Neuenburg - Die Kunst lässt sich von der Corona-Krise nicht aufhalten: „Der Kunstverein Bahner hat aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus beschlossen, die Kunstwoche trotz – oder gerade wegen – der Corona-Pandemie durchzuführen.“ Das teilt Zetels Kulturkoordinator Iko Chmielewski mit. Die Künstler sollen nach Neuenburg kommen, am 22. Juni ihre Ateliers im Vereenshuus einrichten und an ihren Projekten zum Thema „Künstlerfilm“ arbeiten. „Das hat der Kunstverein entschieden, damit für die eingeladenen Künstlerinnen nicht alle Verträge und Einnahmen wegbrechen“, sagt Iko Chmielewski. Ab Montag, 22. Juni, arbeiten in Neuenburg: Lisa Haselbek aus Nürnberg: Ihr Thema ist „Wind“. Sie fügt die Filmsequenzen als Videoinstallation in Form von stilisierten Blättern zu einer Blüte zusammen. Rebecca Blöcher aus Hamburg: Sie setzt sich mit der „verloren gegangenen Naturverbundenheit der Menschen“ im Umfeld des Neuenburger Urwaldes auseinander und erstellt einen Trickfilm. Angelika Haak aus Bornheim: Sie wird bei der Kunstwoche ihre Videoarbeit „L‘Inconnue de la Seine“ fertigstellen. „L‘Inconnue de la Seine“ bedeutet „Die Unbekannte aus der Seine“. Sie war der Legende nach eine nicht identifizierte junge Frau, deren Leiche um 1900 aus der Seine geborgen wurde. Ein Pathologe der Pariser Leichenschauhalle war so fasziniert von ihrer Schönheit, dass er eine Totenmaske anfertigen ließ. In den folgenden Jahrzehnten wurde „L‘Inconnue“ für Künstler, Dichter und Schriftsteller zur Muse. Sie ist auch das Subjekt in der Kunst von Angelika Haak: In Form und Bewegung einer Tintenwolke in Wasser wird die Maske der Unbekannten von einem sich wandelnden Porträt überlagert. Kerstin Gramberg aus Köln: Ihr Animationsprojekt dreht sich um das Wattenmeer. Das Weltnaturerbe wird in ihrem Film experimentell-collage-artig zu einem neuen Raum umgestaltet. Nanja Heid aus Bremen: Sie wird den Ort Neuenburg mikroskopisch aufnehmen. Daraus produziert sie einen Stop-Motion-Trickfilm, der durch die Gegen- und Umstände geprägt ist, die sie in Neuenburg vorfindet.
Ob und wie sich der öffentliche Ausstellungsteil der Kunstwoche realisieren lässt, hängt von der allgemeinen Entwicklung in der Corona-Krise ab. Wenn es die Situation erlaubt, lädt der Kunstverein am Samstag, 27. Juni, ab 17.30 Uhr und am Sonntag, 28. Juni, ab 14.30 Uhr zur Abschlusspräsentation ein, bei der die Filmkunst im Vereenshuus gezeigt wird.
