Middelsfähr - In Corona-Zeiten musste die große Feier mit vielen vermittelten Hunden und ihren Haltern sowie Vereins- und Teammitgliedern und Pflegehunden natürlich ausfallen: Der Verein Hunderettung-aktiv mit Sitz in Middelsfähr feiert nun 2021 sein zehnjähriges Bestehen nach.
Das ist noch zu verschmerzen für Vorsitzende Sabine Bijnen. Was ihr Sorge bereitet: In Corona-Zeiten geht es den spanischen Straßenhunden noch schlechter als sonst. „In den vergangenen Monaten wurden deutlich mehr Hunde in den Perreras abgegeben. Dort sitzen sie sieben bis 21 Tage – findet sich niemand, der sie nimmt, werden sie getötet“, berichtet die 53-jährige Bijnen. „Man könnte verzweifeln.“ Zwar beruhige sich auch in Spanien langsam die Corona-Lage, sagt Bijnen. „Aber ich mag gar nicht daran denken, was passiert, wenn dort eine zweite Infektionswelle kommt.“
Erster Spanier war Tally
Sabine Bijnen und ihr Mann Wallie halten selbst seit 2005 Hunde aus Spanien: Der erste war Tally – er starb erst im Dezember mit 16 Jahren. Nun sind da noch Bambo, Frido und Sammy.
„Als wir Tally damals adoptierten, hörten wir von vielen Leuten, dass das keine gute Idee sei: Man wisse ja nicht, was der Hund in Spanien erlebt hat, er sei bestimmt verhaltensgestört, krank oder eine Gefahr für unsere damals achtjährige Tochter“, erinnert sich Sabine Bijnen. Doch Tally überzeugte alle vom Gegenteil.
Sabine und Wallie Bijnen bekamen durch ihn immer mehr Kontakt zum spanischen Tierschutz – mittlerweile vermitteln sie vor allem Hunde von Carmen und Sonja in Xermade/Nordspanien, die dort eine Protectora, eine Art Tierheim, betreiben.
Viele spanische Tierschützer haben die Perreras mittlerweile im Blick und holen von dort Hunde zur Weitervermittlung nach Deutschland. „Es sind in den meisten Fällen unkomplizierte und sehr gut mit anderen verträgliche Hunde, die wirklich einen guten Charakter haben“, sagt Sabine Bijnen.
In den vergangenen zehn Jahren hat der Verein „Hunderettung-aktiv“ rund 650 Hunde nach Deutschland geholt und weitervermittelt. Die Spanier kommen zunächst in Pflegestellen – dort dürfen sie sich ans Leben in Deutschland gewöhnen, ihre Scheu und Angst verlieren und ein bisschen Hunde-Knigge lernen.
Knapp drei Wochen sind die meisten Hunde in Pflege – dann sind sie vermittelt. „Das gilt für 99 Prozent – eine gute Quote“, findet Bijnen.
Nur wenige Rückläufer
„Wir hatten in den Jahren auch nur ganz wenige Rückläufer. Es muss einfach passen zwischen Hund und neuer Familie. Das Wichtigste ist, dass sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner glücklich sind.“ Und das zeigen die Neu-Besitzer der spanischen Hunde auch regelmäßig bei ihren Treffen; coronabedingt mussten sie in den vergangenen Monaten indes ausfallen.
