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NWZonline.de Region Friesland Lokalsport

Als die Fahne in Kanada verschwand

25.08.2018

Bockhorn Die schwere Flagge mit der rot-blauen Seide auf der Vorderseite war im Jahr 1907 der ganze Stolz des Turnvereins Bockhorn. Neun Jahre waren seit der Gründung des Turnvereins am 27. August 1898 schon vergangen, als der Vorstand erstmals darüber sprach, eine Fahne für den Verein anzuschaffen. Schon die Vorbereitungen glichen einem Staatsakt: Vertreter der Bonner und der Hildesheimer Fahnenfabrik waren nach Bockhorn gekommen, um Muster und Zeichnungen vorzulegen.

Den Auftrag bekam die Fahnenfabrik Dreyer aus Hildesheim. Für 285 Mark sollte sie die 1,30 mal 1,50 Meter große Fahne herstellen, mit Eichenkranz-Ornamenten und der Inschrift „Ein freies Volk voll Einigkeit und Kraft sei das Panier der deutschen Turnerschaft“.

Die Fahne war dann oft im Einsatz: Bei jeder Veranstaltung wie Gauturnfesten, Verbandsturnfesten und Wettkämpfen wurde sie zur Schau gestellt. Kein Wunder also, dass sie 1925, kurz vor Ablauf der Garantie, die die Firma Dreyer gegeben hatte, gründlich aufgebessert werden musste.

Als die Nationalsozialisten Deutschland regierten, verschwand die Fahne von der öffentlichen Bühne. Stattdessen zeigte der Turnverein bei den Turnfesten einen Hakenkreuz-Wimpel. Der Turnergruß „Gut Heil“ wurde jetzt mit „Heil Hitler“ ergänzt. Die große Fahne mit ihrer glänzenden Seide geriet auf irgendeinem Dachboden in Vergessenheit, als der Zweite Weltkrieg begann.

Wo genau sie lag, das wusste nachher niemand mehr. In der Chronik zum 100. Jubiläum des Turnvereins heißt es: „Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vereinsfahne nicht mehr aufzufinden.“ Die Vereinsmitglieder vermuteten, dass entweder Militärangehörige der Siegermächte die Fahne mitgenommen hatten oder dass sie vernichtet wurde. Und so machte sich niemand Hoffnung, die Fahne jemals zu sehen. 1954 wurde deswegen eine neue Vereinsfahne aus weißem Tuch mit den vier F’s, die stehen für frisch, fromm, fröhlich und frei, angeschafft.

Umso größer war die Überraschung, als die alte Fahne auf einmal wieder auftauchte: Im Jahr 1973 bekam der Turnverein ein Paket, ohne Absender. Es stammte aus Kanada. Darin war die Fahne, sie war in ziemlich schlechtem Zustand. Zehn Jahre später ließ der Verein sie aufwendig restaurieren.

Beim Stiftungsfest am 4. Dezember 1984 wurde die Vereinsfahne, getragen von Jens Peter Gottwald und gefolgt von Turnerinnen der verschiedenen Abteilungen, im Vereinslokal „Gaststätte Junker“ an der Ecke Kranenkamper Straße/Weißenmoorstraße geweiht. Heute wird die Fahne beim Vereinsvorstand sorgfältig verwahrt. Nur zu ganz besonderen Gelegenheiten wird sie öffentlich präsentiert.

Einer dieser seltenen Anlässe ist das 120-jährige Bestehen des Vereins in diesem Jahr. Beim großen Umzug zum Bockhorner Markt am Samstag, 8. September, wird der Fahnenträger den großen Tross der Mitglieder anführen: Mehr als 100 Erwachsene und 40 Kinder werden den Turnverein Bockhorn im Jahr des 120-jährigen Bestehens unter dem Motto „Schalt doch mal den TurBo ein“ beim Umzug repräsentieren.


Alle Infos zum Verein unter   www.turnverein-bockhorn.de 
Sandra Binkenstein
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2506

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