Friesland/Varel - Sind Sie Mieter? Dann sind Sie nicht allein. In Deutschland leben rund 58 Prozent der Haushalte zur Miete, weiß das Statistische Bundesamt. Wer in den Metropolen wohnt, muss dafür sehr tief in die Tasche greifen. In ländlicheren Regionen, zu denen Friesland zählt, ist die Miet-Markt-Lage im Vergleich dazu entspannt. Doch auch hier sind die Mieten in den vergangenen Jahren kräftig angestiegen. Doch waren die Erhöhungen immer gerechtfertigt? Darüber soll künftig ein neuer Mietspiegel Klarheit bringen, den der Landkreis jetzt für Varel, Jever, Bockhorn und all die anderen Kommunen in Friesland erstellen wird. Einen entsprechenden Auftrag haben jetzt alle jeweiligen Räte der Städte und Gemeinden beschlossen, wie die Pressestelle des Kreises auf Nachfrage mitteilte. Bedeutet: Da aus allen Kommunen die Zustimmung vorliegt, kann nun an die Arbeit gegangen werden.
Übersicht für alle
Der Mietspiegel soll künftig die ortsüblichen Mieten widerspiegeln. Als Datenbasis dienen Lage, Zustand, Ausstattung der Wohnung und noch viele weitere Faktoren. Unter anderem soll der Spiegel Mietern dabei helfen einzuschätzen, ob Erhöhungen gerechtfertigt sind – oder eben nicht. Fallen sie unter die Kategorie Überhöhung, wäre das nach dem Wirtschaftsgesetz sogar strafbar, sollte diese Überhöhung bei 20 Prozent über dem örtlichen Mietspiegel liegen. Hier drohen Geldbußen bis zu 50.000 Euro, wie das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen informiert.
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Und auch für eine Überprüfung von möglichem Mietwucher können Mietspiegel eine Bedeutung haben. In diesem Fall kann einem unlauteren Vermieter sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen, so das Ministerium. Darüber hinaus dient ein Mietspiegel als wichtige Informationsquelle, sollte eines Tages in den Städten und Gemeinden eine sogenannte Mietpreisbremse in Kraft treten. In dem Fall dürfte die zulässige Wiedervermietungsmiete die ortsübliche Vergleichsmiete um höchstens zehn Prozent überschreiten. Und wie eben diese Vergleichsmiete aussieht, zeigt der Mietspiegel.
Antrag der Linken
Ein rasantes Steigen der Mieten und vor allem Mietwucher verhindern war das Ziel der Linken, als sie zu den Haushaltsberatungen für das Jahr 2023 den Antrag im Kreistag stellten, einen Mietspiegel für Friesland erarbeiten zu lassen. Hintergrund war eine Untersuchung durch das Internetportal Immowelt. Danach waren die Mieten im Landkreis Friesland seit 2017 um 29 Prozent gestiegen, allein in 2022 um durchschnittlich 9,2 Prozent. Für die Linken alarmierende Zahlen. Ihr Antrag fand breite Zustimmung im Kreistag, so dass das Anliege dann nach und nach allen Ratssitzungen der Kommunen behandelt werden konnte.
Mehr Wohnungssuchende im ländlichen Raum
Neuste Studien des Immobilienportals Immoscout24 für ganz Deutschland zeigen übrigens: Der Preisdruck am Mietmarkt hält an. Gleichzeitig stellten beispielsweise die Analysten des „ImmoScout24 WohnBaromter“ für das vierte Quartal 2023 fest, dass der ländliche Raum mehr Wohnungssuchende anzieht. Hier sei die Nachfrage im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent gestiegen.
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Darüber hinaus zeigte sich bei der Untersuchung, dass vor allem Paare und Singles gute Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben. Weiter ergab die Umfrage unter 1400 Vermietern, dass auf Platz drei beliebter Mieter Familien stehen, Rentner bei rund 22 Prozent der Vermieter gute Chancen haben und Studierende nur bei 11 Prozent. Schwieriger haben es Alleinerziehende mit Kind und Wohngemeinschaften (WG), für die sich nur 10 bzw. 4 Prozent der Vermieter am liebsten entscheiden.
So geht’s nun weiter
In Friesland selbst geht nach den Beschlüssen der Städte und Gemeinden für einen Mietspiegel nun die Arbeit im Landkreis erst richtig los. Geplant ist eine Befragung der Mieter. Zudem werden die Wohnungs- und Immobilienverbände beteiligt. Geht alles glatt, könnte der Mietspiegel in der zweiten Jahreshälfte 2024 vorliegen.
