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NWZonline.de Region Friesland Lokalsport

Von irren Tricks und bitteren Stürzen

29.09.2016

Tel Aviv /Hooksiel Ein Wakeboard-Abenteuer der besonderen Art liegt hinter Timo Sell und Tom Brandt: Die beiden hochtalentierten Wassersportler aus Wilhelmshaven, die ansonsten eine Trainingsrunde nach der anderen auf der Anlage der Hooksieler Wasserterrassen drehen, waren bei der Europameisterschaft der Wakeboarder und Wakeskater im israelischen Tel Aviv am Start.

Wechselbad der Gefühle

Dabei musste das Duo aus dem hohen Norden, das zum 20-köpfigen deutschen Aufgebot beim Gipfeltreffen der besten Fahrer Europas gehörte, durch ein wahres Wechselbad der Gefühle. So hatte Tom Brandt (19) bei seiner bereits dritten EM-Teilnahme großes Pech. Der DM-Dritte in der Klasse Junior-Men zog sich zum Auftakt der EM eine leichte Verletzung zu und verpasste damit den angepeilten Sprung ins Halbfinale.

Rauf aufs Brett

Die Wakeboarder messen sich regelmäßig bei Titelkämpfen wie der Niedersachsenmeisterschaft, bei der auch der Wasserskilift in Hooksiel Austragungsort eines Wettkampftages ist, oder der deutschen Meisterschaft mit der nationalen Konkurrenz. Die besten unter ihnen werden dann ausgewählt und fahren gemeinsam als deutsches Team zu Europa- und Weltmeisterschaften.

Ein Run ist ein bestimmter Streckenabschnitt in der fünfeckigen Wasserskianlage, in dem die Fahrer ihre besten Tricks und Sprünge auf dem Wasser sowie auf den Sprungschanzen zeigen müssen. Dafür werden sie je nach Schwierigkeit und Stil bewertet. Die Starter haben in den Qualifikationsrunden jeweils zwei Runs, also zweimal die Chance, die Jury von sich zu überzeugen. Bei möglichen Patzern im ersten Run gibt es für die Wakeboarder also immer noch die Möglichkeit, die Abläufe im zweiten Durchlauf deutlich besser und fehlerfrei zu zeigen.

Auf der Anlage der Hooksieler Skiterrassen, An der Werft 1a, trainieren Timo Sell und Tom Brandt regelmäßig ihre Trick-Kombinationen. Auch Anfänger können dort auf die Bretter steigen und sich als Wasserskifahrer oder Wakeboarder versuchen. Mittlerweile wird in Hooksiel an den Wochenenden aufgrund der großen Nachfrage fast ganzjährig gefahren.

Mehr Infos unter www.skiterrassen.de

Für den 15-jährigen Timo Sell lief es bei seinem ersten internationalen Wettkampf überhaupt besser. Der Wilhelmshavener beendete die EM auf dem 16. Platz unter 30 Startern in seiner Altersklasse und war mit seinem Abschneiden zufrieden. „Immerhin waren dort Europas beste Fahrer vertreten“, betont Sell und blickt gleich wieder voraus: „Ich werde nächstes Jahr wieder alles geben, um mich erneut zu qualifizieren.“

Aber der Reihe nach: Nach der Ankunft mit dem deutschen EM-Tross in Israel hatte sich Sell zunächst im Training mit der unbekannten Wasserskianlage auf dem Lake TLV unweit des Toten Meeres bekannt gemacht. „Die Eingewöhnung war kein Problem“, erklärt er: „Man kriegt schnell ein Gefühl für neue Anlagen, wenn man viel reist. Nach einer halben Stunde konnte ich schon alle meine Tricks springen.“

Darauf hoffte der EM-Debütant natürlich auch in seinem ersten Wettkampf-Run. Sell hatte sich für die Qualifikationen angesichts der starken Konkurrenz eine sehr anspruchsvolle Kombination zusammengestellt. Je schwieriger jedoch die Tricks sind, desto höher ist die Gefahr, den Sprung unsauber zu landen oder sogar zu stürzen. Ein Sturz bedeutet das vorzeitige Ende des Runs und hohen Punktabzug.

Mit dem Schwierigkeitsgrad der Tricks steigt zudem das Verletzungsrisiko. Immerhin lassen sich die Athleten durch bloße Muskelkraft bis zu zwölf Metern Höhe in die Luft katapultieren. „Das kann bei ungeplanten Landungen auf der Seite oder gar kopfüber sehr schmerzhaft sein“, weiß Sell. Dementsprechend stieg die Anspannung vor seinem ersten Run immens.

Voll in seinem Element

Sobald er auf dem Wasser war, sprichwörtlich in seinem Element, konnte er die Gefahren, die Zuschauer und die Jury aber ausblenden. Was nun zählte, war einzig und allein sein Board und die Freude daran, durch die Luft zu wirbeln. Und alles lief zunächst wie am Schnürchen – bis zu dem wunden Punkt in seinem Plan. Sells bisher schwierigster Trick, der ihm die meisten Punkte einbringen sollte, misslang. Bei der Landung rutschte er weg und konnte sich nur mühsam wieder aufrichten. Trotzdem ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und fuhr bis zum Ende durch.

Doch hatte der kleine Fehler fatale Folgen. Angesichts des hohen Punktabzuges drohte Sell, das Halbfinale zu verpassen. Somit musste er im zweiten Run alles auf eine Karte setzen. Das tat er, zeigte sogar seinen besten Trick, den „Switch Mobe 5“ – einen mit dem linkem Fuß vorne gefahrenen Rückwärtssalto mit eineinhalbfacher Schraube (540 Grad). Trotzdem heimsten die Konkurrenten mehr Punkte ein.

So blieb dem Wilhelmshavener nur noch das „Last Chance Qualifying“, bei dem noch vier von 16 Fahrern den zwölf bereits feststehenden Aktiven ins Halbfinale folgen dürfen. Und trotz eines Sturzes bei der letzten Schanze sollte es für Sell diesmal reichen. Die Vorschlussrunde war erreicht. Nach dem turbulenten Tag war erst einmal Ausruhen und Kräfte sammeln für den nächsten Morgen angesagt. Das tat Sell bei einer Runde Schwimmen im Toten Meer und anschließendem Entspannen am Strand.

Im Halbfinale hatte jeder Fahrer wieder zwei Durchgänge, um seine beste Performance zu zeigen. Erneut setzte Sell alles auf eine Karte – und verlor. Ausgerechnet sein bester und schwierigster Trick wurde ihm wieder zum Verhängnis. Beide Male rutschte er bei der Landung aus, fuhr zwar noch bis zum Ende. Aber der Punktabzug durch die Unsauberkeit in der Ausführung kostete ihn das erhoffte Weiterkommen ins Finale.

Tolle Atmosphäre

Dennoch zeigte sich der 15-Jährige begeistert von der Atmosphäre bei der EM. „Die Fahrer sind alle super nett, jeder unterstützt jeden – und jeder Fahrer wird bejubelt, egal aus welcher Nation“, erklärt Sell. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl sei es, um das es eigentlich gehe: Ein freundschaftliches Kräftemessen unter internationalen Freunden. So war der Wilhelmshavener auch mächtig stolz auf seinen Teamkollegen Max Milde aus Duisburg, der in seiner Altersklasse den dritten Platz erreichte.

Sell und Brandt werden im nächsten Jahr auf dem Wasser wieder angreifen, um sich erneut für die EM zu qualifizieren. Schließlich würde dort eine Art Heimspiel warten, denn die Titelkämpfe der Wakeboarder werden 2017 in Deutschland ausgetragen.

Henning Busch
Lokalsport
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2510

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