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Neurodermitis, Asthma, Tumor Durch Krankheiten entstand Idee für nachhaltige Reinigungsmittel

Alexandra Gölz hat in Jever an der Lindenbaumstraße ihren „Showroom“ mit nachhaltigen Reinigungsmitteln

Alexandra Gölz hat in Jever an der Lindenbaumstraße ihren „Showroom“ mit nachhaltigen Reinigungsmitteln "Die Putzhelden" eröffnet.

Antje Brüggerhoff

Jever - Wer Alexandra Gölz zum ersten Mal sieht und sie strahlend und voller Energie von ihrem Umzug nach Jever und ihrem neuen Geschäft erzählen hört, der mag kaum glauben, was die 39-Jährige schon alles hinter sich hat. Aufgewachsen ist sie mitten im Krieg, sie leidet unter anderem an Asthma und Neurodermitis und bekam vor zehn Jahren die erschütternde Diagnose: Tumore an Darm und Gebärmutter. Mehrere Operationen waren notwendig, ein Teil des Darms wurde entfernt. „Ich war vollkommen raus aus dem Leben“, sagt Alexandra Gölz, die vor vier Jahren mit Mann und Hund nach Jever zog und kürzlich ihren eigenen Laden mit ihren selbst entwickeltem Produkt „Putzhelden“ in der Lindenbaumstraße eröffnete.

In Tadschikistan geboren

Rückblick: Gebürtig kommt Alexandra Gölz aus Zentralasien, 1983 wurde sie in Tadschikistan geboren – zu dem Zeitpunkt eine Unionsrepublik innerhalb der Sowjetunion. Mit dem Zerfall der Sowjetunion eskalierten auch die politischen und sozialen Spannungen im Land – das führte zu einem Bürgerkrieg. Mittendrin: die damals etwa achtjährige Alexandra Gölz. Sie wuchs auf mit Bombeneinschlägen und Menschen, die auf der Straße erschossen wurden. Ihre Schwester wurde als Geisel in der Schule festgehalten, es gab Ausgangssperren, kein Trinkwasser und kaum Essen. „Das war schon eine heftige Zeit.“

Ihr Vater war Tadschike, ihre Mutter wiederum kam aus Deutschland. „Deshalb konnten wir einen Antrag stellen, nach Deutschland fahren zu können.“ Zwei Jahre hat es gedauert, bis dieser genehmigt wurde. „Natürlich war es gut, aus dem Gebiet rauszukommen. Aber als Kind fand ich das schlimm. Ich musste meine Heimat, meine Freunde und die Schule verlassen.“ 1994 war die Familie dann in Deutschland, Alexandra Gölz wuchs in Baden-Württemberg auf. Dort ging sie auf ein Wirtschaftsgymnasium und machte Abitur, danach eine Ausbildung zur IT-Systemkauffrau.

2008 kam die bekannte Firma Lenovo auf sie zu. „Ich kannte die Geräte, war und bin auch heute noch absolut überzeugt von der Qualität“ – und so arbeitete sie einige Jahre für diese Firma. Das war zwar genau das Richtige für sie, sie ging in ihrer Arbeit auf.

Ellenbogen raus

Allerdings: Leicht war es nicht immer. „Die IT-Branche war sehr Männer-dominiert. Ich war eine der wenigen, in manchen Bereichen sogar die einzige Frau – und das bedeutete manchmal auch: Ellenbogen raus.“ Sie arbeitete viel und stieg auf, stand an der Spitze einer Marketingabteilung und sollte mit einem Team die Marke Lenovo nach vorne bringen. Es gab sogar Pläne, sie auf Führungsebene europaweit einzusetzen. Doch es kam anders – Diagnose Tumor.


Über Leben nachgedacht

„Da begann ich, über mein Leben nachzudenken. Ich wollte nicht mehr so leben wie vorher. Ich wollte nicht mehr so krank werden und nicht mehr operiert werden.“ Da ihr auch ein Stück vom Darm entfernt wurde, befasste sie sich viel mit Ernährung. Und im Zusammenspiel mit den anderen Krankheiten wie Neurodermitis und Asthma auch mit anderen Inhaltsstoffen zum Beispiel von Hygiene- und Kosmetikartikeln. „Ich wollte nicht mehr meine Gesundheit in Gefahr bringen – und auch nicht meine Umwelt.“

Alexandra Gölz zeigt ihre Reinigungsmittel, die Glasflaschen können in ihrem „Showroom“ wieder nachgefüllt werden. (Foto: Antje Brüggerhoff)

Alexandra Gölz zeigt ihre Reinigungsmittel, die Glasflaschen können in ihrem „Showroom“ wieder nachgefüllt werden. (Foto: Antje Brüggerhoff)

Was sie besonders ärgerte: die vielen gefährlichen Inhaltsstoffe in Putzmitteln. „Nicht nur, weil meine Hände durch die Neurodermitis brannten, wenn sie damit in Berührung kamen, sondern auch, weil Rückstände immer wieder in den Kreislauf und letztlich in unsere Nahrung geraten. Ich will mich nicht vergiften, ich will die Umwelt nicht vergiften“. Da kam ihr die Idee, selbst Produkte herzustellen. Sie fand ein Labor, das ihre Vorstellungen umsetzen konnte – es entstanden „Die Putzhelden“ mit natürlichen Inhaltsstoffen. In den meisten Produkten sind biologisch aktive Enzyme, sie sind vegan und kommen ohne Warnhinweise aus. „Da kann dann zum Beispiel auch mal das Kind selbst sein Spielzeug waschen, es spielerisch lernen.“ Auch ihr Hund ist mit den Reinigungsmitteln schon in Berührung gekommen, „und da passiert nichts“, sagt sie.

GPS ist mit im Boot

Inzwischen lebt Alexandra Gölz in Jever. Ihr Mann ist Geschäftsführer von Biopin - nach langer Zeit des Pendelns zwischen Göppingen in Baden-Württemberg und Jever zogen beide 2019 in die Marienstadt. „Ich bin auch sofort von der Straßengemeinschaft Lange Meile aufgenommen worden, alle sind so nett“, sagt sie. Mit ihren nachhaltigen Reinigungsmitteln, die von Mitarbeitern der GPS gefüllt werden, ist sie nun sogar im Rennen für den Gründerpreis Nordwest. Bewusst nennt sie die Anfang September eröffneten Räume nicht „Geschäft“ oder „Laden“, sondern „Showroom“: Sie möchte dort die Produkte, die es auch online gibt, zeigen, aber auch einen Ort der Begegnung schaffen. Dafür hat die 39-Jährige einen großen Tisch im Raum stehen. „Ich möchte mit Menschen ins Gespräch kommen und das nicht nur über die Putzmittel, sondern zum Beispiel auch über Gesundheit – da kann ich ja viele Erfahrungen weitergeben“, sagt Alexandra Gölz und lächelt dabei, voller Tatendrang und Zuversicht.

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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