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NWZonline.de Region Friesland Politik

Vortrag: Befreiung durch echten Helden

10.10.2014

Jever „Wer ist Eva?“ Dieser Frage ging Heiko Pannbacker in seinem Vortrag „Kriegsende in Jever: Einzug der Polen“ beim Heimatkundlichen Arbeitskreis in Jever nach. Eva Basnizki wurde am 15. Juni 1933 geboren und wuchs mit einer jüdischen Mutter und einem christlichen Vater in Jever auf.

Noch genau erinnert sie sich im von Pannbacker vorgetragenen Lebenslauf an die Grausamkeit der Zeit. Die mehrfachen Verhaftungen ihrer Mutter in der Reichspogromnacht, aber auch noch kurz vor Kriegsende sind ihr fest im Gedächtnis. Der Selbstmordversuch ihrer Mutter vor dem Abtransport ins Konzentrationslager schlug fehl. Stattdessen wurde sie ins Landeskrankenhaus Wehnen eingeliefert, wo sie später in der Küche arbeitete.

Nachdem Evas Vater, der in einem Arbeitslager in Baden-Württemberg gefangen war, nach Jever zurückgekehrt war, sorgte er für die Entlassung der Mutter. Sie wog bei ihrer Heimkehr nur 34 Kilo. Abgeholt wurde sie vom Vater per Fahrrad – sie waren den ganzen Tag unterwegs. „Während des Krieges wurden in Jever nachweislich keine Juden geschützt“, betonte Pannbacker.

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Frühzeitig kapituliert

Von der Geschichte Evas schlug Pannbacker einen Bogen zur Rolle des polnischen Militärs im Zweiten Weltkrieg: Die Polen waren es, die bei Kriegsende 1945 in Jever einzogen. Eva war da gerade elf Jahre alt und hielt die Soldaten für Kanadier.

Dafür, dass auf Jever keine Bomben abgeworfen wurden, nannte Pannbacker zwei Gründe: Zum einen erfolgte der Einzug der Alliierten erst kurz nach Kriegsende, weshalb die Stadt nur besetzt und nicht erobert wurde. Zum anderen hatte man in Jever frühzeitig kapituliert.

Am 3. Mai 1945 hatten Johann Lünemann, Edgar Hinrichs und Max Rühlmann auf der Turmspitze des Schlosses die weiße Fahne gehisst und dadurch Jever vor der Bombardierung durch die Alliierten bewahrt: Der Angriff der Royal Air Force war für den 4. oder 5. Mai geplant. Am gleichen Abend noch hatten sich zwischen 1500 und 3000 Menschen auf dem Alten Markt versammelt und sich den Vorbereitungen für den Volkssturm widersetzt.

Bei der Betrachtung der Polen stellte Pannbacker General Stanislaw Maczek in den Mittelpunkt. Er ist Ehrenbürger der Niederlanden „und das liegt nicht nur daran, dass er nie eine Schlacht im Zweiten Weltkrieg verloren hat“. Geboren 1892 in Lemberg, kämpfte er im Ersten Weltkrieg für Österreich-Ungarn, nach dem Zweiten Weltkrieg galt er im kommunistischen Polen als Kriegsverbrecher.

Maczek hatte nach dem Ersten Weltkrieg polnische Soldaten um sich geschart, und für die Unabhängigkeit Polens gekämpft. Sein Beiname lautete „der Schäfer“. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieb er in der neuen polnischen Armee und stieg zum Brigadegeneral auf. Laut Pannbacker hatte ein polnischer Mathematiker das Telegrafensystem der deutschen Wehrmacht entschlüsselt – so war bekannt geworden, dass das Deutsche Reich am 1. September 1939 Polen angreifen wollte. Man hoffte auf Unterstützung durch Frankreich und England – doch Hilfe blieb aus.

Nach der Einnahme Polens durch die Wehrmacht zog die polnische Regierung ins Exil nach Frankreich – kapituliert wurde nie. „Die Polen waren von da an fremd im eigenen Land“, erklärte Pannbacker.

Auch Maczek, der gegen die Wehrmacht gekämpft hatte, zog sich aus Polen zurück. In Frankreich stellte er die 10. gepanzerte Kavalleriebrigade zusammen – die Einheit kämpfte nach dem deutschen Angriff im Juni 1940 zunächst in der Champagne, schlug sich dann mit etwa 500 Mann nach Marseille durch und über Tunis, Marokko, Portugal und Gibraltar nach Schottland.

Am 1. August 1944 kehrte er mit seiner neuen Einheit, der 1. Polnischen Panzerdivision, mit der Invasion in der Normandie auf den Kontinent zurück: Als Teil des 2. Kanadischen Korps führte Maczeks Weg über Belgien nach Holland, wo ihm die Befreiung der Stadt Breda ohne Verluste unter der Zivilbevölkerung gelang.

Am 6. Mai 1945 gelangte er nach Wilhelmshaven, wo er die Kapitulation der Marinebasis entgegennahm – mit seiner Einheit befreite er auch Jever. Dort wurde der unspektakuläre Einzug der Polen kaum wahrgenommen. Im Juni 1945 wurde er zum Divisionsgeneral ernannt. Im von polnischen Soldaten verwalteten Teil der britischen Besatzungszone wurde Haren an der Ems vorübergehend in Maczków umbenannt.

Echter Kriegsheld

Da Maczek nicht bereit war, sich den neuen kommunistischen Machthabern in Polen unterzuordnen, entschied er sich fürs schottische Exil. Die polnische Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt – auch die britische Regierung tat sich mit dem Kriegshelden schwer: Der ehemalige General musste sich als Barkeeper in einem Pub in Edinburgh durchschlagen. Immerhin ernannte die Regierung der Niederlande Maczek zum Ehrenbürger – noch heute tragen mehrere Straßen seinen Namen.

Maczek wurde 102 Jahre alt – und erlebte nach dem Sturz des kommunistischen Regimes noch seine Rehabilitierung. In seinem Todesjahr 1994 wurde er mit der höchsten polnischen Auszeichnung, dem Weißer-Adler-Orden, geehrt. Bestattet wurde Maczek auf dem Kriegsgräberfriedhof in Breda.

In der Diskussionsrunde berichteten einige Zuhörer im gefüllten Saal von positiven Erlebnissen mit den polnischen Besetzern und ihrer Unterbringung in Privathäusern. Warum es in Jever keine Straße mit Namen der Befreier gibt, man aber an Namen wie Adolf Ahlers festhalte, konnte auch Pannbacker nicht abschließend erklären.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/friesland 

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