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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Verein bewahrt Ahnerts Erbe

09.10.2015

Varel Nach den 13 Jahren als Lehrer in Varel und weiteren drei Jahren in Oschatz (Sachsen) beschleunigte sich die Stenografen-Karriere von Ernst Ahnert. 1901 wurde er zum Mitglied des weit über Sachsen hinaus einflussreichen „Königlich Stenographischen Instituts zu Dresden“ ernannt. Gleichzeitig verlieh ihm König Albert von Sachsen den Professoren-Titel.

Eines der zahlreichen Lehrbücher mit hoher Auflage im Original BILD: Hans Sauer

Führender Stenograf anfang des 20. Jahrhunderts

Anfang der 1920er Jahre gehörte Ernst Ahnert zu den führenden Stenografen, die die heute noch gültige Deutsche Einheitskurzschrift schufen. Als der 65-Jährige in den Ruhestand trat (1924), wurde ihm zu Ehren die „Ahnert-Medaille“ (rundes Bild) für besondere Leistungen im Schnellschreiben gestiftet.

Zahlreiche Lehrbücher mit hoher Auflage wurden von Ahnert verfasst. Eines der Standardwerke für Stenografen ist der „Leitfaden der deutschen Einheitskurzschrift“ von 1929.

In den beiden folgenden Jahrzehnten erwarb sich Ahnert den Ruf des „bekanntesten Stenografen Deutschlands“. Die breite Popularität beruhte zum einen auf seiner regen publizistischen Tätigkeit: Ahnert verfasste eine Reihe von auflagenstarken Leitfäden und Übungsbüchern, mit denen im gesamten deutschsprachigen Raum im Schulunterricht und in Kursen das Stenografieren erlernt wurde.

In Versailles stenografiert

Er war Herausgeber mehrerer Fachzeitschriften sowie einer viel beachteten „Stenographischen Jugendbibliothek“ und veröffentlichte ein Lehrbuch der englischen Kurzschrift. Neben der Publizistik trugen die zahllosen Vorträge, die Ahnert als mitreißender Redner in den kleinsten Ortsvereinen ebenso wie auf großen internationalen Stenografenkongressen hielt, wesentlich zu seiner Popularität bei.

In der stenografischen Praxis war das Können des Bismarck-Stenografen weiterhin sehr gefragt: So arbeitete er als Parlamentsstenograf im Landtag in Dresden und im Berliner Reichstag. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn war seine Tätigkeit als Stenograf bei den Friedensverhandlungen in Versailles nach dem Ersten Weltkrieg (1919), die ihm aufgrund seiner exzellenten Fremdsprachenkenntnisse übertragen wurde.

Auch nach seinem Weggang aus Varel blieb Ahnert seiner „zweiten Heimat“ verbunden. Zu besonderen Veranstaltungen reiste er aus Sachsen an, so zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Stenografenvereins in Oldenburg (1907) sowie zu Jubiläumsfeiern in Varel, bei denen Ahnert als Ehrenmitglied im Mittelpunkt stand. Weggefährten und Schüler waren es, die bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts den Vareler Verein leiteten.

Beliebter Lehrer

Von ihnen war Wilhelm Ammermann (1882 – 1964) wohl der namhafteste. Ehemalige Schüler Ammermanns wie Hans-Georg Buchtmann, der Vorsitzende des Heimatvereins, erinnern sich gern an ihren engagierten und beliebten Steno-Lehrer, der in Varel auch als „der erste Wassermeister“ (mit Wohnung im Wasserturm an der Oldenburger Straße) bekannt ist.

Heute ist der von Ernst Ahnert gegründete „Stenografenverein Varel von 1885“ einer von vier noch existierenden Vereinen im Oldenburger Land – neben Oldenburg, Wilhelmshaven und Delmenhorst. Er zählt derzeit 17 Mitglieder und macht hin und wieder unter seinem Vorsitzenden, Bockhorns Ex-Bürgermeister Ewald Spiekermann, auf sich aufmerksam. Zuletzt 2013, als er zusammen mit der Oldenburger Stenografin Hannelore Schindelasch die Deutsche Meisterschaft in Kurzschrift und Texterfassung in Varel ausrichtete.

„Wir sind Ernst Ahnert heute noch sehr dankbar“, sagt Spiekermann, „dass er sich für die Stenografie und die Gründung des Vareler Vereins vor genau 130 Jahren eingesetzt hat.“ Für die Zukunft des Vereins ist Ewald Spiekermann, seit 1989 Vorsitzender, jedoch wenig optimistisch: „Ausgebildete Unterrichtsleiter und Interesse an der Stenografie fehlen einfach. So ist auch unser Verein wohl zum Sterben verurteilt.“

Karriere startet in Varel

Ernst Ahnert ist heute fast vergessen. Jedoch: Einige Straßen in seiner sächsischen Heimat wurden nach ihm benannt und in seinem Geburtsort Neumark trägt man sich mit dem Gedanken, in einer Ausstellung im dortigen Heimatmuseum an den bedeutenden Stenografen zu erinnern. Vielleicht kommt diese Ausstellung dann ja auch nach Varel, in die Stadt, wo seine Karriere einst begann.

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