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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Sie ist Hippiemädchen und Nazi-Köchin zugleich

24.12.2015

Varel /Helsinki Bevor Kati Rausch an diesem Heiligen Abend in der Nähe von Helsinki ihre Geschenke auspacken darf, wird es noch einmal richtig heiß: Zusammen mit ihrer Gastfamilie geht sie vor der Bescherung in die Sauna – wie alle Finnen. Der Saunagang gehört zu Weihnachten in Finnland ebenso selbstverständlich dazu wie Schinken und Steckrübeneintopf. Die 27-jährige Varelerin lebt seit Mai 2014 in Helsinki und erlebt zum ersten Mal finnische Weihnachten.

Schon die Adventszeit hat sie beeindruckt: „Hier ziehen die Sternsinger durch Bars und Restaurants und präsentieren die biblische Weihnachtsgeschichte in Form eines kleinen Metal-Hardrock-Musicals“, erzählt sie. Heavy Metal sei in Finnland sehr beliebt und spiele auch in der Adventszeit eine große Rolle. Die Kreativität und Toleranz der Finnen hat es der Varelerin angetan, als sie 2011 zum ersten Mal mit ihrem ehemaligen Freund, einem Finnen, nach Helsinki kam.

Immer wieder besuchte sie das Land, vor anderthalb Jahren wanderte sie dorthin aus, um als Moderatorin, Comedian und Schauspielerin zu arbeiten. Sie arbeitet als Moderatorin für die Musik-TV-Show „Metronomi“, die jeden Sonnabend um 20.45 Uhr landesweit ausgestrahlt wird, und für den Online-TV-Kanal „Musik Interview-Corner“, für den sie internationale Musiker trifft. Zudem tritt sie in finnischen Stand-up-Comedy-Shows auf. „Ich habe das Image des deutschen Hippiemädchens“, sagt Kati Rausch.

Ihre deutsche Herkunft spiegelt sich auch in ihren Schauspiel-Rollen wider: „Mir ergeht es hier so wie den meisten deutschen Schauspielern, die im Ausland leben“, sagt Kati Rausch, „ich bekomme häufig Nazi-Rollen angeboten“. Sie hat die schizophrene Nazi-Köchin Renate Schröder verkörpert und die Rolle einer KZ-Aufseherin gesprochen. „Es war für mich am Anfang sehr befremdlich, Nazi-Rollen zu spielen, da ich aus einer christlichen Hippie-Familie stamme“, sagt die 27-Jährige.

Weihnachtsfriede

Finnland ist die „offizielle“ Heimat des Weihnachtsmannes und jedes finnische Kind weiß, dass er auf dem Berg Korvatunturi im finnischen Teil von Lappland lebt. Es gibt viele Rentiere in Lappland und warum sollte der Weihnachtsmann nicht dort zu Hause sein, wo es viele seiner treuen Helfer gibt.

Zum Heiligabend gehört für viele finnische Familien der Festgottesdienst ebenso wie das Anzünden von Kerzen auf dem Friedhof. Und bevor der Weihnachtsmann seine Gaben verteilt, geht es gemeinsam in die Sauna. Traditionell denkt man zu Weihnachten auch an die Tiere. Haustiere bekommen eigene Geschenkpakete, an die Zweige der Bäume werden Kugeln für die Vögel gehängt.

Das Festessen spielt eine große Rolle. In den meisten Familien gibt es einen Weihnachtsschinken. Dazu gibt es eine Vielzahl von Aufläufen aus Steckrüben, Kartoffeln und Mohrrüben sowie Heringssalat.

Zur finnischen Weihnacht gehört die Tradition des Weihnachtsfriedens, der alljährlich am 24. Dezember um 12 Uhr in Turku ausgerufen wird.

Sie ist in Altjührden aufgewachsen. Geprägt hat sie insbesondere ihr Vater Wilfried Paasch, ehemaliger Lehrer an der Haupt- und Realschule Arngaster Straße. „Wir haben immer zusammen Gitarre gespielt, als ich klein war“, erinnert sie sich. Unvergessen auch die Reisen im Wohnmobil durch ganz Europa: „Meine Eltern waren Hippies und sind jede Sommerferien auf große Reise gegangen.“

Ihre ersten Schauspielerfahrungen sammelte Kati Rausch in der Theater-AG in der Realschule Varel: Sie stand als Studienrat Groll in dem Stück „Am Samstag kam das Sams“ auf der Bühne. Nach dem Studium der Theologie und Kunst- und Medienwissenschaften an der Uni in Oldenburg zog sie nach Köln, um auf die Schauspielschule zu gehen. „Um diese teure Ausbildung zu finanzieren, habe ich unter anderem Porno-Synchron gemacht“, erzählt sie, „eine Erfahrung, die mir gutes Material für meine Comedy-Auftritte liefert“.

Kati Rausch genießt das Leben im toleranten und liberalen Finnland und liebt es, dass im Sommer die Sonne fast gar nicht untergeht. Andererseits vermisst sie „das deutsche Winterwetter mit der schönen Wintersonne“. In Helsinki gibt es um diese Jahreszeit täglich bestenfalls zwei Stunden Tageslicht. „Ich würde jetzt sehr gerne in der Wintersonne am Dangaster Strand spazieren gehen“, sagt sie.

Aber rechtzeitig zum Weihnachtsfest beginnt die Sonne ganz langsam, sich wieder ein wenig länger zu zeigen. Das trägt zur heiteren und besonderen Stimmung zu Weihnachten in Finnland bei, ebenso wie die vielen Rituale wie der gemeinsame Saunagang zum Auftakt des Weihnachtsfestes.

Traute Börjes-Meinardus
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2502

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