Aufgewachsen ist er in Westerstede im Landkreis Ammerland, aber schon als Junge hat er durch seinen Vater den Wangerooger Kirchturm kennengelernt. Der war Klempnermeister und nahm seinen Sohn gelegentlich mit, wenn er dort Dachrinnen erneuerte. Später studierte Rainer Claus Theologie in Wuppertal, Bochum und Göttingen. Seine langjährige Gemeindearbeit in Wilhelmshaven-Heppens war unter anderem geprägt durch intensive Kinder-, Konfirmanden- und Jugendarbeit mit regelmäßigen Camps in Wildflecken. Als ausgebildeter Spiel- und Theaterpädagoge hat er besondere Gottesdienstformate in Wilhelmshaven mitentwickelt, darunter Theater-Gottesdienste in Zusammenarbeit mit der Landesbühne Nord. Aktiv ist er auch als Notfall-Seelsorger.
Was hat Sie auf die Idee gebracht, sich für die Pfarrstelle auf Wangerooge zu bewerben?
„Alles bleibt anders“. Es hat mich schon immer gereizt neue Wege zu gehen. Hier in Wilhelmshaven haben wir mit der Kooperation „Havenkirche“ Spannendes auf den Weg gebracht. Auch in der Kinder und Jugendarbeit läuft es gut. Gerade erst komme ich aus vier Wildflecken-Camps zurück. Mir geht es hier gut und ich habe in 25 Jahren Wilhelmshaven viel gelernt. Jetzt reizt es mich, alle Erfahrungen in meinen Rucksack zu packen und woanders wieder einzubringen. Auch der Lieblingsmensch an meiner Seite war von der Wangerooge Idee sehr angetan. Das war auch ein wichtiger Anstoß. Schließlich kommen wir als Team auf die Insel.
Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Leben auf einer Insel gemacht?
Verschiedene Inseln kenne ich vom Urlaub. Ich mag die Weite und die Natur. Wangerooge ist meine kirchliche Heimat-Insel. Alle zwei Jahre tagt dort unser Pfarrkonvent. Meine Kindheitserfahrung ist eine Sicht von oben auf Wangerooge. Mein Vater war Klempnermeister im Ammerland und hat regelmäßig auf der Insel gearbeitet. Wenn er am Turm die Dachrinnen erneuert hat, habe ich ihn begleitet. Dieser Blick von oben in die Weite hat sich eingeprägt.
Was hat Sie auf Ihrem beruflichen Lebensweg besonders geprägt?
Menschen! Was ich bin, bin ich durch die Menschen auf meinem Weg. Dafür bin ich sehr dankbar. Meine Gemeinde in Heppens war immer offen und ich durfte neue Wege ausprobieren. Diese norddeutsche Gelassenheit mit einer Prise Humor hat mich geprägt.
Geprägt hat mich auch die Suche nach neuen Worten und Formen für den Glauben für alle Generationen.
Da habe ich viel ausprobiert von Poetry Slam über Go-Special-Gottesdienste bis zur Theaterkirche. Gerade auch die Kinder-, Konfirmanden und Jugendarbeit sorgt dafür, auf dem Punkt zu kommen und den Staub von unserer kirchlichen Tradition zu pusten.
Welche Gründe haben Sie für Ihren Wunsch nach einem beruflichen Neustart?
Wenn ein Bild einen neuen Rahmen bekommt, wirkt es oft ganz anders. Ich habe ein Bild von mir und bin gespannt, wie es aussieht, wenn sich das Drumherum ändert. Und auf einer Insel ist es eben ganz anders.
Welche Wünsche, Pläne und Erwartungen haben Sie für Ihre angestrebte Arbeit auf Wangerooge?
Ich möchte erstmal hinsehen und hinhören. Mit-Trauern über ein schmerzhaftes Jahr, nach vorne blicken und gemeinsam überlegen, was für eine Kirche braucht die Insel. Ich möchte Fäden verknüpfen und den Glauben verbinden mit der beeindruckenden Natur, mit Musik und Stille, mit Theater und Kultur. Verbinden vor allem mit den Menschen, die immer dort leben und mit den Gästen. In einer Hafenstadt wissen wir, dass in einem guten Tauwerk einzelne Stränge miteinander verflochten werden. Von unserer Citykirche hing als Kunstprojekt eine Trosse herab. Damit werden im Hafen dicke Pötte festgemacht. Ich möchte Glaube als Ort deutlich machen, an dem ich festmachen kann. Glaube aber zugleich als Kraft verstehen, um zu sagen: Leinen los. Jetzt kommt was Neues.
Im Rahmen der Besetzung der Pastoren-Stelle der ev. Gemeinde Wangerooge wurden für den August drei Vorstellungsgottesdienste angesetzt, gestaltet jeweils von einem Bewerber.
Den Auftakt machte am Sonntag, 15. August, Jan Janssen. Ihm folgte am 22. August Martin Treichel. An diesem Sonntag, 29. August, stellt sich Rainer Claus auf Wangerooge vor.
Nach der für September vorgesehenen Wahl im Gemeindekirchenrat wird der neue Wangerooger Inselpastor dann von der Kirchenleitung in Oldenburg offiziell ins Amt berufen.
