• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Fünf Verletzte nach Zusammenstoß in Kreuzung
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 28 Minuten.

Unfall In Oldenburg
Fünf Verletzte nach Zusammenstoß in Kreuzung

NWZonline.de Region Friesland Kultur

„Hühner und Gänse liefen durch die Betten“

23.02.2019

Steinhausen Einen lehrreichen Rückblick in die „gute, alte Zeit“ gab der Archäologe Professor Dr. Haio Zimmermann (Bockhorn) am Donnerstagabend beim Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) in der Altdeutschen Diele in Steinhausen. Lehrreich deswegen, weil er seine Ausführungen durch eigene Grabungsberichte und Forschungen sehr lebendig illustrieren konnte. Eines vorweg: So gut war die alte Zeit gar nicht.

Wie wohnten die Menschen in dieser Gegend? Von der Steinzeit bis in die Neuzeit sei die Entwicklung der Häuser gut zu fassen, so Zimmermann. Von der Bronzezeit an gab es den klassischen Typus mit zentraler Herdstelle, Mittelgang und Viehboxen. Aber die erste überraschende Erkenntnis: Die Menschen schliefen nicht separat, die gemütlichen Alkoven und Kammerfächer kamen erst viel später. Die Menschen schliefen und lebten mitten zwischen dem Vieh.

Auch in den Wohnteilen hauste das Vieh, kranke Tiere zum Beispiel. Hier gab es Wasserlöcher für die Enten Die Hühner liefen durch die Betten, die Gänse brüteten dicht dabei, Schaf, Rind, Pferd und Mensch teilten sich die Strohlager. Überall der Kot, die Leute lebten in Dreck und Schmutz. Das brachte natürlich die unliebsamen Mitbewohner herbei, den Menschenfloh, die Laus, die Milbe. Zimmermann hat selbst eine eigene wissenschaftliche Methode entwickelt, die Phosphatsondierung, mit der sich die Lebensweise in diesen Häusern aufzeigen lässt. Sein Eindruck: „Es ging zu wie in der Arche Noah.“

Es folgte, wohl ab dem 13. Jahrhundert, das Niedersächsische Hallenhaus, gefolgt vom Gulfhaus: „Das waren richtige Rauchhäuser, in denen wir noch vor ein paar Generationen lebten.“ Der Qualm von den offenen Herdfeuern war so dicht, dass man fast die Hand vor Augen nicht sehen konnte. Die Leute hockten im Winter so eng am Feuer, dass sich an den Beinen Geschwüre bildeten. Licht in den Häusern gab es so gut wie nicht. Das ging über Jahrhunderte so: „Die Menschen hatten nach kurzer Zeit Raucherlungen.“

Und die Kloake: Zimmermann hat sie selbst ausgegraben, die Aborte direkt neben den Trinkwasserbrunnen. Und er hat diese Szenen aufgespürt auf den alten Gemälden vor allem der holländischen Künstler: „Da floss alles durcheinander. Kein Wunder, dass sich Epidemien ausbreiteten.“ Die Menschen erleichterten sich auf dem Misthaufen, im Stall, am bequemsten unter dem überhängenden Dach. Die Lebenserwartung der Gestrigen lag bei 35 Jahren. Zimmermann zitierte Voltaire, der die Lage im Norden so beschrieb: „Da gibt es Hütten, die sie Häuser nennen, darin leben Tiere, die sie Menschen heißen.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.