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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Ein Magier an der Zauber-Flöte

18.02.2019

Varel Sie klinge langweilig, spröde, oft nervend schrill. Immerhin eigne sich die Blockflöte in ihrer Sopran-Variante als Einstiegsinstrument für Grundschüler, weil sie doch so kinderleicht zu spielen sei. Sollte jemand mit solchen Klischees am Samstagabend unter den 400 Zuhörern in der Schlosskirche gesessen haben, wurde er in dem fast zweistündigen Konzert eines Besseren belehrt – und zwar auf mitreißende und nachhaltige Weise.

Auf Einladung des Vereins für Kunst und Wissenschaft (Kuwi) konzertierte mit der Akademie für Alte Musik Berlin (Akamus) eines der führenden Barockensembles der historischen Aufführungspraxis in Varel. Begleitet wurden die Akamus-Mitglieder und ihr Konzertmeister Georg Kallweit von Maurice Steger, einem der Stars unter den Flötisten der Gegenwart.

Das Konzert begann mit einer klangprächtigen viersätzigen Ouvertüre von Franceso Maria Veracini. Im zweiten Werk, dem Flötenkonzert g-Moll von Antonio Vivaldi, konnte das Publikum die eindrucksvolle Gestaltungskraft Maurice Stegers zum ersten Mal erleben. Wie bereits der Beiname „La Notte“ vermuten lässt, schuf der Komponist der „Vier Jahreszeiten“ auch hier ein Instrumentalkonzert, das beim Hörer außermusikalische Bilder und Assoziationen hervorrufen soll.

Die Musik schildert die nächtlichen Seelenzustände eines Menschen: Im einleitenden Largo herrscht gespannte Ruhe, vermittelt durch den Wechsel von extrem gedehnten Pausen und virtuosen Passagen des Solisten auf der Altblockflöte. Es folgen die Heimsuchung durch die Nachtgeister im anschließenden Presto, die Erlösung durch den Schlaf, dargestellt in der schönen Musik des zweiten Largos, und eine zwischen Unruhe und Lebensmut wechselnde Stimmung im abschließenden Allegro.

Was in diesem und in den anderen solistischen Werken von Hasse, Fasch und Sammartini besonders beeindruckte, ist nicht so sehr die perfekte Grifftechnik. Große Fingerfertigkeit, auch noch in rasend schnellen Passagen, darf von jedem versierten Solisten erwartet werden. Es ist vielmehr die souveräne Atemtechnik des Zauber-Flötisten Maurice Steger, die den Hörer staunen lässt, ganz gleich, ob in den weit gespannten Melodiebögen der langsamen Sätze oder in den erregten Staccati, wie etwa im Allegro Assai des Konzerts von Sammartini (mit Sopran-Blockflöte!).

In diesem Zusammenhang ist wohl auch die auffallend lebhafte Gestik Stegers zu sehen, die seinen Körper zu einer Art Resonanzraum werden lässt. Und der charismatische Künstler nutzt seine Körpersprache zur gezielten Kommunikation mit dem Publikum, das er in der Schlosskirche an seiner unbändigen Spielfreude teilnehmen ließ und manchmal sogar – wie am Schluss der Hasse-Kantate – flötend zum Lachen brachte.

Das Zusammenspiel des Solisten mit dem Ensemble war geprägt von einem reibungslosen Miteinander. Das Spiel von Akamus auf authentischen Instrumenten – zum Teil restaurierte Originale aus der Barockzeit, zum Teil detailgetreue Nachbauten – kam der solistischen Flöte sehr entgegen, die vor den gedämpften, weichen Klängen des Orchesters noch die feinsten Linien hörbar machen konnte. Auch in den nicht-solistischen Kompositionen des Abends, vor allem in der packenden Interpretation der eigenwilligen Sinfonie F-Dur von Wilhelm Friedemann Bach, wurde dieses Ideal der Durchhörbarkeit barocker Intonation auf reizvolle Weise erfahrbar.

Durch stehenden Applaus, Trampeln mit den Füßen und Bravo-Rufen zeigte das Publikum seine Begeisterung. Die Musiker bedankten sich, indem sie den vor Lebensfreude sprühenden dritten Satz des G-Dur-Konzertes von Heinichen erneut spielten.

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