NEU FRIEDERIKENGRODEN - Edelgard Lowien erlebte die Sturmflut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 hautnah mit, denn sie wohnte direkt am Schaudeich in der Gemeinde Wangerland bei Friederikensiel.
„Am 16. Februar heulte ein eisiger Wind um das Haus. Da wir die Stürme, hauptsächlich im November und Februar, als Küstenbewohner gewohnt sind, nahmen wir nicht direkte Notiz davon, aber der Wind wütete schon einige Tage und hatte die Nordsee schon dicht an den Außendeich (Sommerdeich) getrieben.
Unsere drei Kinder schliefen, zudem war noch ein ehemaliger Hausarbeitslehrling mit zwei Kindern bei uns zu Besuch. Um 21.15 Uhr klingelte das Telefon und unser Gastwirt Gerd Gronewold meldete, dass der Elisabethgroden bereits unter Wasser stünde, benachrichtigt worden war er von Enno Ennen von Funnenser-Neuendeich.
Ein großer Schreck durchfuhr uns, Mäntel und Gummistiefel wurden angezogen, Gehilfe Heinz Biller und Auszubildende Karin Dorn alarmiert und dann ging es zum Deichschart. Hier war ja noch kein Tor vorhanden, welches man gleich hätte schließen können, sondern einzelne Holzbohlen, die in einem kleinen Häuschen neben dem Deich untergebracht waren.
Sandsäcke gab es auch nicht und so füllten alle herbeigeeilten Kräfte aus dem Dorf und die herbeigeeilte Feuerwehr, zusammen mit meinem Mann unsere vorhandenen Getreidesäcke mit Kleierde von unserer Rübenmiete. Die Säcke wurden vor die Bohlen gelegt, aber auch noch an die Ecken des Deichscharts im Elisabethgroden als Schutz.
Der Wind blies jetzt aus Nordwest, die Lage wurde immer kritischer. Das Wasser stand um Mitternacht an der Deichkappe, als mein Mann Willy Landskron bat, uns zwei Frauen mit zusammen fünf Kindern, alle klein, das älteste sechs Jahre alt, nach Jever in mein Elternhaus zu bringen. Mein Mann hat die ganze Nacht Sandsäcke mit dem Trecker zum Petershof gefahren, wo eine große Einbuchtung durch ständiges Überqueren zum Melken usw. im Deich war.
Ich war um 7 Uhr am anderen Morgen wieder hier, denn jede Kraft wurde gebraucht. Es wurde gemolken und so gut es ging die Arbeit verrichtet. Der Sturm ließ etwas nach, aber das Wasser spritzte oben über die Deichkappe.
Wir hatten das große Glück, im Neu Friederikengroden vom Wasser verschont zu bleiben. Im Elisabethgroden sah es, als das Wasser später langsam zurückging, katastrophal aus. Es hat lange gedauert, bis Gras und Getreide wieder wuchsen, denn der Außendeich war gebrochen und überspült.
Nachher wurde der Deich erhöht, hiermit ist uns eine gewisse Sicherheit gegeben, so hoffen wir auch in Zukunft vom Wasser verschont zu bleiben. Eines steht fest, bei solch großen Naturgewalten ist man völlig machtlos.“
