

Damit genau das bei den beiden Wangerooger Pottwalen nicht geschieht, hatten Gemeinde und Umweltministerium veranlasst, dass den beiden Kolossen die Kiefer abgetrennt werden. Die Walzähne bestehen nämlich aus Elfenbein – und das darf aus Artenschutzgründen generell nicht mehr gehandelt werden.

Die Gemeinde Wangerooge hat von dem angeschwemmten „Weißen Gold“ leider gar nichts. „Wir hätten mit dem Verkauf unseren Haushalt auf Jahre sanieren können“, meint Bürgermeister Lindner augenzwinkernd.

Melanie Hanz Redakteurin / Gesamtleitung Friesland
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