Jever/Wangerland - Er hat vielen Jeverländern das Reiten beigebracht, galt bei Insidern wegen seiner Vertrautheit mit den Tieren sogar als „Pferdeflüsterer“. Gemeint ist Gerd Leiner. Am vergangenen Sonnabend hat der Senior seinen 90. Geburtstag gefeiert. Angesprochen auf den Ursprung für seine Liebe zum Reitsport, antwortet der Jubilar: „Vielleicht liegt es an meinem Großvater Gerhard“. Der Altvordere diente einst im Kaiserreich als Ulan, also als mit einer Lanze bewaffneter Kavallerist.
Gerd Leiner wurde am 1. Juli 1933 geboren und wuchs mit sechs Brüdern und einer Schwester auf dem elterlichen Hof im wangerländischen Oesterdeichshof auf. 1964 legte der Wangerländer in der westfälischen Pferde-Hochburg Warendorf seine Berufsreitlehrerprüfung ab. Unter anderem war er auf dem Gut Mettcker in Moorhausen als Reitlehrer tätig. Später arbeitete er im Autohaus seines Bruders Hans-Christoph in Hohenkirchen als „Mädchen für alles“.
Ein Küsschen für den „Pferdeflüsterer“: Gerd Leiner hat zu den Reittieren eine besondere Beziehung. BILD: PRIVAT 1.7.2023
Seit 1998 wohnt der Jubilar am jeverschen Masurenweg. Im Flur des Hauses hängen Wochenblatt- Zeitungsartikel, die an einstige Reitsport-Erfolge erinnern – unter anderem an den Sieg einer friesländischen Dressur-Equipe beim „Oldie-Cup“ 1993 in Rastede. Ein „tolles Erlebnis“ war im Jahr 1964 eine 17-Tages-Tour nach Melle (Landkreis Osnabrück), die Gerd Leiner und sieben weitere Reiter auf den Rücken ihrer Pferde zurücklegten.
Der Jeveraner war nie verheiratet. Was sein Verhältnis zu Frauen angeht, hält es der Pferdenarr mit dem Grundsatz: „Ein Feuer legen – und gleich wieder löschen.“ In seiner Zeit als Reitlehrer genoss es der Friesländer, „mit Frauen zu flirten, die nicht erreichbar waren“, weil verheiratet. Eine Ausnahme hat er nur bei seiner langjährigen, mittlerweile jedoch verstorbenen Lebensgefährtin Inge gemacht.
Noch heute flirtet der Senior, der sich morgens und abends mit Gymnastik fit hält, gerne mit Frauen an der Supermarkt-Kasse. Auto und Pferd hat er mittlerweile gegen einen Rollator getauscht, mit dem es zum Bäcker in der Nachbarschaft geht. „Beim Kaffee beobachte ich dort gerne die Leute“, so der Jubilar augenzwinkernd. Nachbarin Kirsten Ferro, die sich um den 90-Jährigen kümmert, vermutet jedoch augenzwinkernd, dass Gerd Leiner dabei auch die eine oder andere hübsche Frau in Augenschein nimmt.
