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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Vareler Autor nimmt seine Leser mit ins Schloss

02.11.2018

Varel Ein Bronzerelief und Überreste der Mauern auf dem Vareler Schlossplatz lassen erahnen, wie das Vareler Schloss ausgesehen hat. Aber was ging in seinem Inneren vor? In seinem Roman „Was geht da vor, Sophie? Der Roman des Grafen von Aldenburg“ nimmt der Vareler Autor seine Leser mit ins Vareler Schloss. In Briefen an seine Tochter Charlotte Sophie blickt Anton II. von Aldenburg (1681 - 1738) zurück auf sein Leben, philosophiert über sein sowie ihr Leben an der Seite ihres ungeliebten niederländischen Ehemannes Willem Bentinck. Und noch eine zweite Frau mit einer außergewöhnlichen Geschichte erwacht in Achim Engstlers Roman zum Leben: Maria Rampendahl.

„Was geht da vor, Sophie?

Der Roman „Was geht da vor, Sophie? – Der Roman des Grafen von Aldenburg“ des Vareler Autoren Dr. Achim Engstler ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. Das 184 Seiten starke und gebundene Buch ist im Isensee-Verlag erschienen (ISBN 978-3-7308-1466-6) und kostet 19,90 Euro. Der Roman beruht auf Originalbriefen Antons II. und Prozessakten der Lemgoer Hexenprozesse.

Gibt man ihren Namen im Internet ein, erscheinen 18 800 Einträge; in Varel jedoch kennt kaum einer die Frau, die als die letzte als Hexe angeklagte Frau in den Lemgoer Hexenprozessen Berühmtheit erlangte, anschließend in Varel lebte und hier 1705 starb.

Der Roman, der auf Originalbriefen Antons und Prozessakten aus Lemgo beruht, erzählt in zwei Erzählsträngen vom Leben der drei Vareler: Im Frühjahr 1738, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Anton II. an seine Tochter Charlotte Sophie. 50 Jahre früher beginnen die Verdächtigungen gegen Maria Rampendahl. Sie wird in ihrer Heimatstadt Lemgo als Hexe angeklagt, gefoltert und schließlich der Stadt verwiesen. Mit ihrem Mann, dem in Varel geborenen Hermann Harmsen, kam sie 1683 nach Varel.

Authentisch, nach gründlichen Recherchen der Prozessakten, erzählt Achim Engstler von den Verdächtigungen gegen die aufrechte und erfolgreiche Maria Rampendahl, die ihren Zeitgenossen nicht geheuer war. Mit Schilderungen der absurden Verhöre und der schaurigen Folter führt der Vareler Autor die Leser in ungeheuerliche Zeiten. Er verzichtet dabei wohltuend auf Übertreibungen. Die historischen Vorlagen, geschmeidig ins heutige Deutsch übertragen, sprechen für sich und lassen den Leser erschaudern.

Die zweite starke Frau des Romans ist Charlotte Sophie, die nicht so recht des Vaters Vorstellungen einer Frau entsprechen will:

Anton II. von Aldenburg (26. Mai 1681 - 6. August 1738) war der einzige Sohn des Reichsgrafen Anton I. von Aldenburg und der aus Frankreich stammenden Prinzessin Charlotte Amélie de La Trémoille. 1706 übernahm er die Herrschaft in Varel und Kniphausen als souveräner Landesherr.

Um seinem einzigen Kind Charlotte Sophie (1715 - 1800) die Nachfolge zu sichern, erreichte Aldenburg 1731 die Festsetzung der weiblichen Erbfolge für die Aldenburgischen Besitzungen. In der Folge geriet Aldenburg in finanzielle Schwierigkeiten, da die Besitzungen als Zwergstaat im schlecht erschlossenen und wiederholt von Sturmfluten heimgesuchten Nordwesten nicht recht lebensfähig waren. Er war daher gezwungen, sich unter anderem von Willem Graf von Bentinck (1704–1774), Herr auf Rhoon und Pendrecht, 337 000 Gulden zu leihen und verheiratete seine Tochter mit ihm. Durch diese Heirat kamen die Aldenburgischen Besitzungen an die Familie Bentinck, die diese bis 1854 unter dem Namen Aldenburg-Bentinck regierte.

„Du bist die Frau und hast Dein Begehren hinter das des Ehemannes zu stellen“, schreibt Anton an seine Tochter, „ich weiß ja, dass die Schärfe deines Geistes Willem in den Schatten stellt, aber ständig den Beweis zu führen, das schickt sich nicht“. Männer mögen keine „logischen Frauen“, ist sich Anton sicher und rät: „Sei weiblich, füge Dich“.

Maria Rampendahl war die letzte als Hexe angeklagte Frau in den Lemgoer Hexenprozessen. Sie wurde um 1645 in Lemgo geboren und starb im August 1705 in Varel. Nachdem 1653 ihre Großmutter Salmeke als Hexe hingerichtet worden war, geriet die achtjährige Maria erstmals unter Hexereiverdacht.

Am 31. Oktober 1675 heiratete sie Hermann Hermessen oder Harmsen, einen Barbiergesellen aus Varel, und bekam sechs Kinder. Wie in dieser Zeit üblich, gehörte auch die Wund- und Zahnbehandlung sowie die Krankenpflege zu den Aufgaben eines Barbiers, eine Tätigkeit, bei der ihn Maria unterstützte. Eine weitere Verdienstmöglichkeit bot ihr der Verkauf von Butter und Milch auf dem Wochenmarkt. Der wirtschaftliche Erfolg sowie Krankheits- und Todesfälle in der Nachbarschaft führten zu weiteren Verdächtigungen bezüglich Hexerei und Zauberkunst.

Im März 1681 wurde die selbstbewusste 36-jährige Frau verhört, ließ sich aber durch die Folter nicht einschüchtern. Das Urteil lautete auf ewige Stadt- und Landesverweisung. Damit endet die Reihe der Hexenprozesse in Lemgo, denen über 200 Frauen und Männer zum Opfer fielen.

1683 zog Maria mit ihrer Familie nach Varel, wo der wirtschaftliche Erfolg aus Lemgo nicht wiederholt werden konnte. Maria Rampendahl starb im Alter von 60 Jahren und wurde am 27. August 1705 in Varel beerdigt.

Auch über das Gebaren des Dänenkönigs Christian und das Leben im Vareler Schloss im 18. Jahrhundert geben Antons Briefe Aufschluss: Statt Glanz und Gloria herrschte eher Tristesse. Der Zwergstaat am Jadebusen litt finanzielle Not und der Graf am mangelnden Glanz seiner Residenz, „diesen um die Kirche gewürfelten, simplen Gebäuden“, und unter den langen norddeutschen Wintern. Von „Mauerschwamm und gesprungenen Scheiben“ berichtet der Roman, „kein Möbelstück, kein Topf, selbst die Tapeten weggeschnitten“.

Charlotte Sophie Gräfin von Bentinck, geborene Reichsgräfin von Aldenburg (5. August 1715 in Varel; † 4. Februar 1800 in Hamburg), wurde als Tochter des Grafen Anton II. von Aldenburg und der Prinzessin Wilhelmine Maria Landgräfin von Hessen-Homburg in Varel geboren, wo sie auch aufwuchs.

Als Anton II. in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde die Tochter an den Niederländischen Grafen Willem von Bentinck verheiratet. Nachdem Anton II. 1738 gestorben war, verließ Charlotte Sophie ihren Ehemann. In den nächsten Jahren war sie fast ständig unterwegs. Sie lebte zunächst in einer Dreierbeziehung bei Albrecht Wolfgang am Bückeburger Hof, lernte Voltaire kennen und pflegte mit ihm eine enge Freundschaft.

Charlotte Sophie starb im Alter von 84 Jahren in Hamburg. Sie wurde in der Familiengruft in der Schlosskirche zu Varel beigesetzt.

In Antons Briefen wird das Bild eines sensiblen und zugleich humorvollen Mannes gezeichnet „mit übergroßem Kopf und hoher Stirn, die den Gelehrten vorspielt, der ich nicht bin“.

Und immer wieder ist im Roman von dem Bildnis der rätselhaften Frau in Antons Gemächern die Rede, von einer Hexe, einer Giftmischerin, wie es heißt. Bis sich beide Handlungsstränge meisterhaft zusammenfügen und Achim Engstler verrät, welche Rolle Maria Rampendahl im Schloss und in Antons Leben spielte. In eindringlichen Szenen und raffiniert Reales und Fiktion verknüpfend, zeichnet er auf wunderbar einfühlsame Weise ein Bild der Menschen im Vareler Schloss.

Um diese drei Vareler geht es in dem Buch:

Maria Rampendahl war die letzte als Hexe angeklagte Frau in den Lemgoer Hexenprozessen. Sie wurde um 1645 in Lemgo geboren und starb im August 1705 in Varel. Nachdem 1653 ihre Großmutter Salmeke als Hexe hingerichtet worden war, geriet die achtjährige Maria erstmals unter Hexereiverdacht.
Am 31. Oktober 1675 heiratete sie Hermann Hermessen oder Harmsen, einen Barbiergesellen aus Varel und bekam sechs Kinder. Wie in dieser Zeit üblich, gehörte auch die Wund- und Zahnbehandlung sowie die Krankenpflege zu den Aufgaben eines Barbiers, eine Tätigkeit, bei der ihn Maria unterstützte. Eine weitere Verdienstmöglichkeit bot ihr der Verkauf von Butter und Milch auf dem Wochenmarkt. Der wirtschaftliche Erfolg sowie Krankheits- und Todesfälle in der Nachbarschaft führten zu weiteren Verdächtigungen bezüglich Hexerei und Zauberkunst.
Im März 1681 wurde die selbstbewusste 36-jährige Frau verhört, ließ sich aber durch die Folter nicht einschüchtern. Das Urteil lautete auf ewige Stadt- und Landesverweisung. Damit endet die Reihe der Hexenprozesse in Lemgo, denen über 200 Frauen und Männer zum Opfer fielen.
1683 zog Maria mit ihrer Familie nach Varel, wo der wirtschaftliche Erfolg aus Lemgo nicht wiederholt werden konnte. Maria Rampendahl starb im Alter von 60 Jahren und wurde am 27. August 1705 in Varel beerdigt.

Anton II. von Aldenburg (26. Mai 1681 - 6. August 1738) war der einzige Sohn des Reichsgrafen Anton I. von Aldenburg und der aus Frankreich stammenden Prinzessin Charlotte Amélie de La Trémoille. 1706 übernahm er die Herrschaft in Varel und Kniphausen als souveräner Landesherr.Um seinem einzigen Kind Charlotte Sophie (1715–1800) die Nachfolge zu sichern, erreichte Aldenburg 1731 die Festsetzung der weiblichen Erbfolge für die Aldenburgischen Besitzungen. In der Folge geriet Aldenburg in finanzielle Schwierigkeiten, da die Besitzungen als Zwergstaat im schlecht erschlossenen und wiederholt von Sturmfluten heimgesuchten Nordwesten nicht recht lebensfähig war. Er war daher gezwungen, sich unter anderem von Willem Graf von Bentinck (1704–1774), Herr auf Rhoon und Pendrecht, 337 000 Gulden zu leihen und verheiratete seine Tochter mit ihm. Durch diese Heirat kamen die Aldenburgischen Besitzungen an die Familie Bentinck, die diese bis 1854 unter dem Namen Aldenburg-Bentinck regierte.

Charlotte Sophie Gräfin von Bentinck, geborene Reichsgräfin von Aldenburg (5. August 1715 in Varel; † 4. Februar 1800 in Hamburg), wurde als Tochter des Grafen Anton II. von Aldenburg und der Prinzessin Wilhelmine Maria Landgräfin von Hessen-Homburg in Varel geboren, wo sie auch aufwuchs.
Als Anton II. in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde die Tochter an den Niederländischen Grafen Willem von Bentinck verheiratet. Nachdem Anton II. 1738 gestorben war, verließ Charlotte Sophie ihren Ehemann. In den nächsten Jahren war sie fast ständig unterwegs. Sie lebte zunächst in einer Dreierbeziehung bei Albrecht Wolfgang am Bückeburger Hof, lernte Voltaire kennen und pflegte mit ihm eine enge Freundschaft.
Charlotte Sophie starb im Alter von 84 Jahren in Hamburg. Sie wurde in der Familiengruft in der Schlosskirche zu Varel beigesetzt.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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