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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Hardekopf spielt Hauptrolle in TV-Doku

21.12.2017

Varel /Berlin Vor drei Jahren war der in Varel geborene Schriftsteller Ferdinand Hardekopf (1876–1954) noch so gut wie vergessen. 2016 belebten Vareler Bürger mit einem Hardekopf-Festival in seiner Geburtsstadt die Erinnerungen an ihn. Im gleichen Jahr verschaffte der Verleger Bernhard Echte ihm bundesweite Aufmerksamkeit: Er gab ein Buch mit Hardekopfs „Briefen aus Berlin“ heraus.

Nun spielte Ferdinand Hardekopf gar eine Hauptrolle in der Fernseh-Dokumentation „Der Reichstag – Geschichte eines deutschen Hauses“. Sie wurde am Dienstag um 20.15 Uhr bei Arte gezeigt. Der Vareler, dessen Geburtsort in dem Film auch genannt wird, wird biografisch authentisch vom Schauspieler David Schütter dargestellt.

Bei der Kleiderauswahl orientierten sich die Kostümbildner anscheinend an historischen Fotos von Hardekopf aus der damaligen Zeit. Denn er tritt in dem Film mit Fliege und weißem Hemd auf, genau so wie es ein Foto des Schriftstellers zeigt, das vermutlich aus dem Jahr 1915 stammt.

Hardekopf hatte von 1904 bis 1916 eine Stelle als Parlamentsstenograf im Deutschen Reichstag. Er betrachtete diese Arbeit indes als reinen Broterwerb. Denn vom Honorar, das er nach seinem Philologiestudium in seinem eigentlichen Beruf als Schriftsteller und Theater-Kritiker verdiente, konnte Hardekopf nicht leben. Auch das verschwieg der Film nicht: In der Hauptstadt führte er ein Doppelleben – „tagsüber als Stenograf im Reichstag, nachts in der Berliner Boheme.“

Hardekopf war einer von 20 Stenografen im Reichstag, die die Reden der Abgeordneten lückenlos festhalten mussten. „Eine Tätigkeit, die keinen einzigen Fehler duldet“, wie er in der Dokumentation durch David Schütte betonen lässt.

Als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann, stand Ferdinand Hardekopf bereits in seinem 38. Lebensjahr. Schon lange vor Kriegsbeginn wurde sein Denken und Schreiben geprägt von einer konsequent antimilitaristischen Einstellung. Damit zählte er in Deutschland – auch unter den Intellektuellen – zu einer Minderheit.

Der Nährboden für diesen entschiedenen Pazifismus waren die Debatten im Deutschen Reichstag, die Hardekopf in Tuchfühlung mit den Rednern als Stenograf zu protokollieren hatte – mit stetig wachsendem „Grauen“, wie er bemerkte. Das wird im Film sehr gut deutlich.

Hardekopf als Reichstagsstenograf, Berlin um 1915 BILD: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Musterschüler macht Abitur mit Bestnoten

Ferdinand Hardekopf wurde am 15. Dezember 1876 in einem Haus in der Nebbsallee als erstes Kind einer Kaufmannsfamilie geboren wurde. Er war ein außergewöhnlich begabter Schüler. Ganz gleich ob zunächst in der Vorschule und Realschule in Varel oder ab 1887 am Großherzoglichen Gymnasium in Oldenburg: In der Regel war er der Klassenprimus. Auch nachdem der fast 15-jährige 1891 mit der Familie in die sächsische Metropole Leipzig gezogen war, setzte sich seine brillante Schülerkarriere fort: An der renommierten Thomasschule wurde er mit Preisen für herausragende Leistungen ausgezeichnet und sein Abiturzeugnis kannte nur die besten Noten. Nach seinem Studium der Philologie in Leipzig und Berlin lebte Ferdinand Hardekopf von 1900 bis 1916 in der Reichshauptstadt. 1921 verließ er Deutschland schließlich und starb 1954 in Zürich/Schweiz.

Als Pazifist sah er die zunehmende Kriegsrhetorik mit Sorge. Und zum Abschluss seiner Sequenz in der Dokumentation berichtet David Schütter alias Ferdinand Hardekopf über die Ereignisse des 4. August 1914, denen er als Stenograf beiwohnte und die berühmten Worte Kaiser Wilhelms II. protokollierte: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche.“

In seinen Briefen verhöhnte Hardekopf die oft von Chauvinismus und Kriegsbegeisterung bestimmten Reichstagsreden als „trauriges Mund-Werk“ und setzte dagegen seinen Traum von Gewaltlosigkeit. Sein Kommentar im Film: „Diese Kriegshetze ist jämmerlich.“ Schließlich ist es ihm zu viel. „Im Mai 1916 quittierte ich die Anstellung und folgte meinen Freunden ins Exil“, verabschiedete sich Hardekopf von den TV-Zuschauern. Die vom Norddeutschen-Rundfunk (NDR) produzierte Dokumentation ist bis zum 19. März jederzeit über die Arte-Mediathek abrufbar und wird zudem in dritten Programmen wiederholt.


Der Film in der Mediathek unter:   www.arte.tv/de/videos/051048-000-a/der-reichstag/ 
Olaf Ulbrich
Redaktionsleitung Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2501

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