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NWZonline.de Region Friesland Politik

,Bei Wangeroog dürfen wir Nest verlassen‘

28.03.2014

Kein noch heute existierendes Gebäude dokumentiert so deutlich die militärische Bedeutung der Insel Wangerooge wie die Signalstation. 1876 als Küsten-Beobachtungsstation errichtet, hat die Signalstelle bis in die Gegenwart der optischen und telegrafischen Übermittlung von Nachrichten gedient.

Die Deutsche Marine nutzt das Gebäude inzwischen nur noch als unbemannte Relaisstation. Die letzten Soldaten verließen 1968 den markanten Turm am Strand. Bis in die 1990er Jahre war eine Richtfunk-Station in Betrieb.

Der 35 Meter hohe Signalturm am westlichen Ende der Strandpromenade diente vor 138 Jahren zunächst der optischen Übermittlung von Nachrichten an Kriegsschiffe, die per Flaggenalphabet oder mit Morsescheinwerfern bzw. Heliographen ausgetauscht wurden. Telefonverbindung bestand zum Kriegshafen Wilhelmshaven; mit der Signalstation auf Helgoland war man „drahtlos“ verbunden.

Um die Jahrhundertwende 1900 verstärkte das Kaiserreich seine imperialen Bestrebungen durch den massiven Flottenausbau. Die Marinebegeisterung von Kaiser Wilhelm II. unterstützte diese Pläne. Anders als beim Landheer, für dessen Finanzierung die Bundesstaaten des Reiches zuständig waren, wurde die Kriegsmarine aus dem vom Reichstag beschlossenen Haushalt bezahlt. Bei Kriegsbeginn 1914 war die Kaiserliche Marine die zweitstärkste Flotte der Welt nach der britischen Royal Navy.

Das Deutsche Reich betrieb nicht nur die Marine-Signalstation auf Wangerooge, sondern übernahm in einem am 6. März 1876 in Berlin geschlossenen Staatsvertrag auch die Unterhaltung des Wangerooger Leuchtturms.

Die Ahnung, dass Wangerooge den Militärs später unentbehrlich werde würde, hatte bereits 1855 der Schiffer D.J. Hanken. „Der preußischen Kriegsflotte kann unser Eiland nützlich sein. Hier übersieht man von einem hohen Puncte aus die Nord-See bis Helgoland, und kann daher bei eintretender Gefahr vielleicht mit Hülfe eines elektrischen Telegraphen schnell nach Heppens (Wilhelmshaven) Nachricht geben“, notierte der Wangerooger bei Abschluss des Jade-Vertrags, mit dem Preußen von Oldenburg das Jadegebiet (Wilhelmshaven) erwarb.

Die Marine-Signalstation änderte im Laufe der Jahrzehnte mehrfach das äußere Ansehen, blieb jedoch für die Besatzungen der Kriegsschiffe erster und letzten Gruß der Heimat.

So schrieb Johann Kienau (Dichtername Gorch Fock) am 1. Ostertag 1915 im „Krähennest“ (Ausguck) des Kleinen Kreuzers SMS „Wiesbaden“: „Beim grauen Rotesandleuchturm und im Angesicht von Wangeroog dürfen wir das Nest verlassen.“

Kienau ging mit der gesamtem „Wiesbaden“-Besatzung in der Skagerak-Schlacht am 1. Juni 1916 unter; nur der Oberheizer Hugo Zenne wurde zwei Tage später als einziger Überlebender gerettet. 589 Männer fanden ein nasses Grab.

„Bei Wangerooge begann die Heimat, und Wangerooge wurde zum Bollwerk an der deutschen Küste“, schreibt 1924 Fritz Strahlmann in seinem Buch „Wangerooge – ein Badealbum“.

Die Signalstation blieb im Zweiten Weltkrieg militärisch genutzt, wurde danach zivil geführt und wieder von der Bundesmarine besetzt. Die jungen Mariner in ihren schmucken Uniformen wurden in den 1960er-Jahren von den Inselmädchen umschwärmt. Einige fanden die Liebe des Lebens, blieben auf der Insel und sorgten für „Blutauffrischung“ unter der Wangerooger Bevölkerung.

Der Name der Insel wird in der Deutschen Marine weiter hoch gehalten. Als Typschiff der Seeschlepper-Klasse 722 gehört die „Wangerooge“ dem Trossgeschwader Wilhelmshaven an. Das 51,70 Meter lange Schiff trägt die taktische Nummer A 1451.

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