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Sander Heimatgeschichte 450 Jahre: Mariensiel im Jubiläumsjahr ohne Fest

Manfred Lehmann

Mariensiel - Schön wär’s gewesen: Mariensiel ist jetzt 450 Jahre alt, das Dorf hatte ein großes Fest zum Jubiläum geplant. Doch die Corona-Krise machte alle Pläne zunichte und stürzte den Verein in einen finanziellen Engpass.

Mariensiel: Von der Entstehung anno 1570

Fräulein Maria von Jever (1500 - 1575) hatte nach der Allerheiligenflut 1570 zur Entwässerung des Hinterlands das erste hölzerne Siel durch den Deich bauen lassen und damit dem Dorf seinen Namen gegeben. Mehrere Sturmfluten zerstörten das Siel. 1877 wurde es aus Stein ersetzt.Davor entstand ein Hafen mit Fahrwasser zur Jade. Ge­treide, Holz, Muschelkalk, Felle, Tran, Salz und Genever brachten kleine Schiffe als wichtigste Fracht. Als der Wilhelmshavener Hafen erweitert und 1909 der Banter Seedeich gebaut wurde, verschlammte die Fahrrinne nach Mariensiel. Selbst ein Mudderboot konnte sie schließlich nicht mehr offen halten. Das Siel wurde 1963 stillgelegt, der Seedeich verlegt und Mariensiel vom Jadebusen abgeschnitten.

1984 übernahm die Gemeinde Sande das alte Siel als Baudenkmal und erinnerte daran, dass 1926 mutige Mariensieler Bürger mit 14 Kabinen, einem Sprungturm und einem Nichtschwimmerbecken den Ort zum Nordseebad gemacht hatten.

1994 karrten Mitglieder des 1986 gegründeten Bürgervereins 140 Kubikmeter Sand in das Siel, um es als einziges seiner Art an der Nordseeküste begehbar zu machen.

1998 erfolgte die Einweihung des Bürgertreffs zum alten Fort als Heimstatt für die Gemeinschaft. Diesen Treffpunkt weiter zu behalten, wird zu einer schweren Aufgabe für den Vorstand

Der 2012 im Alter von 94 Jahren verstorbene Gründer und Ehrenvorsitzende des Bürgervereins, Siegfried Dieskau, der sich von 1970 bis 2009 als Bezirksvorsteher für „sein Mariensiel“ engagierte, befasste sich intensiv mit der Geschichte Mariensiels, die 1570 ihren Anfang nahm.

Wichtige Straßen

Bedeutung hatte Mariensiel durch die 1855 gebaute Staatsstraße von Sande nach Wilhelmshaven. Die 1941 fertiggestellte B 210 über Roffhausen galt als erste Mariensieler Ortsumgehung, denn das Kopfsteinpflaster auf der alten Strecke wurde seitdem gern gemieden.

Erst 1964 baute man die „Wilhelmshavener Straße“ durch das Dorf breiter und mit einer Asphaltdecke komfortabel aus. Der Durchgangsverkehr stieg auf der meistbefahrenen Kreisstraße Frieslands auf täglich fast 10 000 Fahrzeuge – die zweite Umgehung musste nach zahlreichen Eingaben und Beschwerden des Bürgervereins 1993 gebaut werden. 3,6 Millionen Euro wurden dafür investiert.

Bahngleis und Kanal

An der 1855 gebauten Bahnstrecke Oldenburg-Wilhelmshaven hatte Mariensiel bis 1977 einen eigenen Bahnhof. Seit 1888 ist der Ems-Jade-Kanal die Grenze des Dorfs zu Wilhelmshaven. Eine eigene Grundschule ließ die Gemeinde Sande 1954 an der Umfangstraße bauen. Nach 14 Jahren ersetzten Schulbusse nach Cäciliengroden deren Betrieb.


Der Flugplatz

Der Flugplatz Mariensiel (heute Jade-Weser-Airport) wurde 1927 auf dem Bodenaushub des Wilhelmshavener Hafens angelegt. Schon 1930 konkurrierte er mit Passagieren und Fracht sogar mit der 1926 gegründeten Lufthansa. Er ist heute ein wirtschaftlicher Faktor der Gemeinde Sande.

Siegfried Dieskau erinnerte auch an jene traurigen Ereignisse in den Jahren 1919, 1920 und 1943, als es drei Explosionen gab. Bei der ersten im Artilleriezeugamt waren elf Todesopfer in der Zivilbevölkerung zu beklagen. 35 Häuser wurden unbewohnbar, die Schadenshöhe lag bei der gewaltige Summe von rund zwei Millionen Mark.

Großes fest 1995

Erfreulich hingegen die Feiern zum 425. Geburtstag Mariensiels: Der Bürgerverein bot Veranstaltungen, die Besucher aus Nah und Fern anlockten und sogar im Rundfunk und Fernsehen Beachtung fanden. Der Verein hatte auch für die Sielanlage als Anschauungsobjekt, den gepflasterten Platz am Siel und für die Scharttore am Ortseingang gesorgt.

Heute drücken den Bürgerverein finanzielle Sorgen: Durch Corona sind eingeplante 6000 Euro für private Vermietungen des Bürgertreffs weggefallen. Die laufenden Kosten für das Gebäude müssen dennoch aufgebracht werden.

Die Jubiläumsveranstaltungen mussten Vorsitzende Tatjana Mundt und Detlev Hoppe absagen. Ob sie später nachgeholt werden können, ist noch ungewiss.

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