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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Das ist Geschichte zum Anfassen

10.09.2018

Varel Mit seiner Begeisterung für Geschichte hat Ferdinand Baur am Sonntag viele Gäste in der Alten Kirche an der Osterstraße angesteckt. Zum ersten Mal war die Kirche am Tag des offenen Denkmals geöffnet – und das kam bei den Besuchern gut an. Die erfuhren nicht nur viel über das Gebäude, sondern auch darüber, was die „kleine Eiszeit“ im 17. Jahrhundert mit der Verfolgung der Hexen zu tun hatte und wie die Motive der Kirchenfenster mit der heiligen Schrift in Verbindung stehen. „Alles hängt miteinander zusammen. Und das wollen wir zeigen und Interesse für Geschichte wecken“, sagte Ferdinand Baur vom Förderverein. Das ist ihm am Sonntag gelungen.

Doch nicht nur die Vergangenheit der Kirche und der Dinge an sich spielten am Sonntag eine Rolle. Wer die Kunst- und Kulturkirche betrat, erfuhr erstmal so manches über die Zukunft des Gebäudes und den geplanten Umbau – ein Millionenprojekt, das im kommenden Jahr starten soll. Dafür sammelte der Förderverein am Sonntag Spenden, und zwar in einem historischen Klingelbeutel. „Der Klingelbeutel stammt noch aus den Anfängen der Kirche, um 1880 oder 1890 muss er zum Einsatz gekommen sein. Er lag im Keller, vergessen in einer Kiste“, sagte Baur.

Zu den spannenden Exponaten in der Kirche gehörten außerdem die Nachbauten von Schandsteinen. Volker Pape hat diese Steine nach Bildern gefertigt. Sie kamen im Mittelalter bei geistlichen Sittengerichten zum Einsatz. „Soll ich mir den mal umlegen?“, fragte Volker Pape und schritt schon zur Tat: Er legte sich den eisernen Ring um den Hals, an dessen Kette ein sieben Kilogramm schwerer Stein befestigt war. Dieses Schicksal ereilte im Mittelalter vor allem Frauen, die in unangemessener Weise schlecht über andere sprachen – lästern würde man das heute nennen. „Weil Männer aber mindestens genauso viel lästern, mussten auch sie die Schandsteine tragen, auf denen Frauen abgebildet waren. Das war für sie natürlich die größte Schande und bedeutete den Verlust der Ehre“, erklärte Ferdinand Baur.

Er hatte für die Gäste der Alten Kirche jede Menge solcher Anekdoten auf Lager, und berichtete auch, warum Frauen wie Hille Küsters im Jahr 1604 als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden: Die Menschen damals konnten sich die klimatischen Veränderungen der „kleinen Eiszeit“, die 1570 begann und Hungersnöte und Seuchen zur Folge hatte, nicht erklären. „Oft sahen die Menschen in der für sie unbegreiflichen Veränderung der Umwelt eine Folge der schwarzen Magie. So förderten die klimatischen Veränderungen die Hexenverfolgung.“

Sandra Binkenstein
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2506

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