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NWZonline.de Region Friesland Kultur

„Das ist ein wahnsinniges Programm“

20.09.2019

Varel /Dangast Die 51. Niedersächsischen Literaturtage sind am Donnerstagabend in Varel eröffnet worden. Noch bis zum Sonntag, 22. September, stehen zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm.

Zum Auftakt vor 70 Gästen im Vareler Waisenhaus, darunter auch Frieslands stellvertretende Landrätin Marianne Kaiser-Fuchs und Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, diskutierte Gastgeber und Moderator Dr. Achim Engstler gemeinsam mit der Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland Regula Venske sowie Sabine Prilop, Vorsitzende des VS Niedersachsen/Bremen und der vielfach ausgezeichneten Autorin Marion Poschmann unter dem Leitmotiv „Horizonte der Literatur“ darüber, wie modern Schreiben und Lesen im neuen digitalen Zeitalter noch ist.

„Wenn man ernsthaft Leseförderung betreiben will, ist viel Kleinarbeit nötig“, sagte Regula Venske. Sie schlug Alarm: „Die Lesekompetenz nimmt ab.“ Immer mehr Kinder könnten gar nicht oder nur sehr schwierig sinnerkennend lesen. „Das gefährdet die Demokratie“, sagte die PEN-Präsidentin. In diesem Zusammenhang forderte Venske von der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einen „Lesepakt“ einzugehen „zur Förderung der Lesefähigkeit der Kinder“.

Ein Bestandteil ist das Vorlesen. „Doch warum geht man zu Autorenlesungen?“, fragte Achim Engstler. „Lange bevor Geschichten Aufeschrieben wurden, hat man sie sich erzählen lassen“, antwortete Sabine Prilop. „Vorlesen spricht die Gefühle an und gibt einen Geborgenheit“, ergänzte Regular Venske. Manche Texte würden durch den Vortrag ganz andere Texte.

„Die Literaturtage zeigen die Vielfalt der Literaturlandschaft in Niedersachsen und Bremen. Doch auch in Friesland haben wir viele Geschichten, die uns mit Literatur und Kultur verbinden“, sagte Marianne Kaiser-Fuchs. Auch Bürgermeister Wagner begrüßte die Gäste im Waisenhaus und gestand, in seiner Jugend vorwiegend Arzt-Romane „verschlungen“ zu haben.

In seiner Einführung wies Achim Engstler auf die literarische Geschichte Varels hin. Von Voltaire über Theodor Storm bis hin zu Ferdinand Hardekopf habe die Stadt viel Schriftstellerisches zu bieten.

Den Abend rundete das Duo „Violino classico“ mit Deniz Berkenbusch und Stefan Krücken musikalisch ab.

„Das ist ein wahnsinniges Programm, was Sie auf die Beine gestellt haben“, sagte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner an Achim Engstler gerichtet: „Ich ziehe den Hut davor.“

Die Literaturtage werden an diesem Freitag fortgesetzt. Einher mit der geschriebenen Kunst geht dabei auch die Fotokunst: Der Vareler Künstler Matthias Langer arbeitet während der vier Tage an seinem Projekt „The writer is present“. Er wird vor den Veranstaltungen jede Autorin und jeden Autoren inmitten des ankommenden Publikums fotografieren.

Erstmals wird außerdem der Gerd-Lüpke-Preis verliehen. Im Vorfeld der Literaturtage hatte der künstlerische Leiter und Organisator, Autor Achim Engstler, dazu aufgerufen, plattdeutsche Kurzgeschichten zum Thema „Nich to glöven“ einzureichen. 28 Geschichten gingen ein – vor allem von Hobbyautoren. Die Gewinner des Schreibwettbewerbs werden bei der Preisverleihung am Freitag, 20. September, im Weltnaturerbeportal in Dangast ausgezeichnet und erstmals ihre Texte öffentlich vortragen. Ausgewählt wurden sie von einer Jury der neben Achim Engstler aus Varel auch Hans-Georg Buchtmann, Vorsitzender des Vareler Heimatvereins, Wolfgang Busch, Beauftragter für plattdeutsche Sprache in Friesland, und Dr. Garrelt van Borssum aus Leer an, der an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg Niederdeutsch unterrichtet, angehörten.

Sie entschieden sich für den Text „En Teken“ der Autorin Sonja Dohrmann aus Hamburg, der vom Abschiednehmen handelt. „Es ist eine ergreifende Geschichte vom Tod ihres Vaters“, verrät Achim Engstler. Die ganze Geschichte gibt es dann während der Preisverleihung ab 16 Uhr zu hören. Dort lesen die Sieger ihre prämierten Kurzgeschichten erstmals vor. Platz zwei geht an Claudia Ducci aus Varel. Ihr Text „Nich to glöven“ handelt unter anderem von Menschenfressern. Platz drei wurde dann sogar zweimal vergeben. „Es waren einfach zu viele gute Einsendungen“, begründet Achim Engstler. Ihn teilen sich Arne Lentföhr aus Kiel mit seiner Geschichte „De Süük“ und Helga Baumbusch aus Steinhausen. Ihr Text „Coolman“ strotzt nur so vor Witz und guter Laune. Bei der Preisverleihung hält Jürgen Müllender von der Öffentliche Versicherung aus Oldenburg das Grußwort. Für Musik sorgt Sabine Hermann.

Am Abend des gleichen Tages sind dann ab 20 Uhr im Alten Kurhaus in Dangast Susanne Kliem und Tatjana Kruse zu Gast. Die beiden Krimi-Autorinnen treten mit ihrem Programm „Killing you softly“ auf. Außerdem lesen sie aus ihren neuesten Werken, darunter eine „Krimödie“.

Am Samstag, 21. September, geht es um 11 Uhr in der Bücherei der St. Bonifatius Kirche los. Dort lesen Vareler Vareler Texte aus insgesamt vier Jahrhunderten. Mit dabei sind Sule Berkenbusch, Hans-Georg Buchtmann, Hans Sauer, Rainer Urban und Schülerinnen und Schüler der Oberschule Varel.

Um 13 Uhr laden Helga von Eßen und Karl-Heinz Martinß zum literarischen Stadtrundgang durch Varel ein. Treffpunkt ist der Schlossplatz.

Auf den Stadtrundgang folgt eine geballte Ladung Lyrik: Um 15 Uhr sind unter dem Titel „Vershorizonte“ Inge Buck, Annette Hagemann und Christian Lehnert in der Turmloge der Schlosskirche zu Gast. Christian Lehnert wurde 2016 mit dem Eichendorff-Preis ausgezeichnet.

Das literarische Abendprogramm findet am Samstag an einem eher ungewöhnlichen Ort statt: in einer Fabrik. Genau genommen ist es der Produktionsstandort der Firma Winicker und Lieber, die Schneide- und Schleifmaschinen produziert. Der Titel des Abends lautet „Einblicke“. Zu Gast sind Georg Klein (u.a. Träger des Ingeborg-Bachmann-Preises) und Gerhard Henschel (u.a. Träger des Gerhard-Born-Preises). Sie lesen auch aus ihren aktuellen Romanen.

Der letzte der Literaturtage startet um 11.30 Uhr im Radziwill-Haus. Unter der Überschrift „Worthorizonte“ ist kurze Prosa angesagt. Dabei sind Sudabeh Mohafez und Guntram Vesper (u.a. Träger des Preises der Leipziger Buchmesse und des Erich-Loest-Preises).

Gabriela Jaskulla und Jochen Schimmang sind am Nachmittag zu Gast im Bistro an der Vareler Schleuse. „Bis zum Horizont und weiter“ heißt es dort ab 15 Uhr. Die beiden Autoren lesen aus ihren Werken und moderieren sich gegenseitig.

Ab 17 Uhr wird dann im Franz-Radziwill-Haus in Dangast das Ende der 51. Landesliteraturtage in Varel und Dangast bei Wein und Gesprächen eingeläutet.

Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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