Bockhorn/Friesland - Für die Friesländer Landfrauen war die Initiative „Mammo bis 75“ ein voller Erfolg. Letztes Jahr wurde die Altersgrenze zur Brustkrebsvorsorge für gesetzlich Versicherte von 69 auf 75 Jahre angehoben. Und an dieses Ergebnis wollen die Landfrauen jetzt anknüpfen, denn ein anderes – genauso wichtiges – Thema schwebt ihnen vor: die mangelnde ärztliche Versorgung auf dem Land.
Postkarten gegen Ärztemangel
Auf kommunaler Ebene, auf Kreis- und Landesebene macht jetzt der Landfrauenverband Weser-Ems auf sich aufmerksam, denn die Landfrauen haben eine Postkartenaktion auf die Beine gestellt und wollen Unterschriften sammeln. Mit einer Signatur könnten sich die Leute daran beteiligen, dass die Medizinstudienplätze gerade an der Universität Oldenburg aufgestockt werden. Das schaffe zumindest etwas Abhilfe, ist sich Ina Janhsen, Präsidentin des Landesverbandes Weser-Ems, sicher.
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Aktuell nehmen an der Fakultät in Oldenburg 120 Studierende ihr Studium der Humanmedizin auf. Das Land strebe seit 2018 einen Aufwuchs auf mindestens 200 Studienplätze pro Jahr an, was aber durch die fehlende Finanzierung bisher nicht umgesetzt werden konnte, heißt es in einer Mitteilung der Landfrauen Weser-Ems. Aus diesem Grund gibt es jetzt die Postkartenaktion, an der sich rund 200 Arztpraxen und die medizinische Fakultät der Uni Oldenburg beteiligen. Am 19. Juni, so kündigen die Frauen an, wolle man die gesammelten Unterschriften in die Landeshauptstadt Hannover bringen und sie der Landesregierung im Zuge der Haushaltsverhandlungen überreichen.
Druck auf Landesregierung
Ehrgeiz bei diesem Thema beweisen auch die Landfrauen Friesische Wehde, denn vor Ort mobilisieren sie in den Gemeinden Bockhorn und Zetel Arztpraxen und Apotheken, sich an der Aktion zu beteiligen. Demnach liegen bei fast allen medizinischen Einrichtungen die Postkarten und Unterschriftensammlungen aus. „Dieses Mal hoffen wir auf Erfolg“, erklärt Alke Luers aus Grabstede. Sie ist nicht nur Mitglied bei den Landfrauen Friesische Wehde, sondern auch Vizepräsidentin des Landfrauenverbandes Weser-Ems. „Vor vier Jahren haben wir den ersten Anlauf in der Sache gewagt und sind in Hannover leider gescheitert“, schildert sie. Die Landesregierung versprach damals finanzielle Mittel, doch das Versprechen sei in der politischen Debatte schließlich im Sande verlaufen.
Kommunales Problem
Mit der Aufforderung an das Land Niedersachsen „Ich fordere mehr Medizinstudienplätze im Nordwesten“ soll der Sache noch einmal Nachdruck gegeben werden. Die Landfrauen Friesische Wehde holten am Montag auch Bockhorns Bürgermeister Thorsten Krettek dazu, denn er kann die Lage auf kommunaler Ebene einordnen. „Die ärztliche Versorgung auf dem Land wird in Bezirke aufgeteilt“, erklärt er. Der hiesige Bezirk umfasst Varel und die Wehde, also Bockhorn und Zetel. „Es gibt für eine Kommune wie Bockhorn dann ein Problem, wenn ein im Bezirk praktizierender Arzt den Sitz wechselt – zum Beispiel von Bockhorn nach Varel.“ Dann hätten die Bockhorner einen Arzt weniger und die Gemeinde laufe Gefahr, unterversorgt zu sein.
Nicht nur brauche es mehr Medizinstudienplätze, sondern auch noch mehr attraktive Angebote für junge Ärzte, sich in einer ländlichen Gemeinde anzusiedeln. „Dafür kämpfen wir“, erklärt Alke Luers im Namen der Landfrauenverbände.
