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Per Anhalter Unterwegs: Mit dem Banjo durch halb Europa

17.07.2018

Varel Es ist Ende April 1957. Der junge Eike Otto Hammel steht um 7.30 Uhr morgens am Siegener Lindenberg an der B 54 in Richtung Süden. Sein Ziel: das Allgäu. Er ist gerade erst 17 Jahre alt, als er sich entschließt, das erste Mal per Anhalter in den Urlaub zu fahren. Mal kommt Eike Otto Hammel gut voran, mal steht er aber auch drei Stunden an einer Autobahnauffahrt bei Stuttgart und hofft, seinem Ziel an diesem Tag doch noch ein Stückchen näher zu kommen. Letztlich hatten sich die Strapazen aber gelohnt. „Es war beeindruckend, so etwas hatte ich doch noch nie zuvor erlebt oder gesehen“, erinnert er sich zurück. „Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch.“ Und das sollte erst der Anfang sein.

151 Tage auf Tour

Heute ist Eike Otto Hammel 79 Jahre alt. Er wurde in Siegen (Hessen) geboren, wuchs dort auf und absolvierte eine Ausbildung als Schaufensterdekorateur. Seit zwei Jahren wohnt er nun mit seiner Frau in Varel. Sie sind der Tochter, die am Lothar-Meyer-Gymnasium Oberstudienrätin ist, nachgezogen.

An seine Tramp-Touren denkt er gerne zurück. „Es war eine schöne Erfahrung. Ich hab so viel erlebt und gelernt.“ Von 1957 bis 1959 ist er so verreist. „Ich habe eigentlich jeden freien Tag genutzt, um irgendwo hinzufahren, erzählt Hammel. „Es war in dieser Zeit die einzige Möglichkeit für mich zu reisen.“ In den 50er Jahren habe schließlich kaum eine Privatperson ein eigenes Auto gehabt, und so viel Geld wie heute, habe man damals auch nicht verdient.

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Acht europäische Länder hat Eike Otto Hammel auf diese Weise bereist und fast 12 000 Kilometer hinter sich gelassen – auch mal zu Fuß, wenn kein Auto angehalten hat. Seine längste Tour dauerte 151 Tage und führte ihn durch Dänemark, Schweden, Norwegen, die Niederlande, Belgien, Frankreich und England. Auf seinen Reisen war das Banjo stets ein treuer Begleiter – und verhalf dem jungen Mann das eine oder andere Mal zu einem kühlen Getränk.

Schwedischer Chor

An ein Erlebnis erinnert sich Eike Otto Hammel besonders gern zurück. Auf dem Weg nach Kopenhagen standen er und sein Tramp-Kollege Piet 1959 mit Banjo und Gitarre musizierend und mit Daumen hoch an einer Landstraße in Dänemark. Zwei schwedische Reisebusse näherten sich und hielten wenige Meter weiter an. „Dann stieg die ganze Reisegesellschaft aus und näherte sich uns zaghaft. Sie fragten uns, ob wir ihnen nicht etwas vorspielen würden.“ Und das taten die beiden. „Wir erhielten großen Applaus“, weiß der 79-Jährige noch. Die Reisegruppe stieg wieder ein. Da alle Plätze in den Bussen belegt waren, konnten Hammel und sein Tramp-Kollege nicht mitfahren. Doch die Busse fuhren nicht weiter. „Plötzlich stiegen sie alle wieder aus, kamen zurück und formierten sich am Straßenrand“, erinnert er sich. „Ein älterer Herr trat hervor und sagte in gutem Deutsch zu uns, dass sie sich bedanken wollen und nun ein schwedisches Volkslied für uns singen.“ 60 bis 70 Personen standen nun am Straßengraben und sangen für zwei deutsche Tramper. „Es war fürwahr ein ungewöhnliches, aber auch humoriges Erlebnis“, denkt Eike Otto Hammel schmunzelnd an diese einmalige Erfahrung zurück.

Schlechte Erfahrungen beim trampen habe er in dieser Zeit nie gemacht: „Ich hatte keine Angst oder bedenken.“ Ohnehin sei es früher einfacherer gewesen zu trampen. „Es gibt heutzutage so viele negative Berichte. Das hält die Leute davon ab, jemanden einfach so mitzunehmen“, ist sich der Weltenbummler von einst sicher.

Reisebuch geschrieben

Würde er, wenn er heute 18 Jahre wäre, trampen? „Als Junge würde ich es eventuell tun. Meiner 18-jährigen Enkelin würde ich es heute nicht raten“, sagt der Neu-Vareler ganz ehrlich.

Seine Geschichten hat Eike Otto Hammel zu Papier gebracht und in einem Buch für seine Kinder und Enkelkinder abgedruckt, damit seine außergewöhnliche Reise auch in Zukunft noch zu lesen ist.

Niklas Benter Redakteur / Sportredaktion
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