Cäciliengroden - In Cäciliengroden kocht die Stimmung. Grund dafür sind etliche „Knöllchen“, die in den vergangenen Wochen in dem Dorf im ruhenden Verkehr verteilt wurden. Meist waren gleich 35 Euro fällig.
Kaum jemand war sich des Unrechts bewusst, das auf den „Tickets“ notiert war, war doch in den vergangenen Jahrzehnten kaum mal jemand durch die Straßen gegangen, um die parkenden Autos zu kontrollieren. Und wenn, dann wurde möglicherweise ein Auge zugedrückt, zumindest aber wohl kein Zentimetermaß herausgeholt, um genau abzumessen, ob ein Wagen an der Straße noch parken darf oder ob es dann zu eng wird.
Personell verstärkt
Nun aber hat die Gemeinde Sande sich personell verstärkt, statt einer einzigen Teilzeitkraft, die sich in allen Sander Ortsteilen um den ruhenden Verkehr kümmert, die sich in den Straßen umschaut, ob zum Beispiel an Einmündungen Sichtfenster bei Hecken freigeschnitten, ob Bürgersteige einigermaßen ordentlich gepflegt sind und so weiter, sind nun drei Personen unterwegs. Entweder als geringfügig Beschäftigte oder in Teilzeit. Alle neuen Mitarbeiter seien vor ihren ersten Einsätzen umfangreich geschult worden, berichtet Sebastian Janßen, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales in der Gemeindeverwaltung.
Straßen, die so eng sind, dass kein Parkraum bleibt, gibt es übrigens nicht nur in Cäciliengroden, sondern in allen Sander Ortsteilen. Betroffen sind zum Beispiel im Hauptort Sande die Lessingstraße oder die Herbartstraße sowie in Neustadtgödens die Straße An der Waage. In Neustadtgödens gilt übrigens für den gesamten Ort eine Parkregelung mit Parkscheibe. Erlaubt sind hier Parkzeiten von bis zu zwei Stunden – Tag und Nacht.
„Auch wenn seit 30 Jahren so gut wie niemand in Cäci ein Knöllchen bekommen hat und der Straßenverkehr wohl ziemlich problemlos lief, heißt das ja noch lange nicht, dass da alles in Ordnung war“, sagt Janßen. Beschwerden seien auf jeden Fall immer mal wieder eingegangen. Ob es angesichts leerer Kassen darum geht, jede Einnahmequelle für die Gemeinde zu generieren, wie mancher schon vermutet hat, oder doch eher darum, endlich einmal aufzuräumen und den mitunter wilden Parksituationen oder nachlässigen Pflegezuständen zu begegnen oder auch einer Mischung aus beidem, das mag dahin gestellt bleiben. „Es geht ganz einfach darum, mehr Sicherheit zu schaffen und geltendes Recht durchzusetzen“, sagt der Ordnungsamtsleiter.
Schmale Straßen
Fakt ist, dass viele Einwohner in Cäciliengroden nun in die Bredouille kommen, weil sie keinen ausreichenden Parkraum auf dem eigenen Grundstück haben. „Als es in den 1990er-Jahren um die Dorferneuerung ging, ist auf eine Verbreiterung der meisten Straßen verzichtet worden, um den dörflichen Charakter zu erhalten“, erinnert sich zum Beispiel ein Anwohner. Das fällt den Cäciliengrodenern jetzt auf die Füße. „Ich bin richtig sauer, wo sollen wir denn hin?“, fragt eine Einwohnerin. Denn in den betroffenen Straßen, darunter zum Beispiel die Karl-Legien-Straße oder die Walther-Rathenau-Straße, darf überhaupt nicht mehr am Straßenrand geparkt werden.
Viele Straßen in Cäciliengroden, wie hier die Karl-Legien-Straße, sind zu schmal, um dort ein Auto zu parken. (Foto: Annette Kellin)
Laut Straßenverkehrsordnung müssen noch 3,05 Meter Straße übrig sein, wenn das Auto am Straßenrand parkt, gemessen wird von der Außenkante des Außenspiegels. Nur so sei gewährleistet, dass im Notfall Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge nicht behindert würden, sagt Isabella Schmitt vom Fachbereich Ordnung der Gemeinde Sande. Dabei gehe es aber nicht nur um Rettungseinsätze, sondern auch um Lkw-Verkehr oder um Entsorgungsunternehmen, die mühelos durchkommen müssten. All das hat die Gemeinde durch die Kontrolle des ruhenden Verkehrs sicherzustellen.
Parkplätze fehlen
In Cäciliengroden gibt es weiterhin etliche kleine Stichstraßen – unter anderem an der Fritz-Frerichs-Straße, der Fritz-Erler-Straße, der Walther-Rathenau Straße und der Paul-Hug-Straße – die zu einzelnen Gruppen von Wohnhäusern führen.
Auch diese sind laut Gesetz zu schmal, um hier zu parken, – und natürlich sind auch die kleinen Wendehammer am Ende dieser Sackgassen fürs Parken absolut tabu.
Viele Anwohner haben für die eigenen Fahrzeuge gerade ausreichend Platz – wenn aber Besuch kommt oder ein Handwerker, dann geht gar nichts mehr. Und hier kommt der nächste Knackpunkt: In Cäciliengroden fehlen ausgewiesene öffentliche Parkflächen. Ob die Gemeinde dafür in Abstimmung mit den Anwohnern eine Lösung findet, bleibt abzuwarten.
