Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

„Mumbai Maersk“ vor Wangerooge Nabu fordert Verlegung des Hauptschifffahrtswegs

Melanie Hanz
Die Luftaufnahme aus einem Überwachungsflugzeug des Havariekommandos zeigt das Containerschiff MSC ZOE, das 2019 im Sturm mehrere hundert Container verloren hat.

Die Luftaufnahme aus einem Überwachungsflugzeug des Havariekommandos zeigt das Containerschiff MSC ZOE, das 2019 im Sturm mehrere hundert Container verloren hat.

Havariekommando

Wangerooge/Hamburg/Hannover - Es geht um den Schutz des Wattenmeers: Der Nabu Niedersachsen hat vor dem Hintergrund der Havarie der „Mumbai Maersk“ 3,3 Seemeilen vor Wangerooge seine Forderung wiederholt, den Hauptschifffahrtsweg vor den Inseln weiter nach Norden zu verlagern.

Der am Mittwoch auf Grund gelaufene Maersk-Containerriese erinnert an die Havarie der MSC „Zoe“, die in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 2019 auf dem Schifffahrtsweg 342 Container verloren hatte – noch immer gehen Nordsee-Fischern Containerreste der „Zoe“ ins Netz. Die 396 Meter lange MSC „Zoe“ und die 399 Meter lange „Mumbai Maersk“ gehören zur gleichen Schiffsklasse.

Zwischenbericht

„Es muss endlich ein Umdenken erfolgen“, betont Nabu-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann: „Das Weltnaturerbe Wattenmeer als einzigartiger Lebensraum, als Kinderstube der Nordseefische und Drehscheibe des ostatlantischen Vogelzugs muss vor Havarien besser geschützt werden.“

Für Sicherheit auf See

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hat ihren Zwischenbericht veröffentlicht unter:

Verkehrstrennungsgebiete (VTG) bestehen ähnlich wie Autobahnen aus für jede Fahrtrichtung zugewiesenen Zonen; in der Mitte eine Trennlinie oder Trennzone, deren Befahrung verboten ist. Für die Schifffahrt gibt es also getrennte Fahrspuren für unterschiedliche Fahrtrichtungen. Verkehrstrennungsgebiete werden dazu verwendet, an Engstellen den Schiffsverkehr zu kanalisieren und die Gefahr von Kollisionen zu verringern.

Die in der Deutschen Bucht stark befahrenen Reviere mit mehreren Schifffahrtswegen und Küstenverkehrszonen lauten folgendermaßen:„German Bight Western Approach“ führt aus Richtung West auf das Feuerschiff „German Bight“ zu. Befahren wird es von besonders großen Schiffen, Tankern und Frachtern mit gefährlicher Ladung. „Terschelling - German Bight“ verläuft aus Richtung West-Südwest kommend entlang der Linie der ostfriesischen Inseln etwas dichter unter Land. Hier herrscht die größte Verkehrsdichte. Dort ist die „Mumbai Maersk“ auf Grund gelaufen.„Jade Approach“ führt den großen Schiffsverkehr aus dem VTG „German Bight Western Approach“ zur Jade bzw. Wesermündung.„Elbe Approach“ führt den Schiffsverkehr aus den beiden westlicheren Trennungsgebieten zusammen weiter in Richtung Elbmündung.

Tatsächlich hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg gerade einen Zwischenbericht über die Umsetzung für mehr Sicherheit im Schiffsverkehr auf den Schifffahrtsstraßen der Nordsee veröffentlicht. Nach der Havarie der „MSC Zoe“ hatte die BSU gemeinsam mit den entsprechenden Behörden in Panama und den Niederlanden Empfehlungen herausgegeben. Ein großer Teil davon ist tatsächlich in Umsetzung, wenn auch durch die Corona-Krise verzögert.

Insbesondere geht es dabei um eine Überarbeitung der technischen und rechtlichen Regelungen für Ladungssicherungssysteme, Ladungs- und Stabilitätsbedingungen und die Berücksichtigung von Flachwassereffekten und gefahrenen Geschwindigkeiten von Containerschiffen. Die Niederlande, Panama und Deutschland drängen darauf, dass das internationale Regelwerk überarbeitet wird, denn wie sich zeigt, halten die internationalen Sicherheitsvorgaben längst nicht mehr Schritt mit der Entwicklung immer größerer Containerschiffe.

MSC ändert Route

Als unbedingt notwendig erachten die BSU und ihre Partner dabei die verpflichtende Ausstattung aller Containerschiffe mit Systemen zur Messung der Neigung des Schiffs, der Beschleunigung an mehreren Stellen und des Rollwinkels. Zudem müssen die Schiffe mit Systemen ausgestattet werden, die den Verlust von Containern in Echtzeit melden. Parallel laufen bereits Tests von großen Reedereien mit Sensorverfahren, um verlorene Container zu orten.


Besonders im Blick haben die Niederlande und Deutschland dabei die Bedingungen der Schifffahrtsstraßen nördlich des Wattenmeers – untersucht wird, ob die Routen geändert werden müssen.

Die Reederei MSC hatte aus der Havarie ihrer „Zoe“ direkt die Konsequenz gezogen, dass ihre Containerschiffe, die vom Ärmelkanal zu deutschen Häfen fahren, nicht länger durch das Verkehrstrennungsgebiet Terschelling – Deutsche Bucht fahren, sondern stattdessen die nördliche Tiefwasserroute zu benutzen. Das Verkehrstrennungsbiet wurde „als nicht zu befahrende Route eingestuft“ – alle MSC-Schiffe nehmen nur die nördliche Route.

Lade ...
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Wills Woche
Is’ was?

ISLAM IN DEUTSCHLAND Keine Religion steht über der Kritik

Alexander Will
Jüdische Studierende an der Uni Oldenburg blicken mit Sorge auf die Vorfälle der vergangenen Wochen. Unsere Redaktion hat mit zwei Studentinnen darüber gesprochen, wie sie ihren Alltag erleben. (Symbolbild)

ANTISEMITISCHE VORFÄLLE IN OLDENBURG Zwischen Paranoia und Mut – So erleben jüdische Studierende die Stimmung auf dem Campus

Josepha Zastrow
Oldenburg
Berliner Notizen
Keine Parade für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

KURIOSES UND UNGEWÖHNLICHES IM POLITIKBETRIEB Eine Trompete, ein Jogger und (k)eine Militärparade

Hagen Strauß Büro Berlin
Im Barockgarten des Oldenburger Klinikums soll eine Gedenkstätte für die Opfer des Patientenmörders Niels Högel entstehen.

PATIENTENMORDE IN OLDENBURG UND DELMENHORST Klinikum plant Gedenkstätte für Högel-Opfer

Anja Biewald
Oldenburg
Das Kampfsportstudio „Chang Tong Gym“ in Prinzhöfte wurde offenbar Ziel eines Brandanschlags. Die „Antifa“ bekannte sich dazu. Das nebenstehende Haus ist derzeit unbewohnt, weil es renoviert wird.

KAMPFSPORTSTUDIO ANGEZÜNDET Nach „Antifa“-Brandanschlag in Prinzhöfte spricht der angebliche „Nazi-Trainer“

Arne Erik Jürgens
Prinzhöfte