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Notunterkunft Roffhausen „Man geht nicht mehr so unbefangen durch den Ort“

Steven Dirksen und Nils Brüggemann aus Roffhausen hatten in den vergangenen Wochen einige unangenehme Begegnungen mit Bewohnern der Notunterkunft in ihrer Nachbarschaft.

Steven Dirksen und Nils Brüggemann aus Roffhausen hatten in den vergangenen Wochen einige unangenehme Begegnungen mit Bewohnern der Notunterkunft in ihrer Nachbarschaft.

Oliver Braun

Roffhausen - „Man muss heute ja wirklich vorsichtig sein, was man sagt“, meint Steven Dirksen. Der 29-Jährige lebt in Roffhausen, nur zwei Querstraßen entfernt von der Notunterkunft in der ehemaligen Heinz-Neukäter-Schule und angrenzenden Bürgerbegegnungsstätte, in die die Stadt seit Anfang des Jahres Flüchtlinge einquartiert hat. Eigentlich sei die Notunterkunft kein Problem, so der Taxi-Fahrer. Doch in letzter Zeit habe es einige „unerfreuliche Erlebnisse“ mit der Unterkunft oder einiger dort untergebrachten Personen gegeben. „Das sei einzeln betrachtet vermutlich zu wenig, um da jedes Mal die Polizei zu rufen.“ Aber in der Summe gehe man heute eben nicht mehr so unbedarft und unbefangen durch den Ort wie noch vor einem Jahr.

„Fühle mich sehr unwohl“

Dirksen berichtet von einem Vorfall, der sich vor etwa drei Wochen zugetragen hat, als er abends an der Unterkunft vorbeilief. Unvermittelt seien drei Bewohner auf ihn zugestürmt und hätten sich mit einer Drohgebärde vor ihm aufgebaut und mit einer „Kopf ab“-Geste zu verstehen gegeben, was man mit ihm machen wolle. Es blieb bei dieser Drohgebärde, zu weiteren Auseinandersetzungen sei es nicht gekommen. Ob das mit einer Taxifahrt zusammenhängt, die wiederum zwei, drei Wochen vorher stattgefunden habe, als er eine Person von Sande nach Roffhausen gefahren hat und es an der Notunterkunft einen kurzen Disput um den Fahrpreis gab, sei nicht auszuschließen.

Michaela Schulze wohnt ebenfalls in Roffhausen und geht jeden Tag regelmäßig mit ihrem Hund durch den Ort. Seit einigen Wochen werde sie dabei von drei Männern aus der Unterkunft „verfolgt“. Mal laufen die ihr mit etwas Abstand hinterher, mal kämen sie ihr entgegen und liefen auffällig dicht an ihr vorbei. Es gebe kaum einen Abend, an denen die Männer ihr nicht hinterherliefen. „Ich fühle mich da sehr unwohl“, sagt Michaela Schulze. „Ich werde von denen von oben bis unten begutachtet.“ Und die Blicke und anzüglichen Bemerkungen verstehe man auch, wenn man deren Sprache sonst nicht versteht.“ Inzwischen habe sie Angst allein, durch den Ort zu laufen, daher werde sie bei ihrer abendlichen Runde mit dem Hund oft von ihrem Sohn begleitet.

Auch das sei eine Situation, die für sich gesehen wohl zu unbedeutend und zu wenig gravierend ist, als dass die Polizei da aktiv werden könnte. Gleichwohl habe sie es mit einer Anzeige versucht. „Doch da passiert nichts, so lange nichts passiert“, sagte die Roffhausenerin.

Man versuche sich mit der Notunterkunft zu arrangieren, die Menschen dort kenne man kaum, die blieben meist nur einige Wochen – oder eben auch länger. Je nach dem wie schnell sich freie Wohnungen finden. Dass der Frust dort irgendwann größer werde, sei verständlich, meint Dirksen. Dennoch sollte es nach diesen Vorfällen „mal eine Ansprache seitens der Behörden geben“, finden die Anwohner.


Auch Nils Brüggemann wohnt in Roffhausen. Ein Nachbar sei weggezogen, weil es im Umfeld der Unterkunft häufig bis spät abends und nach Mitternacht sehr laut sei, berichtet Brüggemann. Dass da die Kinder – lange vor Beginn der Sommerferien – so lange draußen herumtoben und die Nacht zum Tage machten, ginge auch nicht.

Das sagt die Stadt

Bei der Stadt Schortens, die die Notunterkunft betreibt, seien derlei Probleme nicht bekannt, so Heiko Klein vom städtischen Ordnungsamt auf Nachfrage. Die beiden Objekte – die frühere Neukäter-Schule (vormals das Impfzentrum des Landkreises) und der benachbarte Bürgertreff – seien für 126 Bewohner ausgelegt. Aktuell lebten dort 55 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturkreise, von Einzelperson bis zur größeren Familie. Die Stadt sei mit ihren Sozialarbeitern täglich vor Ort, berichtet Klein. Die traumatisierten Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten bräuchten intensive Begleitung. Die Einrichtungsleitung sowie Sicherheitskräfte seien rund um die Uhr vor Ort.

Von den beschriebenen Vorfällen habe die Stadt keinerlei Kenntnis, „meines Wissens läuft das dort im Großen und Ganzen problemlos“, sagt Heiko Klein. Dennoch wolle er Bürger, die aktuell von Schwierigkeiten im Umfeld der Notunterkunft berichten, nicht abwimmeln, oder ihre Probleme herunterspielen. „Sollte es Probleme geben, kann ich jedem Bürger nur empfehlen, sich hier bei uns zu melden. Wir hören uns das an und werden dann entsprechend aktiv.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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