Sanderbusch - Einstein brauchte 14 Stunden Schlaf, Napoleon kam mit vier Stunden aus. Doch nicht die Dauer ist entscheidend, sondern ob der Schlummer erholsam ist. Für etwa jeden vierten Deutschen ist an einen ungestörten, ruhigen und erholsamen Schlaf jedoch nicht zu denken.
Ruhiger Schlaf
„Guter Schlaf ist die Grundlage für ein gesundes Leben. Leider sind Schlafstörungen weit verbreitet und mindern nicht nur massiv die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, sondern erhöhen auch das Risiko, einen Herzinfarkt und Schlaganfall zu erleiden – so werden Schlafstörungen lebensbedrohlich“, weiß Dr. Jörg Schmalenbach, Chefarzt der Klinik für Pneumologie im Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch (NWK).
Weil die räumliche und technische Ausstattung sowie Ausbildung des medizinischen Personals überdurchschnittlich sind, wurde das Schlaflabor des NWK jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin ausgezeichnet und zertifiziert. Dafür haben die Friesland-Kliniken das Schlaflabor am Standort Sanderbusch erweitert und etwa 560000 Euro investiert. Geprüft wurde auch die Anzahl der behandelten Patienten sowie die Qualität der Schlafanalysen und ärztlichen Diagnosen. Im Umkreis von rund 60 Kilometern ist es das einzige zertifizierte Schlaflabor.
In der Regel werden Patienten von ihrem Haus- oder einem Facharzt zur Untersuchung ins Schlaflabor überwiesen und bleiben zwei Nächte. Dabei dient die erste Nacht vor allem der Gewöhnung. „Wir bemühen uns, unseren Patienten die Nacht im Schlaflabor so komfortabel wie möglich zu gestalten. Sie sollen sich wohlfühlen und richtig zur Ruhe kommen. Nur so erhalten wir aussagekräftige Untersuchungsergebnisse“, sagt Dr. Jörg Schmalenbach.
Die Untersuchung ist komplett schmerzfrei. Zur Messung und Analyse des Schlafes werden die Patienten „verkabelt“ und per WLAN an Überwachungsgeräte angeschlossen. Die Schläfer tragen ein Kehlkopfmikrofon und werden videoüberwacht. Auch im Dunkeln können Mitarbeiter auf einem Bildschirm immer sehen, ob im Schlafraum alles in Ordnung ist. Sensoren liefern Daten zu Einschlafverhalten, Muskelaktivität und Atmungsstörungen, es wird aufgezeichnet, ob sich die Beine häufig bewegen, der Patient auf dem Rücken stärker schnarcht als auf der Seite und wie lange Atemstillstände dauern.
„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung“, erklärt Schmalenbach. „Sie ist eine offizielle Anerkennung unserer Arbeit.“ Die Schlafmedizin ist ein noch relativ junges medizinisches Fachgebiet und sollte in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden, meint Schmalenbach: „Wir können in unserem Schlaflabor mit der Polysomnographie, der nächtlichen Schlafüberwachung, und der Untersuchung der oberen Atemwege das gesamte Spektrum schlafbezogener Atem- und Schlafstörungen sowie alle Beeinträchtigungen des Schlaf-Wach-Rhythmus präzise diagnostizieren und behandeln.“
1000 Patienten
Rund 1000 Patienten werden in Sanderbusch im Jahr untersucht. „Sie kommen bereits während des Tages zur Vorbereitung. So haben sie Zeit, die verschiedenen Masken zu testen und das für sie optimale Modell für die nächtliche Untersuchung auszuwählen“, erklärt die medizinische Fachangestellte Susanne Jung, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabine Matthiesen die Patienten betreut.
Pneumologe Schmalenbach rät Menschen mit Schlafstörungen, frühzeitig die Ursachen dafür abklären zu lassen. „Schnarchgeplagte“ Partner sollten ihrem Bettnachbarn den Besuch eines Schlaflabors empfehlen, damit endlich wieder Ruhe im Schlafzimmer einkehrt.
