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NWZonline.de Region Friesland Kultur

So glaubwürdig kann eine Lügengeschichte sein

24.09.2019

Varel Darf er das? In Zeiten, in denen Fake-News immer öfter Scheindebatten auslösen und verbreitete Lügen besonders den Journalismus in die Bredouille bringen, dürfte es die Geschichte von Jochen Schimmang eigentlich gar nicht geben. Schon gar nicht, wenn sie so glaubhaft und charmant erzählt wird, dass man sie ohne Weiteres glaubt. Mehr noch: Der Leser oder Zuhörer wird sogar neugierig.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ja, Jochen Schimmang darf das. Das bewies er bei seiner Lesung während der 51. Niedersächsischen Literaturtage am Vareler Hafen eindrucksvoll. Mit seiner bildhaften Erzählung über einen fiktiven Maler, der eine Kleinstadt bedeutvoller machen sollte, führte er sogar seine Kollegin auf dem Podium, die Autorin und Journalistin Gabriela Jaskulla, aufs Glatteis. „Ich bin ihm als Kunsthistoriker auf den Leim gegangen“, sagte sie: „Ich hatte sogar das Gefühl, das beschriebene Bild zu kennen.“

Die Geschichte „Gutermuth und Rothermund“ aus Schimmangs Roman „Adorno wohnt hier nicht mehr“ ist ein gutes Beispiel dafür ob und wie weit man gehen kann. Nämlich bis zum Horizont und weiter. So lautete auch der Titel der Lesung.

Auf dem Podium saßen zwei völlig unterschiedliche Schriftsteller, wie Gabriela Jaskulla feststellte: „Er ist ein Vertreter der neuen Innerlichkeit – ich nicht. Seine Hauptfiguren sind männliche Singles – meine nicht. Seine Helden sind die Flaneure dieser Welt – meine nicht.“ Deshalb sei es eigentlich ein Unding, dass beide nebeneinander säßen. „Aber gerade deshalb habe ich mich darauf sehr gefreut.“ Beide harmonierten dann aber perfekt miteinander.

Sie entdeckten in ihrer Unterschiedlichkeit sogar Gemeinsamkeiten: nämlich die Stadt Varel. Denn in Dangast hat Gabriela Jaskulla inspiriert von dem Ambiente des Nordseebades ihren neuen Roman fertiggestellt. „Er erscheint im nächsten Herbst“, verriet sie. Und der künstlerische Leiter der Literaturtage, Dr. Achim Engstler, plauderte aus: „Der Roman hat auch einen Dangast-Bezug.“

Eineinhalb Jahre in Varel verbrachte indes Jochen Schimmang. „Und zwar als Bundeswehrsoldat von 1967 bis 1968“, sagte er. Also mitten während der 68er-Revolte. „Diese habe ich mit viel Sympathie aber aus der Ferne in der Kaserne miterlebt.“ Die Zeit prägte ihn so sehr, dass er sie in seinem Debüt-Roman „Der schöne Vogel Phönix“ verarbeitete. „Darin habe ich die Stadt Varel angedeutet ohne sie zu nennen“, sagt er.

Gabriela Jaskulla las aus ihrem Roman „Die Herbstköchin“. Er handelt von Gianna. Sie ist jung, temperamentvoll, ehrgeizig und möchte unbedingt Köchin werden. Und zu den Besten gehören. Wo könnte sie das besser lernen als bei den Sterneköchen? Alles das ist zwar ebenfalls erfunden. Aber nicht gelogen.

Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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