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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Hinter Hexereien ein Schuss Humor

27.10.2018

Varel Es gibt einen skurrilen Sketch, in dem rennt ein Geiger in der Wüste um sein Leben, verfolgt von einer Horde Löwen. Erschöpft greift er sein Instrument und zaubert: Rasende Läufe, Doppelgriffe, Staccati, Spiccati, Col legno, Messa di voce, Martelé, Flageoletts, knackige Pizzicati sogar mit den Zähnen. Die Katzen legen sich fasziniert um ihn herum im Kreis und schnurren. Da springt ein uralter Löwe über alle hinweg und frisst den Geiger. „Du Musikbanause, du Kulturschande! Hast du nicht gehört? Paganini!” schimpfen die anderen Löwen. Der Alte, leider schwerhörig, legt die Tatze ans Ohr: „Paganini? Häää?“

Würde man eine solche Filmszene drehen, sie könnte nur einen Darsteller haben: Roman Kim! Der 27 Jahre alte Kasache mit tatarisch-weißrussisch-koreanischen Wurzeln bringt die Hörer in der voll besetzten Aula des Lothar-Meyer-Gymnasiums zum Schnurren und Schwärmen und treibt sie schon vor der Pause in die Begeisterung hinein. Und in das Bild des weltgewandten Virtuosen passt es, dass der Geiger sein Gastspiel beim Verein für Kunst und Wissenschaft (Kuwi) mal eben zwischen Auftritten in Los Angeles und Shanghai eingestreut hat.

Schwergewichtig sind die Piecen nicht, die er da kredenzt: Die barocke „Teufelstriller-Sonate” von Giuseppe Tartini, Fritz Kreislers Nachempfindung im Stile Pugnanis, Niccolo Paganinis Cantabile und seine eigenen Variationen über „God save the King.“ Doch bei diesen Publikumsködern zeigt er über seine atemberaubende und spektakuläre Technik hinaus seine Persönlichkeit. Sie wirken nicht banal, weil Kim durch seine Virtuosität den Ausdruck verstärkt, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Unterschwellig ist sogar ein angenehmer feiner Humor zu spüren. Da hat es der solide Pianist Jure Gorucan schwerer. Wie soll er sich, außer mit ein paar harten Anschlägen, bei einer Begleitung, die substanziell nichts hergibt, nachdrücklich in Stellung bringen?

Bei aller offen zur Schau gestellten Freude an Finger- und Handgelenksakrobatik verweist Kim auf eigene fantasievolle musikalische Entwürfe. Den zweiten Teil widmet er eigenen Kompositionen, von Variationen zu „La Folia“ über zwei Romanzen bis zur Fantasie über schwelgerische Themen aus Verdis „La Traviata.“ Da kann er mit zwei seiner Spezialitäten aufwarten: Die Kombination von hexendem Springbogenspiel mit Pizzicati der Griffhand und fast unbekannten Varianten beim Flageolett. Und wenn er dann in bester Jimi-Hendrix-Manier an den Saiten genagt hat, kennt der Beifall keine Grenzen. Ohne Zugaben kommt er da nicht von der Bühne.

Und klar: Sollte Kim wirklich mal in diesem Sketch auftreten, dann muss das Ende natürlich völlig umgeschrieben werden.

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