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NWZonline.de Region Friesland Lokalsport

Unter den kritischen Augen von Millionen

30.01.2016

Neustadtgödens Zu einem ganz besonderen Schiedsrichter-Lehrabend hatte jetzt der Fußballkreis Friesland nach Neustadtgödens eingeladen. Zweitliga-Schiedsrichter und Erstliga-Assistent Harm Osmers aus Hannover referierte 90 Minuten lang in der Gaststätte „Zur Waage“ über sein Leben als Referee auf dem Platz und an der Seitenlinie. Sehr zur Freude von Günter Neumann, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des NFV-Kreises Friesland, waren 95 der 120 aktiven Schiedsrichter gekommen, um den Ausführungen des 30-jährigen Diplom-Betriebswirts zu lauschen.

Harm Osmers vom SV Baden hat als Fußball-Schiedsrichter eine steile Karriere hinter sich. Angefangen in der 4. Kreisklasse und im Jugendbereich pfiff der gebürtige Bremer, der übrigens nicht mit dem bekannten Bremer Bundesliga-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers verwandt ist, im Jahr 2007 Spiele in der Oberliga. Über die Regionalliga (2008) und 3. Liga (2009) ist er seit 2011 als Referee in der 2. Bundesliga aktiv. Seit demselben Jahr fungiert er auch als Schiedsrichter-Assistent und 4. Offizieller in der 1. Bundesliga. Hauptberuflich arbeitet er im Controlling/Rechnungswesen bei einem großen Reifenhersteller in Hannover.

„Ich habe die Zeit als Schiedsrichter in den unteren Klassen sehr genossen“, erinnert sich Osmers gerne an den Beginn seiner Karriere zurück. Mittlerweile pfeift der 30-Jährige in einer ganz eigenen Liga. Osmers zählt unter den 72 292 deutschen Schiedsrichtern zu den wenigen, auf die am Wochenende Millionen von Fernsehzuschauern sehen. Zuletzt agierte er als Schiedsrichterassistent bei der Bundesliga-Auftaktpartie nach der Winterpause zwischen dem HSV und Bayern München. Und prompt hatte er gleich eine sehr knifflige Situation zu bewerten und zu entscheiden. Stand Bayerns Robert Lewandowski bei seinem 2:1-Siegtreffer in der 61. Minute im Abseits?

„Es war knifflig. Der Treffer war aber korrekt. Das hat mir den Abend gerettet“, erzählte Osmers und machte deutlich, dass sich die Aufgaben für die Bundesliga-Schiedsrichter in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich verändert haben. So sei das Spiel deutlich schneller geworden. Bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz seien die Spieler im Schnitt in den 90 Spielminuten drei Kilometer und bei der WM 1970 in Mexiko sechs Kilometer gelaufen. Während der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien seien es aber durchschnittlich bereits elf Kilometer gewesen, so Osmers. „Pro Bundesliga-Spiel finden mittlerweile rund 220 Zweikämpfe statt. Es ist große Kunst, mit der Fahne zu warten“, so Osmers.

Bei seinen Entscheidungen als Zweitliga-Schiedsrichter, Erstliga-Assistent oder 4. Offizieller vertraut Osmers ganz seiner eigenen Wahrnehmung. „Unsere Entscheidungen müssen dem Fernsehbild standhalten. TV ist der Maßstab für uns“, betont Osmers. Verfolgten 1970 noch drei Fernsehkameras ein Bundesligaspiel, waren es bei der WM in Brasilien pro Partie bereits 30. „Manchmal ist das ein ungleicher Kampf“, so Osmers.

Geld sei ein Faktor, warum die Schiedsrichterentscheidungen so kritisch von den beteiligten Mannschaften gesehen würden, so Osmers. So kassierte Real Madrid für den Gewinn der Champions-League rund 57,4 Millionen Euro. Ein Abstieg aus der 1. Bundesliga würde beispielsweise für einen Verein rund 40 Prozent weniger Fernsehgelder, 25 Prozent weniger Sponsorengelder und rund 28 Prozent weniger Zuschauereinnahmen bedeuten. Die Nichtteilnahme von England an der Euro 2008 hätte für die Volkswirtschaft einen Schaden von rund einer Milliarde Euro bedeutet, sagte Osmers.

Um Fehlentscheidungen zu minimieren, sind den Schiedsrichtern im Laufe der Zeit immer neue technische Hilfsmittel zur Verfügung gestellt worden. So sind Headset, Funkfahnen, Freistoßspray oder die Torlinientechnik „Hawk-Eye“ mittlerweile in der Bundesliga Standard. „Zudem betreiben wir in der Vor- und Nachbereitung eines Spiels erheblichen Aufwand. Das Spiel wird ausgewertet und besprochen“, so Osmers.

Wie lange er noch pfeifen will? „Ich genieße jedes Spiel. Spätestens mit 47 ist dann aber Schluss.“

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