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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Trend geht zum Rasengrab

28.11.2015

Jeverland Gestorben wird immer. Das ist nicht nur der deutsche Titel der US-amerikanischen Kultserie „Six Feet Under“, die von der Bestatter-Familie Fisher handelt und mit viel schwarzem Humor einem sehr ernsten Thema den Schrecken nimmt, sondern auch eine unausweichliche Wahrheit.

Was nach dem Tod mit einem Menschen passiert und wie er beigesetzt wird, das ist abhängig von der Gesellschaft, in der der Mensch gelebt hat. Wandelt sich die Gesellschaft, dann wandelt sich auch die Sterbekultur. „Das kann man auf einem Friedhof sehr gut beobachten“, sagt Christa Reents von der Verwaltung des Friedhofs Jever. „Es gibt weniger traditionelle Erdbestattungen, dafür hat die Anzahl der Urnenbestattungen deutlich zugenommen“, berichtet Pastor Rüdiger Möllenberg.

Die evangelische Gemeinde Jever betreut nicht nur den Friedhof an der Blauen Straße, sondern auch den Friedhof in Wiefels und den jüdischen Friedhof in Schenum. „Etwa ein Drittel sind klassische Erdbestattungen, zwei Drittel sind inzwischen Feuerbestattungen“, sagt Christa Reents. Auf dem Friedhof an der Blauen Straße verwaltet sie rund 10 000 Grabstellen.

Ein Grund sei, dass viele Menschen vor ihrem Tod verfügen, dass die Angehörigen möglichst wenig Last mit der Grabpflege haben sollen. „Und die Urnengräber sind einfach pflegeleichter“, erklärt Reents. Dazu komme, dass viele Angehörige nicht mehr im selben Ort leben, in dem ihre Toten bestattet sind.

Eine Alternative sei ein so genanntes Rasengrab. „Wir bestatten Urnen und Särge auch unter Rasen, auf dem Grab liegt eine Steinplatte von 30 mal 30 Zentimetern mit Name und Lebensdaten“, erklärt Reents.

Größere Rasenflächen

Urnen und Särge können in Jever unter Rasen bestattet werden, auch die Umwandlung einer traditionellen Grabstelle in ein Rasengrab ist möglich. „Das wird sehr viel nachgefragt“, sagt Reents. „Deshalb haben wir auf den Friedhöfen immer größere Rasenflächen und immer mehr flache Grabzeichen“, erklärt sie. Grabsteine müssen übrigens in Jever von Kirchengemeinde und Oberkirchenrat in Oldenburg genehmigt werden. „Dabei hat die Kirche eine gewisse Ästhetik im Auge“, sagt Reents.

Die zunehmende Zahl der Urnenbestattungen mit vorausgegangener Einäscherung hat auch Auswirkungen auf die Finanzen in der Kirchengemeinde, denn ein Friedhof muss sich selbst tragen. Zuschüsse dürfen nicht gewährt werden. „Eine Urnenbestattung ist günstiger als eine Erdbestattung“, erklärt Pastor Rüdiger Möllenberg. Das wirke sich auch auf die Finanzen des Friedhofs aus. „So muss das Geld an anderer Stelle eingenommen werden, etwa durch steigende Gebühren“, sagt er.

Im Herbst 2014 hat der Theologische Ausschuss der Synode der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg, zu der auch die evangelische Gemeinde Jever gehört, eine „Theologische Orientierung: Perspektiven für kirchliche Bestattungskultur und Friedhöfe in der ev.-luth. Kirche in Oldenburg“ erarbeitet.

„Darin sind die Entwicklungen der vergangenen Jahre in diesem Bereich noch mal theologisch begründet worden“, sagt der Sprecher der oldenburgischen Kirche Dirk-Michael Grötzsch. „Denn Bestattungen sind ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit.“

Seit langem gebe es in der oldenburgischen Kirche Erd- und Feuerbestattungen, auch Bestattungen auf See stehen seit Jahren im Bestattungsgesetz der Kirche Oldenburg. Auch Bestattungen unter Bäumen sind möglich. „Allerdings spricht sich jede theologische Orientierung gegen so genannte anonyme Bestattungen aus“, sagt Grötzsch.

Neue Ruheinsel

Auf dem Friedhof an der Pakenser Kirche bei Hooksiel gibt es seit Anfang Oktober die Möglichkeit der Bestattung unter Bäumen. „Wir haben auf dem Friedhof eine von Bäumen umsäumte Wiese, auf der nun Beisetzungen vorgenommen werden können“, erklärt Pastor Stefan Grünefeld. „Ruheinsel“ heißt dieser neue Friedhofsbereich.

Die neue Friedhofssatzung des Friedhofs Pakens ist vom Oberkirchenrat genehmigt, vier Beisetzungen unter Bäumen sind bereits erfolgt, berichtet Grünefeld.

Zwei Sandsteinstelen auf der Ruheinsel nennen Namen und Lebensdaten der Beigesetzten. „Eine Beisetzung auf dem Friedhof Pakens ist dabei nicht an Konfession, Religion oder Wohnort gebunden“, betont Grünefeld.

Die neue Bestattungsform auf dem Friedhof Pakens werde gut angenommen: „Sie kommt der Entwicklung in der Bestattungskultur entgegen“, meint er. Denn auch Grünefeld hat festgestellt, dass die klassische Erdbestattung immer seltener wird. „Es gibt weniger Kinder und so auch weniger Angehörige, die sich um die Grabstellen kümmern können“, sagt er. Deshalb würden häufiger Bestattungsformen gewählt, bei denen die Grabpflege von der Friedhofsverwaltung übernommen werden kann. So wie bei der Ruheinsel Pakens.

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