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Das steckt im „Oldenburger Jahrbuch“ Von Goldgräbern, Klosterhöfen und Filmemachern – Geschichten aus Friesland

Fritz Siedel gilt als einer der bekanntesten Fotografen und Filmemacher aus Friesland, vor allem durch seinen Film „Ferien in Friesland“.

Fritz Siedel gilt als einer der bekanntesten Fotografen und Filmemacher aus Friesland, vor allem durch seinen Film „Ferien in Friesland“.

Archiv/Helga Tix

Friesland - Das neue „Oldenburger Jahrbuch“ steckt voller interessanter Geschichten über Land und Leute. Für die Region Friesland hat es vor allem deshalb Bedeutung, weil sich von den insgesamt 15 Aufsätzen aus den Bereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie und Naturkunde vier mit friesischen Themen beschäftigen.

Varelerin war Goldgräber in Alaska

Zu nennen ist da die Arbeit von Holger Frerichs, die den abenteuerlichen Lebensweg von Augusta Enders-Schichanowsky (1865 – 1936) nachzeichnet, die nach ihrer Heirat 1884 in Varel lebte, von wo sie 1895 nach der Trennung von Mann und Sohn wegzog, um sich als Malerin zu verwirklichen und die Welt zu erobern. Ihr Weg führte sie über Berlin und Paris nach Alaska, wo sie zeitweise als Goldgräberin arbeitete. Ihre ‚Erlebnisse und Eindrücke in der Arktis‘ schilderte sie in ihrem Buch ‚Im Wunderland Alaska‘. Wenig erfolgreich und gesundheitlich angeschlagen kehrte sie über verschiedene Stationen 1911 nach Deutschland zurück und lebte ab 1918 bis zu ihrem Tod 1936 wieder in Varel.

Streik der Bockhorner Ziegler

Hans Begerows Aufsatz trägt den Titel „Der Ziegler-Streik, der Korea-Krieg und das Mitbestimmungsgesetz“ und berichtet vom Streik der Bockhorner Ziegelarbeiter, der im Sommer 1951 über mehrere Wochen die Produktion lahmlegte, bevor er im August zusammenbrach. Der Autor schildert diesen „vergessenen Arbeitskampf“ vor dem Hintergrund der krisenhaften Zeitumstände (Koreakrieg) und schlägt hier den Bogen zur heutigen Zeit, deren kriegerische Verwicklungen (Ukrainekrieg) ebenfalls zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen führen.

Klosterhöfe Grabhorn und Jührden

Der beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege tätige Archäologe Ulrich Kinder macht eine Bestandsaufnahme der „Niederlassungen der Johanniter rund um den Jadebusen“. Aufgenommen sind unter anderem die Kommende Bredehorn und die Klosterhöfe Grabhorn und Jührden in der Gemeinde Bockhorn. Alle Anlagen sind im Rahmen einer „Tabula-rasa-Politik“ der Oldenburger Grafen nach der Reformation zerstört worden. Ihre Spuren, soweit sie sich über Archivarbeit in noch erhaltenen schriftlichen Zeugnissen sowie durch archäologische Geländeuntersuchungen noch auffinden lassen, werden in der Arbeit sorgfältig dokumentiert.

Film „Ferien in Friesland“

Werner Menke schließlich macht das Leben und das Werk des Naturschriftstellers und – Fotografen Fritz Siedel (1913 – 2006) zum Thema, der nach seiner Flucht aus der DDR seit 1951 in Sande gelebt hat. Älteren Jeverländern dürfte Siedel noch bekannt sein, hat er im Laufe der Zeit doch viele Beiträge zu natur- und heimatkundlichen Themen in der regionalen Presse veröffentlicht, die jeweils mit Fotos des Verfassers illustriert waren. Sehr bekannt war seinerzeit auch der Film „Ferien in Friesland“, den Siedel 1970 im Auftrag des Landkreises als touristischen Werbefilm gedreht hat. Während seine Naturfilme (beispielsweise über das Große Meer in Ostfriesland und über die Vogelwelt unserer Küste) heute nicht mehr auffindbar sind, blieb dieser Film erhalten und kann auch heute noch gezeigt werden.


Mit diesen und den weiteren Beiträgen bietet das im Isensee-Verlag erschienene „Oldenburger Jahrbuch 2023“ eine abwechslungsreiche Lektüre, die im Buchhandel für 24,80 Euro gekauft werden kann.

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