Schortens - Ausfälle ohne Ende auf der Strecke RB 59 Wilhelmshaven-Sande-Jever-Wittmund-Esens der Nordwest-Bahn: Wegen Personalmangels kann die Deutsche Bahn zurzeit das Stellwerk im Bahnhof Heidmühle nicht besetzen – deshalb fiel am Donnerstag der Personenverkehr auf der Strecke einfach aus. Seit Freitagmorgen gab es dann Schienenersatzverkehr per Bus. Und ab 11 Uhr am Freitag fuhren dann wieder – kürzere – Züge.
Zugausfall Nordwest-Bahn
„Unhaltbar“ nennt der Fahrgastverband Pro Bahn diesen Zustand. „Während in unmittelbarer Nachbarschaft für sehr viel Geld eine neue, moderne Infrastruktur geschaffen wurde, bedient sich DB Netz auf der Küstenbahn im Bahnhof Heidmühle, dem einzigen Kreuzungspunkt der Strecke, noch einer Sicherungstechnik aus der Anfangszeit der Eisenbahn. Ein planmäßiger und verlässlicher Betrieb ist auf der Linie offenbar nicht mehr möglich“, schimpft der Pro Bahn-Regionalvorsitzende Hans-Joachim Zschiesche.
Defekt am Stellwerk
Bereits in der ersten Oktoberwoche sorgte das Stellwerk für Zugausfälle, da es über mehrere Tage hinweg nach einem Defekt nicht bedient werden konnte, so Zschiesche. „Erst am dritten Tag konnte die Nordwest-Bahn zumindest einen 2-stündigen-Verkehr unter Umgehung der Zugkreuzungen in Heidmühle einrichten.“ Und im September musste der Zugverkehr für knapp zwei Wochen eingestellt werden, da Arbeiten an der Pipeline zum LNG-Terminal in Wilhelmshaven die Züge ausbremsten.
Leidtragende sind mal wieder die Fahrgäste, kritisiert der Fahrgastverband: Einheimische, Touristen, Schüler und Pendler. „Besonders von Pendlern erreichen uns in den letzten Tagen und Wochen viele Beschwerden“, berichtet Zschiesche. „Und viele laden ihren Unmut bei der Nordwest-Bahn ab“, berichtet auch Vorstandsmitglied Jens-Uwe Carstens, der als täglicher Pendler ebenfalls von den Zugausfällen betroffen ist. Die Nordwest-Bahn ist diesmal gar nicht schuld an den Einschränkungen und Ausfällen.
Sperrungen kurzfristig
Da die Streckensperrungen überaus kurzfristig erfolgen, sei das Unternehmen kaum in der Lage, angemessen zu reagieren. Einflussmöglichkeiten auf den Infrastrukturbetreiber habe sie so gut wie keine. Pro Bahn sorgt sich um die Akzeptanz der Strecke Sande-Esens: Die ehrgeizigen Bemühungen der angrenzenden Landkreise, ein attraktives Nahverkehrskonzept zu etablieren, werden hier ad absurdum geführt und sogar zunichtegemacht.
Als Beispiel nennt der Fahrgastverband den stündlichen Taktknoten am Bahnhof Esens als Drehscheibe zur touristischen Anbindung der Sielhafenorte und der Fähranleger an die Bahn: Die Anschlüsse auf der Schiene laufen ins Leere, da die Ersatzverkehre der Busse die Fahrzeiten nicht planmäßig bedienen können. „Es ist nicht mehr einzusehen, dass milliardenschwere Investitionen für den Güterverkehr zum Jade-Weser-Port getätigt werden, aber der vorhandene Personenverkehr keine oder kaum Berücksichtigung findet“, schimpft Zschiesche.
