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Hofläden in Friesland Mehr als nur Milchtankstelle

Jule Hauken
Neben der Milchtankstelle von Hof Meinen, die direkt an der Hauptstraße steht, gibt es auch eine Sitzbank und einen kleinen Parkplatz.

Neben der Milchtankstelle von Hof Meinen, die direkt an der Hauptstraße steht, gibt es auch eine Sitzbank und einen kleinen Parkplatz.

Jule Hauken

Grabstede - Mittlerweile ist sie in Grabstede schon zu einer Attraktion geworden: die Milchtankstelle vom Milchhof Meinen, in der rund um die Uhr Milch, Buttermilch, Joghurt, Quark und besonders Eis verkauft werden. Alles direkt auf dem Hof und mit der eigenen Milch hergestellt. Der Bio-Hof versorgt außerdem mit seinem Lieferservice Schulen, Kindergärten, Läden, Kirchen und Privathaushalte. Die übrige Milch geht über die Bio-Schiene an die Molkerei Ammerland.

Direkt vor Ort

Direktvermarktung ist schon lange Teil des Konzeptes Milchhof Meinen: Seit Jahrzehnten gibt es verschiedene Modelle, zuletzt seit sechs Jahren die Milchtankstelle, einen Milchprodukt-Automaten an der Hauptstraße, der sehr gut angenommen wird. „So kommen die Leute dort auch wirklich vorbei, anstatt ganz die Melkstraat hoch zu müssen“, erklärt Landwirtschaftsmeister Sönke Meinen.

Außerdem verkaufen sie ihre Produkte auch beim Hofladen Helmerichs in Jever, im Unverpackt-Laden in Varel, bei ein paar ausgewählten Supermärkten im Ort oder bringen sie direkt bis vor die Haustür von Kunden: Durch kurze Lieferwege und die Biozertifizierung des Hofes wird so stark auf die Nachhaltigkeit der Produktion geachtet. Die Produkte bestehen nicht nur hauptsächlich aus der eigenen Milch, zu der von außen nur Früchte oder Kakao hinzugefügt werden, dies passiert auch auf dem Hof selbst in einer eigenen kleinen Molkerei.

Kaffee trinken

Der Lieferservice bringt Milchprodukte nach ganz Friesland und Wilhelmshaven, aber auch ins Ammerland oder nach Wittmund: Man kann Bestellungen online, auf der Webseite des Hofs, aufgeben.

Neben der Milchtankstelle wird ebenfalls ein Hofcafé betrieben, das für Veranstaltungen und größere Hofbesichtigungen geöffnet ist. Beide befinden sich an der Hauptstraße 78 in Grabstede, direkt an der Mündung in die Melkstraat, an der der Hof liegt.


Die Hofbesichtigungen sind ab einer Gruppengröße von 20 Teilnehmenden möglich und richten sich besonders an bestehende Kunden und Schulklassen, die täglich Milch von Meinen bekommen. Sie können gegen Eintritt gebucht und auf Wunsch mit einem Stück Kuchen begleitet werden.

Ansonsten kann das Café je am ersten Wochenende eines Monats besucht werden. Es hat eine lange Tradition, wurde aber erst 2020 wieder aufgenommen.

Weniger Symbolik

Das Bewusstsein für regionale Produkte befinde sich in einem Wandel: Die Nachfrage nach nachhaltigen Alternativen zu Produkten mit langen Lieferwegen wächst. Seit etwa fünf Jahren beobachtet Sönke Meinen dieses Umdenken, das er mit der Einstellung, die bereits in Hessen vorherrscht, vergleicht.

„Ich wünsche mir, dass Umwelt- und Klimaschutz weniger symbolisch gedacht wird und stattdessen mal vor der eigenen Tür gekehrt: Woher kommt zum Beispiel die Milch für den Kaffee im Rathaus?“ Viele Kindergärten, auch in Wilhelmshaven, Kirchen und andere Einrichtungen arbeiten mit Meinen zusammen, um auf direktem Wege an lokale Produkte zu gelangen. Schulmensen wären auch gerne gesehen: „Man sollte nicht an den falschen Enden sparen.“

Neben positivem Feedback ist die Frage nach der Verpackung eine, die oft aufkommt: Warum sind Plastikflaschen besser für Mehrweg geeignet als Glasflaschen? Was hat das Gewicht der Deckel damit zu tun? Sönke beantwortet diese Fragen gerne und probiert weiter neue Wege und Lösungen aus, um möglichst sinnvoll zu produzieren und zu vermarkten.

Mehrwegverpackungen funktionieren an der Milchtankstelle leider noch nicht: „Das Zurückgeben ist das Problem. Vielleicht versuchen wir das in einigen Jahren nochmal.“

Andere Zielgruppe

Dort gibt es nämlich eine ganz andere Zielgruppe als sonst: Dass die Produkte Bio und regional sind, ist nicht so wichtig, wie dass sie rund um die Uhr angeboten werden und sich mit der Sitzbank ein Treffpunkt bildet, den Jugendliche zu jeder Tag- und Nachtzeit nutzen. „Sie sind quasi wie eine Fangemeinde“, erklärt Sönke Meinen. „Das ist etwas kurios, aber auch praktisch: Wenn ich jemandem erkläre, dass ich bei der Milchtankstelle wohne, weiß er sofort Bescheid.“

„Das ist einzigartig hier in der Region“, betont der Landwirtschaftsmeister. Fleischautomaten von Bruns in Steinhausen und Kuhlmann in Bockhorn wären dem Beispiel gefolgt, aber nirgends sonst gäbe es 24 Stunden am Tag Milch und Milchprodukte zu kaufen.

Verkaufsperspektiven

Der Automat eigne sich nicht so gut für Einkäufer, die ihre Vorräte auffüllen wollen, da er nur speziell Milchprodukte anbietet. Deswegen müssen Supermärkte zusätzlich aufgesucht werden, wo auch Milch angeboten wird: In der Nähe auch von Meinen. Außerdem gibt es vor Ort in Grabstede auch viele, die ihr Bewusstsein für regionale Produkte einem eigenen, befreundeten oder benachbarten Milchviehbetrieb verdanken und deshalb dort ihre Produkte beziehen. Ändern will Meinen deswegen aber nichts: „Natürlich ist immer Luft nach oben, aber es läuft momentan echt gut.“

Mit etwa 100 Kühen, deren Milch zu 80 Prozent in die eigene Direktvermarktung fließt, und der Nachzucht hat der Hof eine beachtliche Größe. Auf lange Sicht steht immer auch Modernisierung an, vielleicht auch die Erweiterung der Milchtankstelle: Zurzeit steht erst einmal das 30-jährige Bestehen vor der Tür.

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