Friesland - In Berlin war man bis vor Kurzem auf der Suche nach einer entlaufenden Löwin – vermutlich von privat. Nach aktuellen Erkenntnissen hat sich die Raubkatze allerdings als Wildschwein entpuppt und die Behörden gaben Entwarnung. Doch eine Nachricht im Zuge der Berichterstattung ließ uns aufhorchen: In den meisten Bundesländern ist es möglich, privat Tiger, Löwen oder sonstige Klein- und Großkatzen zu halten, wenn man dafür eine Genehmigung hat. Und wir wollten wissen: Wie sieht es in Friesland aus? Liegen dem örtlichen Veterinäramt Meldungen über exotische Tiere vor unserer Haustür vor? Die Antwort lautet: ja.
Exoten in Friesland
Raubkatzen, seien es Löwen, Puma, Tiger oder Leoparden, gibt es in Friesland allerdings nicht. Bei den exotischen Tierarten, die vor Ort von privat gehalten werden, handelt es sich um Spinnen und Skorpione. Die Erlaubnis zur Haltung solcher Tierarten erteilt in Friesland das Ordnungsamt des Landkreises und dieses richtet sich nach der Gefahrtier-Verordnung, die in Niedersachsen greift. Unterschieden wird dabei grundsätzlich zwischen Erlaubnissen für giftige Tiere wie Schlangen, Echsen und Spinnen sowie Erlaubnissen für sonstige gefährliche Tiere wie Alligatoren, Affen, Bären und Großkatzen, beschreibt Landkreis-Pressesprecherin Nicola Karmires auf Nachfrage unserer Redaktion. Unterschieden wird deshalb, weil die Anforderungen an die Haltung entsprechend unterschiedlich sind.
Nur mit Erlaubnis
Generell ist die Haltung von Gefahrtieren in Privathand verboten. Erst durch die Erlaubnis des Landkreises dürfen die Tiere gehalten werden, doch steckt bis zur endgültigen Entscheidung ein aufwendiges Verfahren dahinter. Nicola Karmires erklärt, dass die Voraussetzungen für den Besitz immer vor Ort geprüft werden. So wolle man sicherstellen, dass eben keine Gefahr von der Haltung ausgeht. „Dies geschieht auch unter Hinzuziehen von entsprechenden Sachverständigen, wie zum Beispiel des Veterinäramtes Zweckverband Jade-Weser und der Giftzentrale.“
Mittelgiftige Spinnen
Da im Landkreis Friesland in einem Fall die Erlaubnisse für die Haltung von giftigen Spinnen erteilt wurde, ist auch die Giftzentrale involviert. Diese schätzte die Achtbeiner als „mittelgiftig“ ein. Auch Skorpione wurden in diesem speziellen Fall genehmigt. Explizit schreibt das Veterinäramt Zweckverband Jade-Weser die Haltung von Reptilien vor, die noch am ehesten mit den Spinnentieren verglichen werden können. Nicht nur bedarf die Haltung solch exotischer Tiere einer vorherigen intensiven Information, sondern auch geeignete Terrarien und Strukturen.
Grundsatzdebatte
Angesichts des Großeinsatzes der Polizei, die in Berlin und Brandenburg nach einer mutmaßlichen Löwin suchte, entflammt erneut eine Grundsatzdebatte über die lückenhaften gesetzlichen Regelungen, die Handel und Haltung der meisten exotischen Wildtiere hierzulande problemlos und ohne Einschränkungen ermöglichen, so der Deutsche Tierschutzverband in einer aktuellen Mitteilung. Deutschland sei einer der größten Absatzmärkte für Exoten weltweit. Hunderttausende gefangene Reptilien, Amphibien und Fische würden in Deutschland legal verkauft, auch ohne eine Prüfung der Sachkunde des Halters.
