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NWZonline.de Region Friesland Politik

Schicksale: Auch im Asyl Angst vor Abschiebung

06.11.2010

BOCKHORN Die Afghanen heißen Mohammad, Reza oder Hussein, sie sind sehr jung, sie kommen aus einer völlig anderen Welt, und jetzt leben sie in einer ehemaligen Gaststätte mitten in Bockhorn, in den „Ratsstuben“. Acht Asylbewerber sind es, und wenn sie erzählen, wird die andere Seite des Afghanistan-Krieges sichtbar, die der Opfer unter der Zivilbevölkerung.

Einige sind traumatisiert, das ist deutlich zu spüren, unter Tränen berichten sie. Kein Wunder, wenn man den eigenen Bruder neben sich in den Fluten des Mittelmeers untergehen sieht, wenn die Mutter verschollen ist, wenn es überhaupt keine Familie mehr gibt. Aber diese acht haben Glück gehabt, wie Mohammad Ali Afzali sagt, denn sie haben Christiane Peires getroffen.

Die frühere Lehrerin aus Obenstrohe setzt sich ein für ihre Jungs und das mit einer solchen Wärme, dass sie von den Kriegsflüchtlingen nur mit „Mama“ angesprochen wird. Christiane Peires unterrichtet die Afghanen in Deutsch, ein- oder zweimal in der Woche, freiwillig, aus eigenem Antrieb: „Sonst würden sie nur da sitzen und Löcher in die Wand starren.

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„Das ist unsere Aufgabe“

Der Bockhorner Bürgermeister Ewald Spiekermann hatte die Gruppe am Donnerstag ins Rathaus eingeladen, gemeinsam mit Anke Emken und Detlef Szubertowicz von der Sozialabteilung: „Die Afghanen sind uns zugewiesen worden, wir hatten das Glück, die Ratsstuben anmieten zu können, damit alle dort auch zusammen wohnen können. Wir sind froh, wenn sie sich bei uns wohlfühlen. Wir kümmern uns um sie, das ist unsere Aufgabe. Wichtig ist aber, dass sie auch Kontakt zur Bevölkerung bekommen.“ Ein Beispiel hat die Baptistengemeinde in Varel gegeben, sie hatte die Afghanen zum gemeinsamen Kochen und Essen eingeladen. Christiane Peires wünscht sich, dass Paten für die Afghanen gefunden werden, die ihnen zur Seite stehen. Ansprechpartner ist das Rathaus, Tel. 04453/70843 oder 70844.

Was machen die Flüchtlinge den ganzen Tag? Einige besuchen die Haupt- und Realschule in Bockhorn, andere absolvieren einen Hauptschul-Kursus in Schortens, wieder andere das Berufsgrundbildungsjahr Technik in Varel. Sie erhalten Lebensmittelgutscheine jeweils im Wert von rund 150 Euro, dazu etwa 40 Euro Taschengeld monatlich. Doch von dem Geld geht vieles für Rechtsanwälte drauf, die für ein erfolgreiches Asylverfahren notwendig sind, wie Christiane Peires berichtet. Ali Reza Qasimi hat noch ein anderes Problem: Er ist bei der Aufnahme im Asylantenheim einfach als 19-jähriger eingestuft worden. „Um den Vormund zu sparen“, vermutet Peires. Denn eigentlich ist er erst 16 Jahre alt. Er steht allein auf der Welt, er braucht einen Vormund.

Über die Türkei waren sie nach Griechenland geflüchtet, dann illegal nach Deutschland eingereist, aufgegriffen und nach Blankenburg eingeliefert worden. Die acht Jungen entstammen vier Völkerschaften, es sind Turkmenen, Tadschiken und Hazare darunter. Warum sind sie geflohen? Christiane Peires findet deutliche Worte: „Sie wollten überleben, sie wollten nicht im Krieg als Bombe verarbeitet werden, sie wollten nicht erschossen werden.“ Der 16-Jährige hat ständig Magenkrämpfe, Mohammad Ali kann nachts nicht schlafen, die Angst geht um, dass sie morgens aus den Betten geholt und nach Griechenland zurückgeschickt werden.

Was wird aus Afghanen?

Einer ist verzweifelt, weil seine Eltern in Leipzig leben, er aber nicht zu ihnen darf. Zuständig ist die Ausländerbehörde. Spiekermann will sich darum kümmern. Was wird aus den Afghanen? Anke Emken: „Die Vorstellung vom Gesetzgeber und die Tatsachen fallen weit auseinander. Wird das Asylbegehren abgelehnt, können sie trotzdem nicht in ihre Heimat zurück. Es sind De-Fakto-Flüchtlinge. Integration ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen.“

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