Friesland - Das Prinzenpalais in Oldenburg, das seit 2003 die Galerie Neue Meister des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte beherbergt, bot den angemessenen Rahmen für die Präsentation des neuen ‚Oldenburger Jahrbuchs‘. Für die Region Friesland hat das neue Jahrbuch vor allem deshalb Bedeutung, weil sich von den insgesamt 15 Aufsätzen aus den Bereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie und Naturkunde vier mit friesischen Themen beschäftigen.
Augusta Enders-Schichanowsky
Zu nennen ist da die Arbeit von Holger Frerichs, die den abenteuerlichen Lebensweg von Augusta Enders-Schichanowsky (1865 – 1936) nachzeichnet, die nach ihrer Heirat 1884 in Varel lebte, von wo sie 1895 nach der Trennung von Mann und Sohn wegzog, um sich als Malerin zu verwirklichen und die Welt zu erobern. Ihr Weg führte sie über Berlin und Paris nach Alaska, wo sie zeitweise als Goldgräberin arbeitete.
Ihre ‚Erlebnisse und Eindrücke in der Arktis‘ schilderte sie in ihrem Buch ‚Im Wunderland Alaska‘. Wenig erfolgreich und gesundheitlich angeschlagen kehrte sie über verschiedene Stationen 1911 nach Deutschland zurück und lebte ab 1918 bis zu ihrem Tod 1936 wieder in Varel.
Streik der Bockhorner Ziegelarbeiter
Hans Begerows Aufsatz trägt den Titel „Der Ziegler-Streik, der Korea-Krieg und das Mitbestimmungsgesetz“ und berichtet vom Streik der Bockhorner Ziegelarbeiter, der im Sommer 1951 über mehrere Wochen die Produktion lahmlegte, bevor er im August zusammenbrach. Der Autor schildert diesen „vergessenen Arbeitskampf“ vor dem Hintergrund der krisenhaften Zeitumstände (Korea-Krieg) und schlägt hier den Bogen zur heutigen Zeit, deren kriegerische Verwicklungen (Ukrainekrieg) ebenfalls zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen führen.
Niederlassungen der Johanniter
Der beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege tätige Archäologe Ulrich Kinder macht eine Bestandsaufnahme der „Niederlassungen der Johanniter rund um den Jadebusen“. Aufgenommen sind unter anderem die Klosterhöfe Grabhorn und Jührden in der Gemeinde Bockhorn. Alle Anlagen sind im Rahmen einer „Tabula-rasa-Politik“ der Oldenburger Grafen nach der Reformation zerstört worden; ihre Spuren, soweit sie sich über Archivarbeit in noch erhaltenen schriftlichen Zeugnissen sowie durch archäologische Geländeuntersuchungen noch auffinden lassen, werden in der Arbeit sorgfältig dokumentiert.
Werner Menke schließlich macht das Leben und das Werk des Naturschriftstellers und Fotografen Fritz Siedel (1913 – 2006) zum Thema, der nach seiner Flucht aus der DDR seit 1951 in Sande gelebt hat.
Naturschriftsteller und Fotograf Fritz Siedel
Älteren Lesern des ‚Jeverschen Wochenblattes‘ dürfte Siedel noch bekannt sein, hat er im Laufe der Zeit doch mehr als 250 Beiträge zu natur- und heimatkundlichen Themen beigesteuert, die jeweils eine ganze Seite umfassten und mit vier bis sechs Fotos des Verfassers illustriert waren.
Sehr bekannt war seinerzeit auch der Film ‚Ferien in Friesland‘, den Siedel 1970 im Auftrag des Landkreises als touristischen Werbefilm gedreht hat. Während seine Naturfilme (zum Beispiel über das Große Meer in Ostfriesland und über die Vogelwelt unserer Küste) heute nicht mehr auffindbar sind, blieb dieser Film erhalten und kann auch heute noch gezeigt werden.
Mit diesen und den weiteren Beiträgen bietet das im Isensee-Verlag erschienene ‚Oldenburger Jahrbuch 2023‘ eine abwechslungsreiche und interessante Lektüre, es kann im Buchhandel erworben werden (Preis: 24,80 Euro).
