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NWZonline.de Region Friesland Lokalsport

Vom kleinen Hafenbutscher zum großen Handballförderer

02.12.2011

VAREL Frisch gepulte Krabben und Schwarzbrot mit Butter – auch zum Beginn der neuen Saison in der Dritten Liga gab es bei den Handballern der HSG Varel-Friesland während der offiziellen Teamvorstellung den bewährten Klassiker zur Beköstigung. Für Granat hatte natürlich Enno Ulffers gesorgt, der sich ansonsten jedoch im Foyer der Manfred-Schmidt-Sporthalle dezent im Hintergrund hielt.

Große Verdienste

Ein Bild mit Symbol-Charakter: Denn trotz seiner großen Verdienste um den Handballsport in der Region hat sich der Vareler, der am gestrigen Donnerstag seinen 80. Geburtstag im gemütlichen Kreis seiner Familie gefeiert hat, nie groß ins Rampenlicht gestellt. Dabei ist es maßgeblich ihm zu verdanken, dass Varel-Altjührden 24 Jahre lang ein bundesweit bekannter Standort für attraktiven Zweitliga-Handball war.

Geboren wurde Ulffers am 1. Dezember 1931 in seinem Elternhaus am Vareler Hafen 3. Nach der mittlere Reife in der Vareler Oberschule für Jungen, dem heutigen Lothar-Meyer-Gymnasium, absolvierte er eine Lehre zum Großhandelskaufmann bei der früheren Vareler Firma H. F. Rüther, einem Lebensmittel- und Kohlegroßhandel am Bahnhof. Gleich nach der Ausbildung machte er sich selbstständig. Der 19-Jährige zog mit Pferd und Wagen ins Moor oder in den Wald und verkaufte seine Brennstoffe danach von Haus zu Haus.

Aus dem kleinen Handel entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Unternehmen, das mit Mineralöl und Sand handelt sowie eine Zeit lang im Speditionsgeschäft aktiv war. Noch heute ist Ulffers jeden Tag in dem Betrieb in seinem Geburtshaus am Vareler Hafen aktiv. „Wenn der Herrgott es will, mache ich das noch 20 Jahre, dann weiß ich, dass es mir gut geht“, sagt der 80-Jährige schmunzelnd.

Die Liebe zum Handball hat Ulffers erst nach dem Ende seiner Rugbylaufbahn entdeckt. Dabei gehörte er jahrelang der Erstliga-Mannschaft des SC Varel an und absolvierte mitunter Spiele vor mehr als 1000 Zuschauern im Waldstadion.

Zum Handball kam er Ende der 60er-Jahre und spielte für die Alten Herren des Vareler TB. Die „Erste“ dümpelte damals noch auf Kreisebene. Doch mit der Übernahme der Leitung der Handballabteilung des VTB, dem Zusammenschluss mit dem TV Altjührden im Jahr 1974 und der Freundschaft zu Sponsor Manfred Schmidt (maschal) begann der Aufstieg des Leistungshandballs, den Ulffers wie kein anderer gefördert, unterstützt und begleitet hat.

Mit dem Aufstieg der damaligen SG VTB/Altjührden im Jahr 1976 von der Oberliga in die Regionalliga Nord, der damals zweithöchsten Spielklasse, wurden die ersten ausländischen Spitzenspieler an den Jadebusen geholt, darunter Publikumsliebling Danilo Lonkovic oder später Niko Beslac. 1981 schaffte die erste Mannschaft die Qualifikation zur Zweiten Bundesliga. Zwar endete die erste Saison mit dem direkten Wiederabstieg, doch gelang 1984 der Wiederaufstieg. Nach dem erneuten Abstieg 1995 glückte 1999 abermals der Sprung in die Zweite Bundesliga.

Auf solider Basis

In all den Jahren war Ulffers darum bemüht, guten Handballsport auf solider wirtschaftlicher Basis zu ermöglichen. Angesichts dieser hanseatischen Geschäftspolitik und den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten in Friesland musste man jedoch immer wieder zähneknirschend herausragende Eigengewächse und Spieler ziehen lassen. Weil man mit den finanziellen Mitteln anderer Clubs nicht mithalten konnte gingen somit u.a. die späteren Bundesliga-Profis Johannes Bitter (Weltmeister von 2007), Jan Fegter (Olympia-Teilnehmer von 1996), Ralf Koring oder Jan-Philip Willgerodt.

In der vergangenen Saison verzichteten die Vareler aus Kostengründen freiwillig auf eine Lizenz für die neue eingleisige Zweite Liga. Als wirtschaftlicher Träger des Drittligisten fungiert nun die HSG Varel-Friesland UG, deren Geschäftsführer Ulffers ist. „Aus dem Sportlichen halte ich mich aber mittlerweile völlig heraus“, betont Ulffers und verweist auf diverse wichtige Helfer an seiner Seite.

In Sachen Geburtstagsfeier dürfte es an diesem Freitag nun zünftiger zugehen. Dann hat der 80-Jährige seine Kumpels vom Hafen, die „Hafenbutscher“ (Ulffers), zu einer Herrenpartie geladen. Nach dem letzten Heimspiel der HSG in diesem Jahr wird er zudem noch die Mannschaft zu einem Abendessen einladen. Ulffers: „Dann muss auch gut sein mit Feiern.“

Während einer Bootsfahrt hatte Enno Ulffers 1959 in Dangast seine Frau Hiltraut kennengelernt. Zwei Jahre später wurde geheiratet. Die drei Töchter Heike (48), Antje (47) und Imke (43) sind inzwischen als Richterin, Architektin bzw. Geschäftsführerin seines Mineralölunternehmens erfolgreich.

Auch politisch hinterließ Ulffers Fußspuren: So gehörte er 35 Jahre lang für die FDP dem Rat der Stadt Varel an, 15 Jahre dem Kreistag und wirkte zeitweilig als stellvertretender Bürgermeister und stellvertretender Landrat.

Der Sport genießt bei Ulffers von klein auf einen hohen Stellenwert. „Egal ob als aktiver Leichtathlet, Rugby- und Handballspieler oder in Verbindung mit der Arbeit für die Vareler Handballer sowie dem Kontakt zu den Spielern – das hat mich über all die Jahre jung gehalten“, freut sich der Vareler.

Henning Busch
Lokalsport
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2510

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