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Ärger um vermeintlichen Naturfrevel „Gute Gründe für gekappte Birken am Moorlandsweg“

Entlang des Moorlandsweges wurden mehrere Birken gekappt. Die Stumpen dienen als Habitate für Kleinstlebewesen.

Entlang des Moorlandsweges wurden mehrere Birken gekappt. Die Stumpen dienen als Habitate für Kleinstlebewesen.

Oliver Braun

Schortens - Hermann Wilbers aus Addernhausen mochte seinen Augen nicht trauen, als er vor wenigen Tagen auf der Schortenser Seite des beim „Waldschlösschen“ beginnenden Moorlandweges unterwegs war: „Entlang dieser ältesten Allee des Jeverlandes wurden in den Tagen vor den tosenden Stürmen 35 durch und durch gesunde Birken entnommen, die jetzt in unterschiedlichen Höhen als Stumpen den Wegesrand ,zieren’“, klagt Wilbers. Man blicke auf in den Kronen verunstaltete Birken, die man jetzt nur noch als Torso bezeichnen könne. Wilbers ist erbost und spricht von „Naturfrevel“ und „Dilettantismus“.

Empörung berechtigt?

Verantwortlich für das Kürzen der Bäume war die Stadt Schortens in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Friesland. Dort habe man ihm die Maßnahme damit erklärt, dass die Aufreinigung des Grabens entlang der Allee nötig wird. „Die Reinigungsarbeiten sind fraglos längst überfällig“, meint auch Wilbers, „doch diese Arbeiten können mühelos von der baumfreien Seite des Weidelandes vorgenommen und der Aushub von dort abgefahren werden.“ Das Fällen sei Wilbers zufolge daher völlig unnötig gewesen. Wenn jetzt noch durch Grubberarbeiten unter den Birken der Boden für die Ansaat von Blühwiesen vorbereitet werden soll, sei der Naturfrevel perfekt, befinde sich dort unter den Bäumen doch ein bislang gesundes Pilzmyzel, so Wilbers weiter. Und er erinnert daran, dass spätestens Mitte März die Froschwanderung beginne: „Die derzeitigen Wasserstände im Moorland lassen es wohl kaum zu, dass bis dahin die Baggerarbeiten durchgeführt werden können. Das bedeutet, die Tiere finden keine störungsfreien Laichgewässer vor.“

Kein Naturfrevel

Diese Vorwürfe des Naturfrevels weist die Stadt weit von sich: „Wir haben die durch Pilzbefall und Kernfäule geschädigten und daher nicht mehr standsicheren Birken entfernt und Habitatbäume stehen lassen“, erläutert Schortens’ Baumamtschef Frank Schweppe. Die Stumpen dienen als Rückzugsort und Lebensraum für Kleinstlebewesen. „Im Gegenzug haben wir schon vor diesen Arbeiten auf der rechten Seite des Moorlandweges damit begonnen, die Allee wieder zu schließen und dort mehrere neue Birken gepflanzt“, so Schweppe. Man müsse, nachdem dort jahrelang nichts passiert sei, auch dringend die Vorflut aufreinigen, damit die Entwässerung aus dem Bereich des Forst Upjever und der Siedlung in Addernhausen keine Probleme bekommt. In diesem Zusammenhang soll in Höhe des Waldschlösschens auch der Durchlass unter der K 332 vergrößert werden, der aus den Landesforsten kommt und in Richtung Moorlandstief führt, um dort wiederum die Flächen zu bewässern. Das geschehe im Zusammenhang mit dem Radwegebau, der dort dieses Jahr beginnen soll, erklärte Schweppe. In den Landesforsten gebe es auch einen Zulauf aus dem Bereich des Fliegerhorstes. „So bekommen wir das Wasser dorthin, wo es hin soll – nämlich ins Moorland.“

An den Stumpen der Birken können man den Pilzbefall gut erkennen und dass sich dort Mikroorganismen angereichert haben. Die Arbeiten seien nach vorangehender Prüfung fachgerecht ausgeführt worden. „Wir mussten da reagieren. Aufgrund der Verkehrssicherungspflicht hatten wir keine andere Wahl“, sagt Schweppe. „Wir haben früher alles runtergeschnitten und die Stumpen ausgefräst“, so Schweppe. Längst wisse man, dass das nicht der richtige Ansatz war. Die Aufreinigung des Grabens ende mit Blick auf die beginnende Krötenwanderung spätestens Anfang März und werde dann erst im Herbst fortgesetzt.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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