Schweinebrück/Hohenkirchen - Zwischen den beiden Bäuerinnen Antje Eilers (37) und Almke Gerken (82) liegen zwei Generationen. In diesen Jahren sind die Abläufe moderner und technischer geworden. Doch wie viel hat sich wirklich verändert? Ein Einblick in die Geschichte zweier Frauen.
ANTJE EILERS
Landwirtschaftliche Gehilfin und Hofbesitzerin: Antje Eilers (Bild: Martin Remmers)
Rückblick. Nach dem Abitur entscheidet sie sich für eine Lehre in der Orthopädietechnik. Den Hof leiten ihr Bruder und ihr Vater. Mit 17 Jahren lernt sie bei einem Erntefest ihren Mann, einen Landwirt, kennen. Nach der Lehre kommt Tochter Raja zur Welt. Drei Jahre später folgt Sohn Michel. Antje Eilers steht vor einer Entscheidung: In ihrem Lehrberuf arbeiten oder auf dem Hof bleiben.
Organisation der Tiere
Hof und Familie – das passt zusammen: Raja (v.l.), Jens, Michel und Antje Eilers. (Bild: Martin Remmers)
Die Arbeit sei vielfältig, aber wesentlich weniger körperlich anstrengend als früher, sagt Antje Eilers. Morgens und abends stehen Fütterungen, Melken oder Putzen an, im Sommer mehr Feldarbeit, im Winter mehr Stallarbeit an.
Technik und Theorie
Die technische Unterstützung schreitet voran. Neben dem klassischen Melkstand gibt es auf dem Hof inzwischen einen Melkroboter und zwei Roboter, die den Stall reinigen. Ein „Milchtaxi“, ein fahrbarer 100-Liter-Kanister, erleichtert die Fütterung der Kälber. Mit Kameras wird der Stall der trächtigen Kühe überwacht. „Ohne Technik geht’s nicht“, sagt Antje Eilers. Alle Geräte sind auch mit Smartphones verbunden.
Coronabedingt besuchte sie zuletzt Online-Lehrgänge und hat dort von der Herdentypisierung erfahren, einer genetischen Untersuchung der Tiere. „Das ist wichtig, um gezielter zu züchten“, sagt Antje Eilers, die sich viel fortbildet. Theorie liegt ihr. „Unser persönliches Ziel ist, dass wir langlebige, robuste Tiere haben, die gesund sind und weniger Medikamente brauchen.“ Größer werde der Hof nicht. Da gebe die Politik zu wenig klare Signale.
Antje Eilers ist wieder in den Stall gegangen. „Snoopy“ streckt ihre Nase durchs Gatter. Fast alle Kühe haben Namen. „So 80 kann ich mir merken“, sagt sie. „Die Kühe sind für uns keine Maschinen – es sind Tiere, die wir mögen. Jede Kuh ist individuell.“
ALMKE GERKEN
Staatlich geprüfte Hauswirtschafterin – und mittlerweile Rentnerin: Almke Gerken (Bild: Martin Remmers)
Almke Gerken wächst mit drei Brüdern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf. „Ich wurde 1944, noch im Krieg, eingeschult“, sagt sie. „Mein Vater war kriegsbehindert, deswegen war meine Mutter für alles zuständig.“
Führung des Haushalts
Nach der Schule macht sie eine Lehre in der ländlichen Hauswirtschaft, lernt die Führung des Haushalts. „Ich hätte gern studiert und wäre Lehrerin für Geschichte und Sport geworden, aber mein Vater hat gesagt, dass ich sowieso heirate und, dass er das Geld für die Jungs brauche.“ Sie lacht. „Das war damals so.“
Sie wird staatlich geprüfte Hauswirtschaftsleiterin und arbeitet je ein halbes Jahr in einer Großküche auf Wangerooge und als Wirtschafterin in der Mädchenabteilung der Landwirtschaftsschule in Jever. Mit 23 Jahren heiratet sie, wohnt mit ihrem Mann und zunächst auch den Schwiegereltern auf dem Hof in Wayens, einem Gemischtbetrieb mit 30 Kühen und 60 Hektar Ackerland. „Wir haben noch mit einer Karre entmistet.“ Die Melkmaschine ist ein Doppeleimer, der 40 Liter umfasst. „Die Eimer waren unheimlich schwer. Mein Schwiegervater half mir, sie auszukippen.“
Anfang der 60er Jahre werden auf dem Hof erste technische Anlagen, etwa zum Entmisten, integriert. Der veraltete, zu kleine Kuhstall weicht einem Schweinestall mit 900 Tieren. „Dort ging alles automatisch, die Arbeit wurde sehr vereinfacht.“
Hat sich lange Jahre ehrenamtliche für die Förderung der Frau im ländlichen Raum eingesetzt: Almke Gerken (Bild: Martin Remmers)
Nachdem ihre drei Kinder zur Welt gekommen sind, ziehen die Schwiegereltern um. „Dann kamen die Lehrlinge“, sagt Almke Gerken. Bis 1989 bildet sie 22 Lehrlinge in der ländlichen Hauswirtschaft aus, kümmert sich um Haushalt, Kinder, Garten, Buchführung und hilft im Betrieb mit. „Ich war voll integriert im Betrieb – ich war gerne Hausfrau und Bäuerin.“ Die schwere körperliche Arbeit, das Heueinfahren mit den schweren Ballen, habe Spuren hinterlassen, der Rücken schmerze, sagt sie.
Einsatz für Bäuerinnen
Haushalt sei nicht nur Kochen und Putzen, es geht um Geldwirtschaft und Planung“, sagt Almke Gerken. „Ohne diese Planung hätte ich meine Ehrenämter nicht machen können.“ Ab Mitte der 70er ist sie Vorsitzende der Landfrauen, erst auf Kreis-, später auf Landesebene, wird schließlich Vizevorsitzende der Deutschen und Europäischen Landfrauen. Sie setzt sich für die Förderung der Frauen ein. Hauptthemen sind die soziale Absicherung der Bäuerinnen mit Rente und Anerkennung der Kindererziehungszeiten. „Das war ein Kampf – und es ist bis heute schwierig.“
Almke Gerken lächelt. Auch mit 82 Jahren und in Rente bleibt sie im Herzen immer eins: Bäuerin.
