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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Verhungert oder erschossen in Friesland

23.03.2017

Jever Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs hat die deutsche Wehrmacht zwischen 5,3 und 5,7 Millionen sowjetische Soldaten gefangen genommen. Durch unzureichende Versorgung und Mordaktionen von Wehrmacht und SS kam mehr als die Hälfte der Kriegsgefangenen ums Leben. Auch in Friesland und Wilhelmshaven waren mindestens 2500 Rotarmisten in Lagern zusammengepfercht. 233 sollen die Lager und Arbeitskommandos in der Region nicht überlebt haben.

Das Buch

Das Buch „Zwangsarbeit – Hunger – Tod. Arbeitskommandos, Lager und Grabstätten sowjetischer Kriegsgefangener in Wilhelmshaven und Friesland 1941 - 1945“ von Holger Frerichs wird herausgegeben von der Stadt Wilhelmshaven; im Brune-Mettcker-Verlag, 19,50 Euro.

Die Veröffentlichung wurde gefördert vom Landkreis Friesland, der Oldenburgischen Landschaft und der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten.

Jahrelange Recherche

Die Geschichte der Lager, der Wachmannschaften und ihrer Opfer hat der Historiker Holger Frerichs aus Varel jahrelang recherchiert und aufgeschrieben. Jetzt präsentierte Frerichs gemeinsam mit Dr. Rolf Keller von der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten (Celle) sowie Wilhelmshavens Kulturbüro-Leiter Dr. Jens Graul und dem Leiter des Wilhelmshavener Stadtarchivs, Ulrich Räcker-Wellnitz, im Gröschler-Haus in Jever das Ergebnis: Sein neues Buch mit dem Titel „Zwangsarbeit – Hunger – Tod; Arbeitskommandos, Lager und Grabstätten sowjetischer Kriegsgefangener in Wilhelmshaven und Friesland 1941 bis 1945“.

Das Buch ist der vierte Teil Wilhelmshavener Beiträge zur Stadt- und Kulturgeschichte, sagte Mitherausgeber Graul. „Frerichs’ Recherchen tragen viel dazu bei, die weißen Flecken der regionalen Geschichtsschreibung mit Farbe zu füllen.“

Rolf Keller führte die vielen Gäste im Gröschler-Haus, darunter auch Schüler des Geschichts-Leistungskurses der IGS Wilhelmshaven, in das Thema ein und sprach von einer beispielhaften Arbeit Frerichs’. Er habe die Opfer identifiziert und ihre Schicksale dokumentiert. Keller sagte, dass das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen nie angemessen in das Bewusstsein der Deutschen gelangt sei. „Das Thema wurde verdrängt.“ Der Experte für die Geschichte sowjetischer Kriegsgefangener berichtete, dass seine Stiftung mittlerweile 1800 Arbeitskommandos in Niedersachsen und Bremen lokalisiert habe.

Große Forschungslücke

Autor Holger Frerichs, der sich für das Schlossmuseum Jever auch mit dem Thema Raubkunst und Provenienzforschung beschäftigt, befasst sich seit 2009 mit dem Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener. In Friesland und Wilhelmshaven hat es eine große Forschungslücke gegeben. „Was hier passiert ist mit den Kriegsgefangnen der roten Armee, ist unbekannt“, so Frerichs. Er berichtet von ersten Arbeitskommandos, die in Bockhorn eingerichtet wurden. Im Lager Kreyenbrok seien viele Kriegsgefangene erschossen worden.

Frerichs beschreibt unter anderem, wie flüchtende Gefangene durch die Wälder gejagt und erschossen worden. Mit deutscher Gründlichkeit wurde über jeden (getöteten) Gefangenen Akten geführt.

Die Namen wurden vor einiger Zeit in einer Internet-Datenbank veröffentlicht, die Frerichs als Grundlage seiner Arbeit diente. So konnten viele Opfer identifiziert werden, die bislang namenslos auf hiesigen Friedhöfen beigesetzt sind.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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