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Am LNG-Terminal in Hooksiel Der Nabu Wilhelmshaven demonstriert mit „Kluntje ohne Chlor“

Theo Kruse
Aktive Mitglieder des Nabu Wilhelmshaven, unter ihnen auch Nabu-Vorsitzende Stefanie Eilers (zweite von links) servierten am Sonntag heißen Tee und „Kluntje ohne Chlor“ auf der Mole in Hooksiel. Im Hintergrund liegt die „Höegh Esperanza“.

Aktive Mitglieder des Nabu Wilhelmshaven, unter ihnen auch Nabu-Vorsitzende Stefanie Eilers (zweite von links) servierten am Sonntag heißen Tee und „Kluntje ohne Chlor“ auf der Mole in Hooksiel. Im Hintergrund liegt die „Höegh Esperanza“.

Theo Kruse

Hooksiel - „Kluntje ohne Chlor“ servierte Stefanie Eilers, Vorsitzende des Nabu Wilhelmshaven, am Sonntag auf der Mole des Außenhafens Hooksiel. Anlass war die Inbetriebnahme des schwimmenden LNG-Terminals an diesem Wochenende. „Das Meer hat keine Lobby“, beklagt Eilers. Deshalb kritisiere der Naturschutzbund Deutschland das Vorhaben. Die Floating Storage and Regasification (FRSU) wandelt verflüssigtes Erdgas (LNG) in den gasförmigen Zustand zurück. Beim Betrieb der „Höegh Esperanza“ werden mehr als 100 Kilogramm Chlor täglich in die Jade eingeleitet, warnt der Nabu. Zur Zeit arbeitet das FRSU im geschlossenen Betrieb und benötigt kein Jadewasser zur Umwandlung von LNG zu Gas. Erst wenn das Meerwasser 5 Grad „warm“ ist, kann der Regelbetrieb aufgenommen werden und auch dann wird erst Prozesswasser ins Meer geleitet.

Unbekannte Folgen

„Es sind vor allem die mehr als 25 Spaltprodukte und chemische Verbindungen, die dabei dem zuvor der Jade entnommenen Wasser zugeführt werden“, kritisierte Eilers. Niemand wisse, welche Folgen das für das sensible Ökosystem des Wattenmeers habe. Es seien im Vorfeld amtlicherseits keine detaillierten Untersuchungen angestellt worden. Aus diesem Grunde habe der Nabu in der letzten Woche am Außenhafen Hooksiel Wasserproben gezogen. „Wenn jetzt das Staatsunternehmen Uniper chemisch belastetes Abwasser in die Nordsee einleitet, spuckt uns der Staat ins Meer“, formuliert Eilers drastisch. Der Landesverband Niedersachsen erwägt rechtliche Schritte gegen die Betriebsgenehmigung des LNG-Terminals vor dem Voslapper Groden.

Bundeskanzler Olaf Scholz (Mitte) bei der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven

KOMMENTAR ZUR ERÖFFNUNG DES LNG-TERMINALS Schwimmende Hoffnung in Wilhelmshaven

Holger Möhle Büro Berlin
Wilhelmshaven

Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des Nabu Niedersachsen, stimmt der Kritik der Ortsgruppe Wilhelmshaven zu: „Der Betrieb des Terminals erfolgt mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer und damit in einem der wichtigsten und sensibelsten Ökosysteme der Welt. Dieser Eingriff in ein gesetzlich geschütztes Biotop zerstört den Lebensraum zahlreicher, teils gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. In diesem sensiblen Umfeld sollen über das Terminalschiff täglich bis zu 530 000 Kubikmeter mit Chlor- und Bromnebenprodukten belastete Abwässer in die Jade geleitet werden. Das macht mehr als deutlich, dass ein Verzicht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung absolut unverantwortlich ist.“

Verbände bilden Bündnis

Während der Aktion „Kluntje ohne Chlor“ sprachen die Nabu-Aktivisten mit Spaziergängern und legten ihre Beweggründe dar, gegen das LNG-Terminal zu klagen. Derweil stiegen einen knappen Kilometer entfernt aus dem Schornstein der „Höegh Esperanza“ die Abgase der Schiffsmotoren in den klaren Winterhimmel. Ein ausreichender Landstromanschluss für das Fabrikschiff scheint an dem neuen Anleger nicht vorgesehen zu sein. 14 Verbände, darunter auch der NABU, haben sich in Wilhelmshaven-Friesland zu einem Bündnis gegen das LNG-Terminal zusammengeschlossen.

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