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Dorfladen gerettet Hier gibt’s neben Brot, Milch und Kaffee auch einen Plausch dazu

Neustadtgödens - „Jetzt geht es erstmal weiter. Zum Glück“, sagt Ina Braams. Es ist erst wenige Wochen her, da überlegte sie ernsthaft, ihren kleinen Laden an der Kirchstraße in Neustadtgödens nach mehr als 30 Jahren für immer zu schließen.

Positiv denken

Nachdenklich wirkt sie immer noch, so schnell lassen sich die Sorgen nicht vergessen. Aber immerhin huscht doch immer wieder mal ein hoffnungsvolles Lächeln über ihr Gesicht: Positiv denken, optimistisch bleiben, das ist ihr Motto. Und so sehen das die Kunden auch. Jeder, der dieser Tage bei ihr hereinschaut, betont, wie froh man im Dorf sei, dass der Laden erhalten bleibe.

Lieferant schließt

Was war passiert? Wer Ina’s Lädchen kennt, der kennt auch den verführerischen Duft nach frischem Backwerk, sobald man den Laden betritt. So lange Ina Braams denken kann, bringt sie die Backwaren morgens in aller Frühe auf dem Weg zur Arbeit mit. Ihre Bezugsquelle: die Bäckerei in Horsten, die früher ihren Eltern gehörte und die seit 1999 von Bäckermeister Stephan Meyer weitergeführt wurde.

Bäckerei in Horsten muss schließen Bäckermeister Stephan Meyer findet kein Personal mehr

Wolfgang Kaul Horsten

„Ob Brot, Brötchen oder Kuchen, alles aus dieser kleinen Bäckerei, wo noch Handarbeit zählt, ist besonders lecker. Die Kunden wissen das zu schätzen“, erzählt Ina Braams. Und die Backwaren sind in ihrem Laden der Renner. „Ohne frische Brötchen und Brote bricht ein guter Teil des Umsatzes weg“, sagt sie.

Schock für Ina Braams

Dass Stephan Meyer Probleme hat, weil er kein Personal findet, war Ina Braams schon länger bekannt. Dennoch war es ein Schock, als sie erfuhr, dass er die Bäckerei aus diesem Grund nun schließen will. „Natürlich verstehe ich ihn. Aber wenn ich keine Backwaren mehr anbieten kann, lohnt sich mein Lädchen wohl auch nicht mehr“, sagt sie. Dennoch mochte sie sich mit dem Gedanken nicht abfinden, einfach die Tür für immer abzuschließen.

Dann kam die zündende Idee: Ina Braams nahm Kontakt zu Bernhard Ulfers auf, der eine kleine Bäckerei am Klein-Ostiemer Weg in Schortens und Filialen in Heidmühle und in Reepsholt betreibt. Und man wurde sich einig: Ab dem 1. November beliefert die Bäckerei nun Ina’s Lädchen. „Ich hoffe, die Kunden sind zufrieden und bleiben mir treu“, sagt die 61-Jährige, die den Laden mit Unterstützung von zwei Mitarbeiterinnen betreibt.

Im Lädchen mit dem Flair eines „Tante-Emma-Ladens“ aus früheren Zeiten gibt es alles, was man für den Alltag braucht: Milch, Joghurt, Käse, Reis, Nudeln, eine Auswahl an Obst und Gemüse, Konserven, Kaffee und Zeitschriften.

Socken und Briefmarken

Jemand aus dem Ort bietet zudem handgestrickte Socken an, jemand anderes handgefertigte Grußkarten. Briefmarken gibt’s natürlich auch. Und neben den vielen kleinen kaufbaren Dingen gibt’s einen Plausch gleich mit dazu. Man kennt sich, weiß, wo der Schuh drückt und ist am anderen interessiert.

Natürlich ist das „Lädchen“ auch eine Informationsbörse: Die junge Frau, die ein paar Kleinigkeiten kauft und sich erkundigt, ob der Kindergarten wohl geöffnet habe, auch wenn gerade Herbstferien sind, bekommt ebenso eine kompetente Auskunft wie der Herr, der nach dem Boßelverein fragt.

Der Laden verlangt aber auch viel: „Urlaub kenne ich nicht. Ich bin eigentlich immer hier“, sagt Ina Braams, die das alles aber gerne in Kauf nimmt, weil sie das selbstständige Arbeiten liebt und den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden schätzt. An einen Nachfolger glaubt sie jedoch nicht: „Wer will das heute noch machen? Tante Emma stirbt leider aus“, bedauert Ina Braams. Ihr Lädchen aber ist fürs Erste gerettet. Zum Glück für Ina Braams und vor allem für Neustadtgödens.

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