Varel - Als Sohn eines Schlachters war es für den Vareler Udo Klün eine Herzensangelegenheit, über die Vareler Fleischereien und Schlachtereien ein Buch zu verfassen. Er hatte bereits mit den Nachfahren von 80 Schlachtern gesprochen und Aktenordner voller Material gesammelt, als er im Oktober vor einem Jahr starb. Dank seiner Familie wird das Buch jetzt doch noch veröffentlicht. Seine Frau Elfi, ihr Sohn Lars und Schwiegersohn Ralf Onken haben das Werk gemeinsam beendet und bringen es jetzt unter dem Titel „Die Vareler Fleisch- und Wurstwarengeschäfte sowie Schlachtereien“ heraus.
Am Sonntag, 12. November, um 11 Uhr stellt Wolfgang Busch das Buch im Vareler Heimatmuseum am Neumarktplatz vor. Alle Interessierten sind dazu eingeladen. Anschließend ist es bei Thalia erhältlich. Nach seinem Buch „Bäckereien und Konditoreien in Varel“ ist es das zweite Buch, in dem Udo Klün die Geschichte des Vareler Handwerks beleuchtet.
Intensive Recherche
Udo Klün hat für seine Recherche in unzähligen alten Ausgaben des Gemeinnützigen geblättert und mit Zeitzeugen gesprochen. Er hat Anzeigen und Fotos gesammelt, die eindrucksvoll die Geschichte von Varels Schlachtern belegen. 80 Schlachter gab es in Varel seit etwa 1839, heute neben zwei Filialbetrieben nur noch einen: die Fleischerei Asseln in Langendamm. In seinem Buch erinnert Udo Klün an bekannte Vareler Schlachter wie Fritz Koch an der Mühlenstraße, Jung an der Haferkampstraße, Neumann, Notschlachter Osterloh oder Gert-Schlühr in Obenstrohe. Auch Schlachter Streithorst, der gerne in seinem Schlachterkittel vor seiner Wohnung im ehemaligen Ledigenheim an der Langen Straße saß und jeden freundlich grüßte, der vorbeikam, kommt in dem Buch zu Ehren.
Hausschlachtungen
Der Leser erfährt, dass es auch viele Rossschlachtereien, eine Fleischwarenfabrik sowie Geflügelschlachtereien in Varel gab. Mit dem Aufkommen der Supermärkte wie Tengelmanns, Kaiser und Spar in den 1960er Jahren begann das Sterben der Schlachtereien, berichtete Udo Klün damals, als er sein Buchprojekt beim Gemeinnützigen vorstellte und mit einem Aufruf in der Zeitung Zeitzeugen suchte. Ein eigenes Buchkapitel widmet sich den Hausschlachtungen, wie sie bis in die 1970er Jahre auf dem Land üblich waren. Udo Klün hat sie als Sohn eines Fleischers hautnah miterlebt. Sein Vater ist im Winter zu Hausschlachtungen auf die Höfe gefahren und Sohn Udo assistierte ihm dabei, hat Knochen zersägt und Blut aufgefangen.
Familienprojekt
Udo Klün hatte das Buch über die Fleischer und Schlachter fast fertiggestellt, jede einzelne Seite hatte er in einem Ordner in Klarsichtfolie abgeheftet. So konnte die Familie das Buch in seinem Sinne veröffentlichen. „Wir mussten nur ein bisschen improvisieren“, sagt Elfi Klün, die das Buch dank der Hilfe ihres Sohnes Lars Klün und ihres Schwiegersohnes Ralf Onken herausgegeben hat.
Ralf Onken hat auch die 350 Ordner voll mit Dokumenten und Fotos über Varels Geschichte an sich genommen und fuchst sich in die Vareler Geschichte ein. „Udo hat mich mit seiner Leidenschaft für Heimatgeschichte infiziert“, sagt er.
