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NWZonline.de Region Friesland Politik

Beim Angelausflug überrascht

17.04.2015

Wangerooge Gerne erzählt der Wangerooger Joachim Brandes besonders jungen Menschen seine Geschichte. „Heutzutage werden so viele Kriege geführt und junge Menschen werden dazu verführt, sich daran zu beteiligen“, meint Brandes. „Doch sie wissen oft gar nicht, wie es ist, so etwas zu erleben.“ Joachim Brandes dagegen weiß es genau.

Obwohl es nun schon 70 Jahre her ist, kann sich Brandes noch gut erinnern: Er hat den Luftangriff am 25. April 1945 auf Wangerooge miterlebt.

Gedenken der Opfer der Bombardierung

Zum Gedenken der Opfer des Bombenangriffs auf Wangerooge lädt der Bürgerverein an diesem Sonnabend, 25. April, um 17 Uhr zur Andacht auf dem Ehrenfriedhof am Fußweg zum Westen ein.

In der Inselschule findet am Vormittag ein Projekttag der Schülerinnen und Schüler statt, der in einer Gedenkfeier um 11.30 Uhr mündet.

Am Nachmittag des 25. April 1945 flog die Royal Airforce einen ihrer letzten Bombenangriffe auf Nazi-Deutschland. Innerhalb einer Viertelstunde hagelte es gut 6000 Bomben auf Wangerooge – die Insel lag in Trümmern. Rund 300 Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben. 63 Häuser waren zerstört und 170 beschädigt, die Straßen waren nicht mehr befahrbar, die Kanalisation zerstört, Strom- und Wasserversorgung ausgefallen.

Zur Erinnerung an die Bombardierung der Insel läuten seitdem jeden Tag kurz nach 17 Uhr die Glocken der evangelischen Nikolai-Kirche.

Gemeinsam mit seinen Freunden war der damals 14-Jährige am Strand. „Wir saßen auf der Buhne und haben geangelt“, erzählt Brandes. In der Ferne erkannten die Freunde Flugzeuge. „Ich weiß noch genau, dass mein Freund sagte: ,Mensch, pass auf, die Bombenschächte sind offen‘. Und dann ging es auch schon los.“

„Ich hatte Angst“

Die Bomben trafen die Insel. „Ich hatte ziemlich Angst“, erzählt Brandes. „Aber richtig denken konnte ich in dem Augenblick nicht.“ Mit seinen Freunden rannte er entlang der Buhne immer weiter hinaus in die See. „Wir standen schon im Wasser, aber das war uns in dem Moment egal.“ Am weiten Horizont erkannte Brandes eine scheinbar dunkle Nebelwolke. „Doch die dunklen Wolken waren Rauchwolken von den Explosionen.“

Vorsichtig kehrten die Jungen an den Strand zurück. „In den Dünen standen einige Soldaten, die uns von dort aus das Durcheinander im Dorf zeigten.“

Über die heutige Straße zum Westen rannte Brandes ins Dorf zurück zu seinem Haus. Er hatte Glück: Niemand aus seiner Familie wurde verletzt und auch das Haus war von den Bomben verschont worden. „Nur ein paar Fenster und Türen waren durch den Druck der Explosionen herausgefallen.“

Zwar war die Zeit nach dem Angriff nicht leicht – „doch irgendwie haben wir uns damit abgefunden“, erzählt der heute 84-Jährige. „Wir waren froh, dass wir noch ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen hatten. Viele hatte es schlimmer getroffen.“

Und über noch etwas ist Brandes froh: „Eigentlich war ich damals als Melder eingesetzt. Das bedeutete, wenn irgendwelche Leitungen kaputt waren, musste ich Meldungen übergeben“, erklärt er. „Wenn ich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Meldestelle eingesetzt gewesen wäre, wäre ich genau dort gewesen, wo Bomben einschlugen.“

Als Junge hat Brandes die Ereignisse nicht erfassen und genau verstehen können. „Doch wenn ich heute über den Luftangriff, den Zweiten Weltkrieg oder auch andere Kriege nachdenke, wird mir die ganze Sinnlosigkeit so richtig deutlich“, sagt er. „Die Menschen müssen einfach mehr miteinander reden – das ist das Wichtigste.“

Prägendes Erlebnis

Die Bombardierung Wangerooges hat Brandes geprägt. „Ich habe ein gestärktes Bewusstsein dafür bekommen, dass man auch immer wieder an andere Menschen denken sollte“, sagt er. Deshalb engagiert sich Brandes sozial und hat beispielsweise ein Patenkind in Afrika. „Uns geht es eigentlich so gut – das sollten wir mit anderen Menschen teilen.“

Antje Brüggerhoff
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965312

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