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NWZonline.de Region Friesland Politik

Kriegsende: Als die weiße Fahne vom Schlossturm wehte

02.05.2015

Jever Gleich drei Gedenktafeln in Jevers Innenstadt erinnern an die Ereignisse, die dem Kriegsende im Jeverland Anfang Mai 1945 vorausgingen: Drei Männer hatten am 3. Mai 1945 der Legende nach Jever vor einer drohenden Bombardierung durch die Alliierten bewahrt. Johann Lünemann, Edgar Hinrichs und Max Rühlmann hatten an jenem Abend in einem Akt des Aufbegehrens auf dem Schlossturm eine weiße Fahne gehisst und waren dann von Marinesoldaten abgeführt worden.

Noch unter dem Eindruck der Bombardierung Wangerooges am 25. April und während Jever mit Verteidigungsanlagen, Volkssturm und Marinesoldaten auf Kampfhandlungen vorbereitet wurde, hatten sich am 3. Mai zwischen 1500 und 3000 Menschen auf dem Alten Markt versammelt. Obwohl die Gauhauptstadt Oldenburg bereits vor den anrückenden Alliierten kapituliert hatte, wollten die örtlichen Nazis und Militärs Jever verteidigen.

Zwei nahezu identische Gedenktafeln erinnern daran am Concerthaus am Alten Markt und an der Schlossgartenmauer vor dem linken Torhäuschen. Eine dritte Tafel steht in den Wallanlagen hinter der Tourist-Info.

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Der Volksauflauf auf dem Alten Markt drohte damals zu eskalieren: Als NSDAP-Kreisleiter Hans Flügel Durchhalteparolen deklamierte, begehrte die kriegsmüde Bevölkerung auf und entwaffnete ihn. „Wir haben dann schließlich getan, was wir konnten, um die Verantwortlichen von diesem Irrsinn abzuhalten, als es nichts nützte, haben wir eine gewaltige Protestkundgebung auf dem Marktplatz veranstaltet, die Hauptnazis verprügelt und aufs deutlichste erklärt, dass wir uns einer Verteidigung unserer Stadt widersetzen würden.“ So erinnerte sich 1946 in einem Brief ein Mann, der in Jever so gut wie vergessen ist: Christel Matthias Schröder (geb. 1915 in Elsfleth, gest. 1996 in Bremen) war von 1936 bis 1951 Pastor in Jever.

Er gehörte zu der Delegation, die am 3. Mai nach Wilhelmshaven gefahren war, um eine kampflose Übergabe Jevers zu fordern, war dafür verhaftet worden. Schröder war vielleicht der einzige in Jever, den man als Widerständler bezeichnen kann.

Allerdings war der Pastor bis auf sein mutiges Eingreifen am 3. Mai 1945 ein eher unpolitischer Mensch – untätig blieb er jedoch nicht: In seinem Umfeld hatten sich christliche Zirkel gebildet, die von den Nazis argwöhnisch beäugt wurden. Schröder hatte sein theologisches Examen bei der Bekennenden Kirche abgelegt, die bewusst in Opposition zum Nationalsozialismus stand. Gegen seine fristlose Entlassung durch die oldenburgische Kirchenleitung, die sich stark mit dem Nationalsozialismus identifizierte, hatte sich Jevers evangelische Gemeinde gewehrt.

Schröders gegen den Nationalsozialismus gerichtete Aktivitäten waren bei den Alliierten nicht unbemerkt geblieben: Die Briten machten den jungen Pastor zum ersten Nachkriegs-Bürgermeister Jevers und die neue Oldenburgische Landesregierung trug ihm die Neustrukturierung der Erwachsenen- und Volksbildung auf.

Doch Schröder erkannte bald, dass Politik und Verwaltung ihm nicht liegen: Gut zwei Monate nach seiner Ernennung zum Bürgermeister gab er den Posten wieder ab.

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Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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