Neuenburg - Es klingt dramatisch: „Klimageschädigter Wald: Mehr Forstpersonal im Kreis Friesland gefordert“, überschreibt die IG Bau eine Pressemitteilung, die auch unsere Zeitung erreicht hat. Demnach gebe es immer weniger Personal bei den Niedersächsischen Landesforsten, was dazu führe, dass die Forstämter ihren Aufgaben kaum noch nachkommen könnten.
Dabei sei gerade jetzt besonders viel Personal im Forstbetrieb gefordert, denn Klimawandel und Schädlinge wie der Borkenkäfer hätten den Wäldern stark zugesetzt, die Wälder müssten jetzt schnellstmöglich für den Klimawandel gewappnet werden, schließlich hingen an der Holzverarbeitung zahlreiche Arbeitsplätze.
Dabei verkündeten die Landesforsten erst vor ein paar Wochen, dass es im Neuenburger Holz ganz gut läuft mit dem Baumwuchs. Was ist dran an der Behauptung der IG Bau? Gibt es in Friesland zu wenig Förster und Forstwirte?
|
Hat das Forstamt Neuenburg Personalmangel |
? |
Die Antwort von Forstamtsleiter Dr. Martin Dippel ist ziemlich eindeutig: „Nein.“ Natürlich wünsche man sich hin und wieder eine helfende Hand mehr, aber von einem Personalmangel könne keine Rede sein. Und wenn es doch einmal stressig zugehe, dann eher aufgrund des gewachsenen Aufgabenbereichs der Förster und nicht, weil der klimageschädigte Wald so viel Arbeit mache. „Der Förster kann heutzutage nicht mehr einfach nur Holz ernten“, erklärt Dippel. Beispielsweise nehme die Öffentlichkeitsarbeit einen immer größeren Teil ein. Im Forstamt Neuenburg sind knapp 40 Mitarbeiter für 12 700 Hektar Wald zuständig.
|
Wie steht es um die Wälder des Forstamts |
? |
Vergleichsweise gut. Zwar gebe es auch hier einige Schäden an Bäumen, „aber wir haben das im Griff“, so Dippel. Die Situation sei nicht vergleichbar mit der im Süden des Landes. „Da herrscht ganz sicher Personalmangel, das geht ja auch nicht anders bei der Aufgabenfülle“, so Dippel. Tatsächlich hat das Forstamt Neuenburg sieben Forstwirte in die besonders betroffenen Gebiete abgeordnet, um dort zu unterstützen.
Im Nordwesten ist die Lage vor allem deshalb nicht so dramatisch, weil es kaum Fichtenwälder gibt. Fichten leiden besonders unter dem Klimawandel und haben mit dem Borkenkäfer zu kämpfen, der beispielsweise im Harz weit verbreitet ist und hektarweise Wald zerstört.
|
Wie wappnet man einen Wald für den Klimawandel |
? |
Indem man ihn so verändert, dass er besser mit trockenem Klima zurechtkommt. Dabei gibt es nur ein Problem: „Niemand weiß so ganz genau, was das sein kann“, sagt Dippel. Dennoch gibt es Richtlinien, was in welchen Regionen bei welchen Bodenverhältnissen gepflanzt werden soll. Beispielsweise wurden auf einem eher sandigen Boden im Hasbruch nun Kiefern statt wie bisher Douglasien und Buchen gepflanzt.
Dabei müsse man auch darüber nachdenken, ob man nichtheimische Arten in die Wälder holt, was unter Naturschutzaspekten aber schwierig sei. „Das kann man nicht gleich auf großer Fläche machen, weil man nicht genau weiß, was passiert.“ Wälder mit „fremden“ Arten gibt es in der Region aber bereits: In Ostfriesland ist beispielsweise die Weißtanne sehr verbreitet, obwohl sie eigentlich eher rund um die Alpen anzutreffen ist.
