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NWZonline.de Region Friesland Kultur

„Musikhaus Keffer“ in Varel unvergessen

24.02.2018

Varel „Rund“ läuft es bei Horst Hagendorff und Ralf Onken, über deren Schallplatten-Sammlungen die NWZ in den vergangenen Tagen berichtete. Freunde der guten alten Vinyl-Scheiben dürften sich in diesem Zusammenhang auch an einen Namen erinnern, der untrennbar mit der Vareler Musikgeschichte verbunden ist und auch in den Zeilen des „Gemeinnützigen“ immer wieder auftauchte: Heinz Keffer.

Der 1920 geborene Kaufmann betrieb zunächst in der Nebbsallee 2, dann in der Langen Straße das Musikgeschäft Bruninga, im September 1956 siedelte er in das Eckhaus Schloßstraße 2 um, in das frühere Kaufhaus Geerken (Colonialwaren, Tabak, Cigarren, Spirituosen). Schallplatten, Musikinstrumente und Noten, aber auch Radios und komplette Musikanlagen bis hin zur Musiktruhe bildeten das Angebot. Scharen von Jugendlichen brachten ihr Taschengeld in das Geschäft, um sich die aktuellsten Singles zu kaufen: „She loves you“ oder „I want to hold your hand“ von den Beatles waren schnell ausverkaufte Renner, ebenso „Satisfaction“ von den Rolling Stones oder auch das „Eve of Destruction“ von Barry Mc Guire, das 1965 die Charts stürmte. Langspielplatten, kurz „LP“, gingen eher selten über den Ladentisch: die verhältnismäßig teuren Scheiben waren mit dem Taschengeld meistens nicht zu finanzieren, mit den damaligen Plattenspielern auch nicht immer kompatibel und oft nur in der Musiktruhe der Eltern abspielbar – wenn dort nicht gerade Freddys Lieder von Heimat, See und Fernweh dudelten oder Margot Eskens ihr „Tiritomba“ sang.

Heinz Keffer bereicherte das Vareler Kulturleben auf vielfältige Weise. Zu Mozarts 200. Geburtstag lud er zum unverbindlichen Hören neu eingespielter Kompositionen ein, für die verschiedensten Veranstaltungen baute er Verstärkeranlagen auf und bediente sie natürlich auch, beim Kramermarkt 1956 warb er mit „Fernsehübertragungen an den Markttagen.“ Bei der Weihnachtsschau des Vareler Einzelhandels 1954 organisierte er einen Akkordeonwettbewerb für Nachwuchskräfte. Mit dem ersten Preis von 20 DM kam die damals erst 12-jährige Annegret Fricke natürlich auch „in die Zeitung“. Ebenfalls 1954 schnitt Heinz Keffer drei Stunden lang das damalige Bundessängerfest in Varel mit: „Auf Tonband für spätere Zeiten festgehalten“, überschrieb „Der Gemeinnützige“ den technischen Aufwand.

Von sich reden machte Heinz Keffer auch 1962, als er mit dem bekannten Schriftsteller Gerd Lüpke als „Tippelbruder“ unterwegs war. Der Kaufmann mit der Mundharmonika, der Autor mit guten Worten, so schlugen sie sich für eine Rundfunkreportage bis nach Bremen durch. Beim Wirt Hermann Johannsen vom „Harrier Hof“ in Brake, der ihnen besonders freundlich Kost und Logis überließ, bedankte sich das Duo später mit Schnaps und Wurst. „Du weerst ‘n goden Kumpel för us“ lautete die Schlagzeile in der NWZ.

Im Oktober 1972 vergrößerte Heinz Keffer sein Geschäft und zog in die Hindenburgstraße um, wo seine Tochter Ingrid später eine Buchhandlung betrieb. Am 21. Mai 1996 verstarb Heinz Keffer – bis heute in Varel ebenso unvergessen wie seine Frau Wilma, die ihm stets zur Seite stand.

In die Fußstapfen des Vaters trat Sohn Karl-Heinz, der heute eine Musikschule in Horhausen im Westerwald leitet und mit ehrenamtlichem Engagement unter anderem das „Youth-Only-Projekt“ ins Leben gerufen hat. Das bietet jungen Nachwuchsbands die Möglichkeit, vor großem Publikum aufzutreten. Karl-Heinz, Jahrgang 1950, hatte damals schon früh seinen Vater begleitet – mit der selbst gebauten Verstärkeranlage, die bei Sportveranstaltungen ebenso eingesetzt wurde wie bei den legendären Aufführungen der Tanz- und Ballettschule Hildegard Feige. Die Musik liegt der Familie im Blut. Karl-Heinz’ Oma Bruninga hatte den Grundstein für das Musikgeschäft gelegt, der Großvater war Geigenbauer, „von dem habe ich sogar noch eine Laute.“

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