Schortens - „Wir haben keine Mehrheit im Rat und können die Vorgänge daher nur kopfschüttelnd kommentieren und mahnen, es bleiben zu lassen“, sagt SPD-Ratsherr Detlef Kasig zu dem Vorhaben, die obere Menkestraße abzubinden und so umzubauen, dass sie für Autos und Lieferverkehre nur noch von der Oldenburger Straße aus befahren werden kann. Die SPD fordert wegen zu vieler Unwägbarkeiten den Stopp der Planungen.
Das Thema sorgt seit Wochen für hitzige Diskussionen und bringt auch die Schortenser SPD auf die Palme. Vor allem sei es die Art und Weise, wie die schwarz-grüne Mehrheitsgruppe ihre Vorstellungen bisher kommuniziert hat und durchsetzen will, kritisiert Kasig. Immer mehr treten aus Sicht der Schortenser SPD auch handwerkliche Fehler zutage, die Schortens noch teuer zu stehen kommen könnten, wenn ab dem 5. Juni der Umbau beginnt und umgesetzt wird, „was außer CDU und Grüne offenbar niemand will in der Stadt.“
Probleme größer
CDU und Grüne in Schortens wollen mit ihrer Mehrheit ein Vorhaben umsetzen, über das tatsächlich schon seit einigen Jahren immer mal wieder im Rat diskutiert wurde. Stichworte sind „Verkehrsbelastung“ und „mehr Aufenthaltsqualität“. Plötzlich und unerwartet verkündeten CDU und Grüne dann im Februar/März, den Einmündungsbereich von Menkestraße und Alte Ladestraße (Café Henry und vormals E.W. Hayen) vom Durchgangsverkehr abzuklemmen.
Wer dort hinein will, soll künftig von der Ortsmitte kommend nicht mehr in das kurze Teilstück der Menkestraße einfahren dürfen, sondern weiter über die Alte Ladestraße Richtung Bahnhof fahren und müsste an der dortigen Kreuzung nach rechts in die Oldenburger Straße abbiegen und könnte von dort dann in die obere Menkestraße – oder weiter in Richtung Rathaus – fahren. Ebenso in umgekehrter Richtung. Das ist ein Umweg von nur 400 Metern. Aber mit einem „deutlich längeren Rattenschwanz an Problemen“, meint die SPD.
Und die sehen die Kritiker des Vorhabens neben den Umsatzeinbußen für die dortigen Geschäfte vor allem im Verkehrsaufkommen, das ja nicht weniger werde, sondern an anderer Stelle zunehme. Der Verkehr rund um die Kreuzung am Bahnhof stehe länger und die Autofahrer werden sich neue Wege suchen, befürchtet Fraktionsvorsitzender Udo Borkenstein. Erst recht, wenn dort im nächsten Jahr die neue Bäckerei und Café von Müller & Egerer und die darüberliegenden 18 Wohnungen fertiggestellt und bezogen sind.
Neue Schleichwege?
Das Verkehrsgutachten, das das gleiche Ingenieurbüro erstellt hat, das auch den Umbau der oberen Menkestraße mit versenkbaren Pollern, Wendehammer und neuem Zuschnitt der Parkplätze plant, sei zu der Erkenntnis gelangt, dass das alles nicht funktionieren wird, wenn man nicht auch an den umliegenden Straßen und Kreuzungen an Stellschrauben drehe. Vor allem die Kreuzung am Bahnhof könne den zu erwartenden Mehrverkehr nicht abwickeln, ohne dass wenigstens die Ampelschaltungen umprogrammiert werden. Das verursache erhebliche zusätzliche Kosten. Und wenn es ganz ungünstig laufe, müsste sogar die Schrankenanlage am Bahnübergang Menkestraße umprogrammmiert werden. „Ich glaube nicht, dass sich die Bahn daran beteiligen wird“, sagt Borkenstein. Wenn es zu längeren Rückstaus komme, werden die Autofahrer, die von der alten Bundesstraße in den Ortskern wollen, sich neue Schleichwege suchen. Einer könnte durch das Wohngebiet an der alten Kramermarktwiese führen. Ein anderer durch die Heinrich-Tönjes-Straße. „Die Anlieger dort werden sich bedanken“, prophezeit Kasig.
Für mehr Daten und Klarheit sollte eine weitere Verkehrszählung sorgen, empfiehlt die SPD. Allerdings: Dem Fördergeld rennt die Zeit davon. Bis zum 15. August muss alles abgearbeitet sein. Ob dazu auch die Arbeiten und Umprogrammierungen am Knotenpunkt vor dem Bahnhof gehören, ist ungewiss. Letztlich auch, was Schortens dafür alles an eigenem Geld aufbringen muss. Reißt Schortens die Fördergeld-Frist, muss die Stadt alles allein zahlen.
